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Wein für Anfänger — wie gelingt der Einstieg?

Wein für Anfänger — wie gelingt der Einstieg?

Wein gilt als absolutes Kulturgetränk und als perfekter Begleiter für ein schönes Abendessen. Doch die schiere Komplexität der Weinwelt schreckt viele Interessenten erst einmal ab. Rotweine, Weißweine, Rose, Sekt und Champagner sind nur einige der Kategorien, die hier eine Rolle spielen.

Wer soll sich in diesem Dickicht von Weinflaschen noch zurecht finden? Niemand. Genau aus diesem Grunde braucht man eine gute Einführung in das Universum des Genussmittels. Diese wollen wir an dieser Stelle liefern und vielleicht den Anfang für Interessenten erleichtern.

Widmen wir uns aber zunächst einer Frage, die potenziellen Interessenten wahrscheinlich unter den Nägeln brennt. Warum sollte man überhaupt ausgerechnet Wein trinken? Schließlich ist Wein durchschnittlich teurer als andere alkoholische und eher niedrigprozentige Getränke wie Bier. Das mag wohl stimmen — allerdings kann Bier niemals in ähnlich vielfältiger Weise nahezu jedes Essen begleiten.

Zwischen den beiden Getränken gibt es dennoch einige Gemeinsamkeiten. So ist auch Wein ein jahrtausendealtes Kulturgetränk — bereits seit sechstausend Jahren bauen Hochkulturen Wein und damit auch Reben als Kulturpflanze an. Doch auch abseits ferner Hochkulturen hat Wein Tradition, und das durchaus auch in Deutschland. Hierzulande verdanken wir den Römern die Einführung des Weinbaus, den sie nach der Eroberung der größten Teile Deutschlands mitbrachten — auch in unsere Region.

Schließlich wollten die Römer schon vor zweitausend Jahren in ihren neu eroberten Gebieten nicht auf ihr favorisiertes Getränk Nummer Eins verzichten — der Transport der Amphoren über die Alpen wäre in größeren Mengen auch logistisch kaum in den Mengen möglich gewesen. Entsprechend entschieden sich die Besatzer, die Reben einfach aus der Heimat mit zu bringen. Interessanterweise waren die Weine aus unseren Breitengraden schon damals geschmacklich anders als die aus dem Süden.

Die pure Vielfalt

Doch auch abseits der historischen Tradition, Wein zu trinken, die sich nach dem Ende des Römischen Reiches noch durch das Mittelalter bis in die Neuzeit gerettet hat, gibt es gute Gründe, warum Wein ein tolles Getränk ist. Die schon benannte Vielfalt in Sachen Weinarten erlaubt, große Entdeckungsreisen geschmacklicher Art zu machen. Denn abgesehen von den Weinarten gibt es auch innerhalb von diesen noch gewaltige geschmackliche Unterschiede, die von den zahlreichen Variablen in der Weinherstellung bestimmt werden.

Selbst der Wein der gleichen Sorte und vom gleichen Weingut kann bei unterschiedlichen Jahrgängen sehr unterschiedlich schmecken, je nachdem, wie er ausgebaut ist.

Die Experten nicht zu ernst nehmen

Experten sind viele — doch auf den Geschmack kommt es an. Foto: fotolia.de © Ilshat #183600158

Wie bei jedem komplexen Thema gibt es auch in Sachen Wein tatsächliche und scheinbare Experten. Doch egal, ob die Expertise nun berechtigt ist oder sich letztendlich nicht bewahrheiten lässt: Interessenten sollten sich hier nicht allzu stark beeindrucken lassen. All die sensorische Expertise ist in letzter Instanz eine subjektive Komponente. Das größte Wissen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier letztlich um Geschmack geht. Und über diesen lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Aus diesem Grund ist es völlig in Ordnung, am Anfang mit einer gewissen Wahllosigkeit im Supermarkt zuzugreifen und sich erst einmal ein Notizbuch anzulegen, in dem sie ihre Eindrücke festhalten können. Welches Geschmackserlebnis hat Ihnen besonders beim Probieren zugesagt? Schreiben Sie die Rebsorte auf und gehen Sie vielleicht weiter in die Richtung oder schlagen eine ganz andere ein.

Eines der berühmtesten und beliebtesten Klischees, was Weine angeht ist, lautet, dass nur teure Weine wirklich gut schmecken. Das ist allerdings völliger Quatsch. Denn wer vier Euro für eine Flasche oder mehr bezahlt, kann mit etwas Glück bereits ein feines Fläschchen erwischen — nicht das drei- oder vierfache, wie viele Anfängerinnen und Anfänger annehmen.

Selbstredend ist die Preisgrenze nach oben offen, und nach den ersten eigenen Erfahrungen kann man auch ein wenig hochpreisiger investieren. Leider gibt es hier auch keinerlei Garantie dafür, dass der Wein dann auch wirklich gut schmeckt — Probieren geht hier ganz klar über studieren.

Selbst für Anfängerinnen und Anfänger gibt es eine ganze Menge von Hinweisen, die sie beachten sollten, um im Regal nicht daneben zu greifen. Wie so oft platzieren Supermärkte ihre billigsten Weine ganz unten im Regal. Dort findet man die billigsten Weine mit oftmals zweifelhafter Herkunft und einem noch zweifelhafteren Geschmack. Allgemein sollte die Herkunft eines Weines immer relativ schnell zu identifizieren sein. In der untersten Schubladen finden sich oft auch Tetrapacks — bis heute halten viele Winzer diese Art der Lagerung für ungeeignet.

Ansonsten gibt es oft vermeintliche Schnäppchen für Käufer von ganzen Kisten. Obwohl das im ersten Moment ein verlockendes Angebot zu sein scheint, ist vom Kauf hier eher abzuraten. Bevor man gleich ganze Kisten kauft, sollte man vorher Bescheid wissen, wie der Wein schmeckt. Bei einem Blindkauf kann es sonst dazu kommen, dass bis auf eine Probeflasche alle anderen herumstehen.

Wie schon gesagt, gibt es sehr unterschiedliche Weinsorten. Meistens bevorzugen regelmäßige Weintrinker entweder Rot- oder Weißwein. Dass beides gleich gern getrunken wird, ist eher selten. Interessant ist, dass sie dabei durchaus gern zu Weinen greifen, die sich durch ihre geschmacklichen Eigenschaften entweder besser oder schlechter für bestimmte Jahreszeiten eignen — so gibt es bestimmte Weine, die sich gut für den Sommer eignen und andere, die besonders im Winter munden. Obwohl es natürlich auch hier auf den individuellen Geschmack ankommt, sind viele Weintrinker der Auffassung, dass Weißwein vor allem in den wärmeren Jahreszeiten die richtige Wahl ist, während sie Rotweine im Herbst, Winter und am Anfang des Frühlings bevorzugen.

Grundsätzlich kann man übrigens sagen, dass sich Weiß- und Rotwein vor allem in der Herstellung unterscheiden. Das weit verbreitete Märchen, das Rotwein nun einmal aus roten Trauben gemacht würde, während der Weiße entsprechend aus weißen Trauben entstünde, stimmt übrigens nicht.

Ihre Unterscheidung ist zudem geschmacklicher Natur, da es hier zwischen Rot- und Weißwein (in aller Regel) durchaus größere Unterschiede gibt.

Unterschiedlich sind übrigens auch die optimalen Trinktemperaturen. Besonders bei trockenen, aber auch bei süßen Rotweinen empfiehlt sich ein Genuss bei Zimmertemperatur. Weißweine hingegen sollte man kühlen. Während Rotwein zwischen 15 und 18 Grad Celsius am besten schmeckt, lassen sich trockene Weißweine bis neun Grad Celsius heruntertemperieren. Halbtrockene Weißweine liegen zwischen 12 und 14 Grad Celsius, sodass man sie nach der Herausnahme aus dem Kühlschrank ruhig noch etwas stehen lassen darf.

Der Unterschied bei der optimalen Kühlung rührt übrigens daher, dass Rotweine eine höhere Temperatur brauchen, um ihren komplexen Geschmack entfalten zu können.

Ein weiterer Mythos ist die Auffassung, dass trockene Weine stets weniger süß schmecken als halbtrockene. Dies ist allerdings keineswegs der Fall, obwohl der Restzuckergehalt bei trockenen Weinen niedriger ist als bei halbtrockenen. Das hängt damit zusammen, dass der Restzuckergehalt nicht die einzige Komponente ist, die den Geschmack beeinflusst. Der Alkoholgehalt und die die Weinsäure spielen dabei nämlich auch noch eine Rolle. Das führt dazu, dass ein trockener Wein durchaus süßer schmecken kann als ein halbtrockener.

Gerade dieser Aspekt verdeutlicht wieder, dass man um das Ausprobieren und selbst schmecken nicht herumkommt.

Die geschmacklichen, synergetischen Effekte zwischen Wein und Essen sind außergewöhnlich interessant und einzigartig. Aus diesem Grund lohnt es sich, genauer darauf einzugehen, welcher Wein und welche kulinarischen Gaumenschmäuse sich besonders gut miteinander vertragen. Dabei geht es nicht nur darum, dass das Gericht und das Getränk gut schmecken, wenn man sie parallel verzehrt — stattdessen ist es so, dass der Geschmack des Weines und der der Speisen sich gegenseitig verstärken können. Auf diese Weise entsteht ein ganz neues Geschmackserlebnis.

Bei Fleisch etwa kommt es stark auf die Farbe an. Während bei hellem Fleisch, zum Beispiel Geflügel, eher Weißwein gut passt, eignen sich für rotes Fleisch und Braten rote Weine gut. Generell gilt: Je kräftiger der Geschmack des Fleisches, umso kräftiger muss auch der Wein sein. Bei einem Wildbraten etwa sollte es durchaus ein trockener, kräftiger Rotwein sein, der geschmacklich komplex und ausbalanciert ist - Variationen zwischen restsüßeren Varianten und herbem Geschmack gibt es dort genug, sodass die Nuancierung noch steuerbar ist. Sorten wie der Bordeaux, der Amarone oder der Burgunder aber auch andere bieten geschmackliche Vielfallt.

Übrigens gilt die Grundregel, dass Essen und Wein in ihrer Intensität geschmacklich harmonisch sein sollen, gilt freilich nicht nur für Fleisch. Gerade bei Käse ist es wichtig, diese Regel einzuhalten. Bei leichtem Käse geht es zum Beispiel fruchtig und mild, bei kräftigem Käse hingegen sollte es ein geschmacksintensiverer Wein sein. Grundsätzlich empfehlen sich süßere Weine zu Käse. Sind die Weine nämlich zu trocken, überlagern sie den Käsegeschmack.

Bei Fisch hingegen passt besonders gut ein Weißwein, etwa ein Riesling mit Citrus-Note oder ein Weißburgunder.Wein gilt als absolutes Kulturgetränk und als perfekter Begleiter für ein schönes Abendessen. Doch die schiere Komplexität der Weinwelt schreckt viele Interessenten erst einmal ab. Rotweine, Weißweine, Rose, Sekt und Champagner sind nur einige der Kategorien, die hier eine Rolle spielen. Wer soll sich in diesem Dickicht von Weinflaschen noch zurecht finden? Niemand. Genau aus diesem Grunde braucht man eine gute Einführung in das Universum des Genussmittels. Diese wollen wir an dieser Stelle liefern und vielleicht den Anfang für Interessenten erleichtern.