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Umgang mit Corona: Bitte nicht das Volk entzweien!

Umgang mit Corona : Bitte nicht das Volk entzweien!

Betr.: Umgang mit Corona, Rundschau-Leserbrief

Sehr geehrter Herr Schmiegel,

ich kann und möchte Ihren Leserbrief in allen Punkten mehr als nur unterschreiben. Ich, 1956 geboren, bin froh, all die Zeiten und Momente, die Sie in Ihrem Leserbrief aufgezählt haben, nicht miterlebt zu haben.

  • Corona-Schließung des Botanischen Gartens : Endlich die richtigen Fragen
  • Dietmar Bell (SPD).
    Dietmar Bell (SPD) : „Studierende endlich nachhaltig vor Corona-Folgen schützen“
  • Besorgt: Gesundheitsdezernent Stefan Kühn.⇥Foto: Petersen
    Corona-Pandemie : Gesundheitsdezernent: „Die bisher größte Herausforderung“

Ich möchte allen Corona-Gegnern und -Leugnern entgegnen, dass ich seit Beginn der Pandemie all die damit entschiedenen politischen Vorschriften mitgetragen habe. Auch wenn ich im Laufe des letzten Jahres bis zum heutigen Tage viele Entscheidungen der Politik mehr als fraglich bezüglich Eindämmung der Pandemie ansehe.

Auch hat sich für mich das föderale System in unserem Land als Bremsklotz zur Bekämpfung von Corona oder einer anderen Pandemie herausgestellt.

Weiterhin möchte ich mal einen Rat an die Herren Lindner und Kubicki geben: Sie, als führende Politiker der FDP, hatten die Wahl gehabt mitzuregieren, und somit auch in dieser jetzigen Zeit als Entscheidungsträger mitzugestalten. Doch wissen heute alle politikinteressierten Bürger, wie sich Herr Lindner und die FDP an diesem Tag, wo es darum ging, Regierungsverantwortung zu übernehmen, entschieden hat: Lieber nicht regieren, als falsch regieren, war an diesem Tag die entscheidende Aussage. Heute kennen diese Herren nur den Gang zum Verfassungsgericht.

Wir leben in einem freien, demokratischen Land, auch in Pandemiezeiten. Die Aufgabe der Politik ist, und das haben die Politiker mit einem Eid geschworen, das Volk zu schützen. Und dabei geht es nicht nur um das Steckenpferd der FDP, die Ausgangssperre, sondern ganz besonders gerade um das Leben derer, die auf den vielen Intensivstationen liegen und um ihr Leben kämpfen – und auch darum, damit die, die in den Krankenhäusern und Pflegeheimen ihr Bestes geben, endlich wieder Licht im Tunnel sehen.

Weiterhin möchte ich zu bedenken geben, dass es für Pandemiebekämpfung kein Lehrbuch gegeben hat, nach dem zu verfahren war oder ist. Doch was ist richtig oder falsch in dieser Situation? Es gibt für mich kein richtig und falsch. In dieser jetzigen Situation für das Wohl und die Gesundheit des eigenen Volkes zu entscheiden, ist nicht leicht. Doch sollten wir endlich begreifen, dass wir nur alle gemeinsam die Pandemie besiegen können.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mal wirklich alles, und ich meine wirklich alles, was nicht systemrelevat ist, drei bis vier Wochen runterschrauben sollten (und das bitte ohne den Gang zum Bundesverfassungsgericht), um die Intensivstationen und Infektionszahlen in Verbindung mit Impfung und Testen auf ein Level zu bringen, das langsames gezieltes Öffnen möglich macht, ohne wieder ein bis zwei Wochen später wieder alles schließen zu müssen.

Denn die Klimakatastrophe wartet nicht, bis Corona bekämpft wurde. Es gibt viel zu tun. Packen wir endlich an. Und zwar gemeinsam als ein Volk.

Und bitte, liebe Politiker: Ihr seid vom Volk gewählt worden, um uns zu schützen – und nicht, um Öl ins Feuer zu schütten und dadurch das Volk zu entzweien.

Wie das enden kann, ist in den Vereinigten Staaten sichtbar geworden.

Frank Meurer