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Eine Legende, die keine sein will

Eine Legende, die keine sein will

Vor 20 Jahren stieg Ono Ngcala zum ersten Mal anders in die Schwebebahn. Nicht, dass er nicht vorher schon mit ihr gefahren wäre. Aber diesmal war er zum ersten Mal dort, um als Teil des Rapduos "Walkin‘ Large" ein Musikvideo zu drehen.

Der Song "Reachin‘ (For My People…)" sorgte damals für Aufruhr in der Hiphop-Szene.

 Rapper Ono 1995 in der Schwebebahn — auf Youtube zu sehen.
Rapper Ono 1995 in der Schwebebahn — auf Youtube zu sehen. Foto: Screenshot

Schließlich rappte der gebürtige Südafrikaner auf Englisch, und er hatte den bekannten New Yorker Rapper Jeru The Damaja an Bord. Das war nicht weniger als deutsche Rapgeschichte: der erste Song eines amerikanischen mit einem deutschen MC.

Vier Jahre später hatten sich "Walkin‘ Large" ihren Platz in der Szene erobert. Die Single "Boy Meets World" wurde zum Charthit (Platz 50), und die Wertschätzung für das Duo zeigte sich erneut in der Schwebebahn. Diesmal lud Ono mit seinem Partner DJ Ara in den Kaiserwagen — und illustre Namen aus der Crème de la Crème der deutschen Rapszene um die Jahrtausendwende folgten. Deshalb kann man auch heute noch bei YouTube Stars wie Max Herre, Gentleman, Curse oder die Stieber Twins sehen, wie sie gemeinsam mit Ono zu "Boy Meets World" schwebend abfeiern. Das, was im Rap "die Klasse von '95" genannt wird, treibt Ono Ngcala noch heute ein Strahlen ins Gesicht. "Das war eine geile Zeit. Es gab untereinander keine Konkurrenz. Alle kannten sich und haben miteinander auf Jams und Konzerten gefeiert", erinnert er sich.

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Jahre später sieht man ihn wieder auf den Stufen zur Schwebebahnhaltestelle sitzen, den heute 40-Jährigen Rapper, dessen Gesichtszüge manchmal an den Schauspieler Will Smith erinnern. Ono war "seit sechs oder sieben Jahren" nicht mehr in Wuppertal, ist mittlerweile in Berlin heimisch geworden.

Doch kaum auf Besuch in der alten Heimat, rief ihn sein Kumpel Metaphysics an. Schnell war klar: Trotz wenig Zeit wollten die beiden einen Song aufnehmen — und ein Video. "Remember Me" entstand, "obwohl ich eigentlich keiner bin, der seine Texte schnell schreibt. Diesmal hat es aber funktioniert", sagt Ono. "Erinnert ihr euch an mich?", fragt der schlaksige Musiker, der im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland kam. Bei seiner Rückkehr ins Tal ist ihm gleich aufgefallen, dass sich die Menschen nicht verändert haben. "Ich habe gleich wieder die Melancholie über dieser Stadt gespürt. Dabei ist Wuppertal so schön", sagt er.

Ob er eine Legende sei? Nein, eigentlich kann Ono Ngcala mit diesem Begriff nicht viel anfangen. "Das klingt immer so, als wäre meine Zeit vorbei", sagt der 40-Jährige. Im Gegenteil: Ono will sich als "Rap-Senior" zum ersten Mal in seinem Leben voll auf die Musikerkarriere konzentrieren. "Ich liebe Musik und will meinen Beruf als Songschreiber mit den Leuten teilen", sagt er. Ende August soll im Eigenverlag eine EP mit seinem Berliner Kompagnon Kemp erscheinen. Der Titel lautet nicht weniger als "Hiphop retten". Außerdem wirft Ono seinen Hut mit dem Dance-Soloprojekt "Onosizo" in den Ring — als Sänger.