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Wuppertaler „Metaphysics“: „In der Schwebebahn unplugged performen“​

Rapper Herbert Qwela Schwamborn : Metaphysics: „In der Schwebebahn unplugged performen“

Am Freitagabend (19. August 2022) findet in Remscheid ein großer Auftritt und irgendwie auch ein Heimspiel statt. Denn einer der „Söhne Mannheims“, die um 20:15 Uhr auf dem Schützenplatz auftreten, ist mittlerweile seit vielen Jahren ein Kind Wuppertals. Der Rapper Herbert Qwela Schwamborn ist „Metaphysics“. Mit Redakteurin Nina Bossy spricht er über seine Herkunft, seine Musik und über ganz viel Wuppertalliebe.

Rundschau: Simbabwe, Köln, Mannheim, Wuppertal. Warum haben Sie ausgerechnet hier ein Zuhause gefunden?

Metaphysics: „Mein Vater ist Deutscher, meine Mutter stammt aus Simbabwe, dort bin ich aufgewachsen. Und ich habe immer davon geträumt, in eine große Stadt zu ziehen. In meinem Traum war das New York, aber ohne Green-Card musste ich Amerika nach kurzer Zeit wieder verlassen. Als dieser Traum zerplatzte, hat irgendetwas in mir gesagt: Warum gehst du nicht nach Deutschland und lernst etwas über deine Herkunft? Von Köln aus, der Stadt, in der mein Vater gelebt hat, bin ich nach Wuppertal gekommen - was ich wirklich nie bereut habe.“

Rundschau: Seit Jahren prägen Sie die lokale Musikszene. Was sagen Sie jungen Musikern: Kann man von Wuppertal aus die große Karriere starten?

Metaphysics: „Wuppertal hat eine stolze Geschichte in Kunst, Kultur und Musik. Es gibt einige große historische Figuren, die aus unserer Stadt stammen. Und wir haben eben auch viele junge, sich gerade erst sich entwickelnde Künstler, die sich eine Karriere aufbauen und dabei auch die Flagge der Stadt hochhalten. Als ich nach Deutschland kam, hatte Wuppertal einen starken Einfluss auf die sich gerade entwickelnde Hip-Hop-Szene der ganzen Region. Wir hatten legendäre Clubs wie die ,Beat Box‘. Und ich erinnere mich, wie meine Kumpels und ich genau deshalb von Köln nach Wuppertal kamen. Diese Subkultur lebt immer noch, und ich denke, junge Leute müssen nur zu ihrer Liebe zur Musik stehen - und irgendetwas wird passieren. Ich selbst durfte oft beobachten, wie Künstler aus Wuppertal heraus groß geworden sind.“

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Rundschau: Am Freitag treten Sie quasi nebenan, in Remscheid, auf. Wie fühlt es sich an, auf einer Bühne in der eigenen Region zu stehen?

Metaphysics: „Das erste Mal, dass ich in der eigenen Region auf der Bühne stand, war im Rex Theater. Da haben wir mit der frühesten Söhne Mannheims-Konstellation performt. Ich war so aufgeregt! Letztes Jahr sind wir dann schon einmal in Remscheid aufgetreten, das war noch mitten in der Pandemie. Nun freue mich auf das Konzert am Freitag, das bestimmt großartig wird. Mit gutem Wetter, in einer wunderschönen Location. Ich hoffe, viele Freunde und Familie begrüßen zu dürfen, aber ich möchte auch alle Wuppertaler einladen zu kommen. Es ist doch bestimmt ein Erlebnis, einen Menschen aus der eigenen Stadt auf der Bühne, zusammen mit so großen Musikern wie den Söhnen Mannheims zu sehen.“

 Die „Söhne Mannheims“.
Die „Söhne Mannheims“. Foto: LA.MAG

Rundschau: Viele verbinden mit den Söhnen Mannheims Xavier Naidoo, der aber 2017 ausgestiegen ist. Wie erging es der Band damals und wie hat sie sich in den vergangenen Jahren neu gefunden?

Metaphysics: „Xavier Naidoo hat eine lange musikalische Geschichte und hat zu vielen Musikern eine Nähe gehabt und mit ihnen gemeinsam Musik auf den Weg gebracht. Und so ist es auch bei den Söhnen Mannheims. Wir waren Teil von Xavier Naidoos Energie und er von unserer. Er hat sich 2017 dazu entschieden, sich ausschließlich auf seine Solo-Projekte zu fokussieren. Seitdem singt und spricht er in seinem eigenen Namen. Wir sind dankbar für seine musikalische Inspiration und für alles, was er in mehr als zwei Jahrzehnten für die Band geleistet hat. Heute gehen wir, die Söhne Mannheims, aber unabhängig unseren eigenen Weg. Jetzt fokussieren wir unsere Energie auf neue Projekte. Genau diese Transformation, die wir gerade als Band erleben, ist unheimlich spannend. Unsere Band wird jünger, hält aber auch den Sound der Söhne Mannheims aufrecht. Unsere Musik war anfangs inspiriert von Künstlern wie Moses P., Sabrina Setlur oder dem Beginnen der deutschen R&B-Bewegung. Inzwischen haben wir viele eigene Einflüsse entwickelt und mit den Sängern Dominic Sanz, Karim Amun, Michael Klimas, Giuseppe ,Gastone‘ Porrello und Gründungsmitglied Claus Eisenmann sehr starke Stimmen in der Band. Damit möchten wir auch Inspiration für junge Künstler sein, die Musikgeschichte weiter zu schreiben.“

Rundschau: Sie wohnen in Wuppertal, sind aber in Simbabwe aufgewachsen. Dort haben Sie aktuell einen Top-10-Hit. Welchen Bezug haben Sie zu Ihrem Herkunftsland? Und was bedeutet Heimat für Sie?

Metaphysics: „Ich bin gesegnet, zwei Heimaten zu haben – und dass es, während es in der einen Heimat im Winter sehr kalt wird, es in der anderen warm bleibt. Ich finde es schön, dass diese Orte sehr unterschiedlich sind, unterschiedliche Sprachen haben und unterschiedliche Kunstformen, in die ich involviert bin. Ich bin extrem glücklich, in beiden Ländern mit meinen Bands in den Charts sein zu dürfen. Das können nicht viele Leute sagen. Ich bin stolz, die Fahnen beider Länder hochhalten zu dürfen. Und übrigens, trotz aller anderen Unterschiede, ähneln sich die Farben dieser Fahnen sogar.

Rundschau: Bleiben Ihre Bandkollegen nach dem Konzert noch in der Region? Was würden Sie ihnen gerne einmal in Wuppertal zeigen?

Metaphysics: „Ich würde natürlich mit ihnen Schwebebahn fahren. Und nicht nur das: Ich habe eine neue Kamera und würde sie so gerne unsere neue Single ,Mut‘ in der Schwebebahn unplugged performen sehen. Ab jetzt wird es übrigens peinlich für sie, falls sie nein sagen. Das ist jetzt eine öffentliche Einladung! Ich bin gespannt!“