Kommentar zur Öffnung des Wuppertaler Schauspielhauses

Plädoyer für ein häufiger geöffnetes Schauspielhaus : Lasst viel mehr Leute diesen Ort erleben!

Samstag – endlich mal wieder im normalerweise geschlossenen Schauspielhaus. Wegen „Underground VI“ des Tanztheaters. Das Haus – zusammen mit der Schwimmoper das architektonisch wegweisendste Gebäude dieser Stadt – hat sich bei der aktuellen Pina-Bausch-Aufführung als faszinierender Raum mit immenser Sog-Wirkung gezeigt.

Das leicht Verrottete, Verkommene, das schon beim von Unkraut bewachsenen Pflaster vorm Nebeneingang beginnt, setzt sich im Inneren durchaus fort – und passt idealtypisch zu den Stücken, die zu sehen waren.

Man kann es in der Rückschau immer noch nicht fassen, dass dieses Gebäude vor noch nicht allzu langer Zeit nur noch eine Perspektive hatte: Es wäre dem Verfall preisgegeben worden. Die damalige Stadtspitze, die – wie die heutige – immer nur „kein Geld, kein Geld“ lamentierte, nahm es billigend in Kauf, dass das Schauspielhaus zum Sterbefall wurde. Aller Widerstand dagegen war zwecklos.

Wenn nicht mit der Idee eines Pina-Bausch-Zentrums, das eine (mindestens) deutschlandweite Ausstrahlung haben wird, die Rettung am Horizont erschienen wäre, würde Wuppertal weiterhin zusehen müssen, wie die Architektur-Ikone wegbröckelt. Denkmalschutz hin oder her: Man weiß, dass es da auch Ausnahmen gibt. Etwa dann, wenn die Restaurierung eines denkmalgeschützten Objektes dem Eigentümer finanziell nicht zugemutet werden kann. Ich will niemandem unterstellen, dass man im Rathaus genau mit einem solchen Szenario spekuliert hat, aber den Gedanken werde ich auch heute noch nicht los ...

Apropos heute: Das Schauspielhaus ist eine grandiose Arena für Kunst-, Klang-, Licht- und alle anderen nur denkbaren Inszenierungen und Installationen. Sowie wegen seiner Offenheit (plus einer immer noch existierenden großen Außenterrasse!) ein idealer Platz der Begegnung von Menschen in inspirierter Atmosphäre. Dieses Gebäude muss unbedingt viel öfter offen sein – für verschiedenste Veranstaltungen unserer Kulturszene.

Bei meinem „Ja“ zur Seilbahn in unserer Samstagsausgabe schrieb ich: „Wuppertal muss an vielen Stellen neu und nach vorn denken.“ Die Nutzung des Schauspielhauses jetzt in der Gegenwart (bis zum echten Umbaustart) wäre ein Symbol dafür, dass Wuppertal dieses Nach-vorn-Denken kann, wenn es sich das (zu-)traut. Die Zukunft als Pina-Bausch-Zentrum steht dann als starkes Statement, von dem noch Generationen profitieren werden. Das ist vor allem an die Adresse der Mäzene und Stiftungen gerichtet, die für die Unterhaltungskosten unverzichtbar sein werden.

Events wie „Underground VI“ sind ein wundervolles Votum für ein wiederbelebtes Schauspielhaus. Wuppertal hat kaum einen besseren Kulturort. Nirgendwo sonst hätte der aktuelle Tanztheater-Work-in-Progress-Abend so spektakulär verlaufen können.

Gesegnet, die die Zukunft dieses Gebäudes nie aus dem Auge verloren haben. Die anderen, die zuließen, dass es fast verfällt, sollen sich schämen bis ans Ende aller Zeiten.

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