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Kommentar von Hendrik Walder zur Stadtentwicklung in Wuppertal

Kommentar zum Geduldspiel „Neue Mitte Wuppertal“ : Die Entdeckung der Langsamkeit

So, nun ist Primark also endlich eingezogen. Na und? Der Döppersberg ist ein bisschen fertiger geworden, ein Leerstand weniger – aber natürlich ist der Vorgang kein Aufbruchssignal, geschweige denn ein Befreiungsschlag.

Stattdessen warten wir auf die nächste Verzögerung. Denn der Döppersberg, das Leuchtturmprojekt, die „Neue Mitte Wuppertal“ ist ein Geduldsspiel. Das Gesamtvorhaben war ja schon kein Frühstarter – mit seinen ersten Planungen deutlich vor der Jahrtausendwende. Als Kerngebilde der Regionale 2006 (!) erlebte der Döps seine ersten Bauarbeiten endlich 2011. Dass nach der Beendigung der städtischen Arbeiten im letzten Jahr ausgerechnet die Bahn Verspätung meldet, davon konnte man ja noch ausgehen. Aber dass man über ein halbes Jahr warten muss, bis der lange bekannte Mieter das bezugsfertige Goldene Kalb in der Platzmitte einweiht, verblüffte schon. Aber die Zeiten ändern sich rund um Wuppertal eben rasant. Und Primark hatte jüngst gemerkt, dass die Bäume auf dem Markt der Billigmode nicht in den Himmel wachsen. Hatte dementsprechend kurzfristig umgeplant und seinen Zuschnitt in Wuppertal ein wenig kleiner gewählt.

Und jetzt? Warten wir weiter. Ob sich doch noch ein Betreiber für das dazugehörige und ebenfalls längst fertige Parkhaus findet. Darauf, dass die umgebenden Ladenlokale vermietet werden. Auf die Umbauten in der Schwebebahn-Haltestelle, von denen wir seit neuestem wissen, dass auch dort ein Jahr Verzögerung ansteht.

Immerhin gibt es Hoffnung, dass bis dahin Bunker-Club, Info-Pavillon und das Café Cosa gegenüber fertig sind. Und dass die ISG Poststraße ihre ersten Maßnahmen initiiert hat, mit denen Döppersberg-Passanten in die City geleitet werden sollen. Denn das war ja eigentlich der Plan: Mit einem neuen attraktiven Eingangstor die (auswärtigen) Menschen in eine ebenfalls aufgewertete Innenstadt zu locken. Ein Konzept dafür gibt es allerdings noch nicht. Ebenso wenig wie Ergebnisse der eigens dazu erfundenen „Qualitätsoffensive Elberfelder Innenstadt“.

Aber wohlgemerkt: Die größte Entwicklungs-Bremse ist nach wie vor in privater Hand: Es ist die seit zehn Jahren vor sich hin träumende, leerstehende Bundesbahndirektion. Der man sehnlichst irgendeine Nutzung wünschen würde – ein Outlet-Center wird es ja offensichtlich wohl nicht mehr. Angesichts der quälend langsamen Entscheidungen könnte man ja dort 2025 die Tal-Station für eine mögliche Seilbahn bauen, wenn sie denn kommt...

Übrigens: Auch die Wikipedia-Autoren haben sich inzwischen diesem Tempo angepasst: Der Eintrag zum Thema „Döppersberg“ zeigt auf dem jüngsten Bild die Baustelle im Jahr 2016. Und im Text kann man als aktuellsten Hinweis erfahren, dass die Sperrung der B7 im Juli 2017 aufgehoben wurde.