Kommentar zum Abschluss der Drei-Kaiser-Denkmal-Geschichte: Erinnern ist gar nicht so einfach

Kommentar zum Abschluss der Drei-Kaiser-Denkmal-Geschichte : Erinnern ist gar nicht so einfach

Etwa 30 Gäste froren sich am Samstag auf der Hardt die Nasen- und Fingerspitzen ab, als die Enthüllung einer Informations-Stele zum 200 Jahre alten Drei-Kaiser-Denkmal auf dem Programm stand.

Die Stimmung war (fast) durchgängig entspannt und gut. Kaum zu glauben, dass dieses spezielle Denkmal-Thema vor fünf Jahren eine ziemlich scharfe Diskussion in der Stadt entfacht hat. Und vor drei Jahren beinahe zu ernsten deutsch-russischen Diplomatie-Spannungen führte. Aber so war es.

Als seinerzeit im Rahmen einer Veranstaltung des russisch-deutschen Kulturvereins "Applaus", der in Unterbarmen zu Hause ist, der Wunsch geäußert wurde, das schwer beschädigte Denkmal wieder komplett zu restaurieren, gab es in Wuppertal intensive (Leserbrief-)Debatten darüber, ob ein von den Einflüssen der Zeit "verändertes" Denkmal so bleiben soll, wie es durch eben diese Einflüsse der Zeit geworden ist. Oder ob man es "einfach" wieder herrichten soll, als ob nie etwas gewesen wäre. Bis der Kulturausschuss (angesichts der Zusage russischen Geldes) dem Wunsch nach Komplettrestaurierung zustimmte, gab es heftige Auseinandersetzungen.

Und als 2014 — beim Ausbruch der Ukraine-Krise — die offizielle Einweihung des wieder blitzblanken Denkmals durch die Stadt Wuppertal abgesagt wurde, reagierten der Staat Russland und der Verein "Applaus" stark verstimmt. Immerhin ist das Wuppertaler Denkmal eines der wenigen außerhalb des russischen Staatsgebietes, mit dem ein russischer Herrscher — hier Zar Alexander I. — geehrt wird. Russland hatte seinerzeit (und hat heute noch immer) großes Interesse daran, dieses Denkmal in Bestform zu wissen. Mit dem stellvertretenden Generalkonsul war nun auch der russische Staat auf der Hardt vertreten. Der Verein "Applaus" war ebenfalls eingeladen — glänzte aber durch Abwesenheit.
Wofür steht diese ganze Geschichte, die jetzt ihren Abschluss gefunden hat? Für eine Frage, die der Wuppertaler SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Bialas am Rand der Samstagsveranstaltung formulierte: Was stellen wir uns (und wie) in unseren öffentlichen Raum?

Wenn man darüber nachdenkt, wie man mit alten Denkmälern umgeht, dreht es sich nicht einfach um Schönheit & Co., sondern um die daran ablesbare Geschichte einer Stadt. Wer als Historiker dafür eintritt, solche Ablesbarkeiten zu erhalten, wird sich vehement gegen Komplettrestaurierungen wehren. Das war vor fünf Jahren so — und das hat sich nicht geändert.

Die Aufstellung einer Informations-Stele gegenüber dem komplettrestaurierten Denkmal kann in diesem Zusammenhang als Mittelweg (oder Ausweg) bezeichnet werden. Wenn schon die komplette Wiederherstellung des Denkmals (zumal mit Geld aus Russland, über dessen Demokratie-Tauglichkeit man sehr streiten kann) Wirklichkeit geworden ist, dann wenigstens mit ausführlichen Erklärungen zum Gesamtzusammenhang.


Als das Denkmal errichtet wurde, feierte es die Befreiung Europas von der als Diktatur empfundenen Napoleon-Frankreich-Herrschaft. Dass weder Preußen, noch Russland, noch Österreich seinerzeit Demokratien waren, sondern monarchische Autokratien, muss man heute erklären, kann man heute nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. (Russischer) Nationalstolz hin oder her.
Die nächste Wuppertaler Denkmal- beziehungsweise Kunst-Frage steht schon vor der Tür: Was stellen wir uns auf den neuen Döppersberg-Platz — und wer entscheidet darüber? Das zu klären, ist definitiv hundertfach wichtiger als das Drei-Kaiser-Thema.

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