Kommentar zur Aufenthaltsqualität in der City: Problem-(Platz-)fall Elberfeld

Kommentar zur Aufenthaltsqualität in der City : Problem-(Platz-)fall Elberfeld

Wie bitte? Elberfeld hat ein Problem? Sonst wird doch immer über Barmen gejammert! Nein — bei dem Thema, um das es mir heute geht, liegt der Osten vorn. Das hat sich ganz unmerklich entwickelt. Fast komplett ohne Stadtentwicklungs-Getue, sondern aus privater (nachbarschaftlicher) Initiative.

Den dicksten Pflock schlug die ISG Barmen-Werth ein, die aus dem Johannes-Rau-Platz und seinem Umfeld ein Areal gemacht hat, auf dem immer wieder Aktionen, Märkte, Feste & Co. stattfinden. Man mag über die Barmer City mäkeln, wie man will — durch die ISG hat sie einen Quantensprung in Sachen Optik, Zusammengehörigkeit und Wohlfühlen hingelegt.

Noch drei kleinere Beispiele: Auf dem Wichlinghauser Markt gab‘s letzte Woche den ersten Feierabendmarkt mit Flammkuchen, Wein, griechischen und anderen Spezialitäten. In Unterbarmen hat die schon zweite "Unterbarmer Kunstmeile" vor ein paar Monaten starke Akzente gesetzt. Und rund um das BOB-Areal an der Wichlinghauser Straße finden immer wieder Nachbarschafts(floh-)märkte statt. Einfach so.

Davon ist Elberfeld weit entfernt. Zwar punkten Luisen- und Laurentiusviertel oder Ölberg mit kultigen Festen sowie jetzt mit einem top-aktuellen Streetfood-Festival auf dem Laurentiusplatz. Doch diese beiden Elberfelder Gegenden haben immer nach eigenen Regeln getickt, waren stets selbstbewusst und etwas anders — haben sich, wenn‘s nötig wurde, einfach selbst neu erfunden. Aus dem Bauch. Und mit viel Köpfchen. Das gilt übrigens auch für die Herzogstraße.

Aber sonst? Oh weh! Mindestens viermal pro Tag führen meine City-Wege vorbei an Neumarkt, Kerstenplatz, Von-der-Heydt-Platz, Karlsplatz. Und natürlich durch die Poststraße. Zusammenhanglose Areale, die weder optisch, noch atmosphärisch ein gefühlsmäßiges Ganzes bilden. Dass auch die Poststraße (wie der Werth seinerzeit) eine engagierte ISG braucht, steht ganz oben auf der Dringlichkeitsliste! Dass der Neumarkt (schon seit ewig und drei Tagen) ein neues Marktkonzept nötig hat, sticht sowas von ins Auge: Hier liegt eine City-Fläche mit viel Potenzial "körmelig" brach — und könnte tausendmal schöner sein. Wer bremst das aus? Wer will, dass alles bleibt wie immer? Das wäre doch mal ein anfassbares Thema für ein modernes Bürgerbeteiligungsverfahren!

Oder der Kerstenplatz: Ein Stück Gegend irgendwie im Irgendwo — vor der kompletten Gesichtslosigkeit gerade noch gerettet durch beliebte Gastronomie. Die reißt es halbwegs raus, kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man in Wahrheit eine Fläche ohne echte Struktur vor sich hat. Und sich nahtlos anschließt an den (siehe oben) "körmeligen" Neumarkt. Leider auch der Von-der-Heydt-Platz (wird er wirklich besser werden nach seiner bevorstehenden Neugestaltung? Ich bin mir nicht sicher…) strahlt wenig aus, ist eher ein City-Bereich, über den man schnell hinübereilt.

Zum Schluss der (eigentlich schöne) Karlsplatz — ein Trauerspiel. Wo früher Gourmet-Feste oder der erste Open-Air-Auftritt der Blues-Röhre Brenda Boykin stattfanden, befindet sich heute ein Nichts im tiefsten Stadtentwicklungsschatten. Von diesem Teil Elberfelds hat die City-Wirklichkeit ihr Gesicht abgewandt. Wer lenkt den Blick wieder hierher? Wer siedelt hier etwas an, veranstaltet hier regelmäßig etwas, das wieder Menschen anzieht?

Wie‘s gut läuft, zeigt der Kirchplatz. Warum? Weil er einfach schön ist — organischer Teil seines Umfeldes. Und weil er durch unterschiedlichste Gastronomie, plus Kirche, plus Handel unterschiedlichsten Menschen ein Open-Air-Zuhause gibt. Das aber ist kein Stadtentwicklungs-Verdienst, sondern von selbst gewachsen.

Was also tun mit Elberfelds Plätzen? Der "Qualitätsoffensive Innenstadt" mehr Aufmerksamkeit schenken — und nicht immer nur die üblichen Verdächtigen als Mitmacher. Und sich fragen, ob nicht genau hier eines der ganz wichtigen Felder für die Wuppertaler Bürgerbeteiligung der allernächsten Zukunft liegt.

Mehr von Wuppertaler Rundschau