Kommentar zum Saisonstart des BHC in der 2. Bundesliga: Alles andere als selbstverständlich

Kommentar zum Saisonstart des BHC in der 2. Bundesliga : Alles andere als selbstverständlich

In der Welt des Sports sind Fusionen oft fragile Gebilde, die gerne zu wackeln beginnen, wenn es nicht läuft.

Dass es auch ganz anders laufen kann, hat der Bergische HC nach dem Abstieg aus der Bundesliga eindrucksvoll bewiesen. Wie Club und Fans im Juni nach dem letzten Spiel mit dem sportlichen Sekundentod umgegangen sind, hat absoluten Seltenheitswert. Stehende Ovationen für eine Mannschaft, die gerade einen echten Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte erreicht hat, habe ich in dieser Form noch nie gesehen.

Die besondere Stimmung in der Uni-Halle dürfte auch ein wichtiges Signal an die Sponsoren gewesen sein, die sich vielleicht von dem "Wir lassen uns nicht unterkriegen"-Gefühl haben anstecken lassen. Wenn man es nach einem Abstieg schafft, 84 Prozent der Sponsoring-Summe in die nächste Saison zu retten, dann ist das jedenfalls alles andere als selbstverständlich. So wird der BHC jetzt wohl auch dafür belohnt, dass er bemerkenswert geradlinig durch eine von fatalem Verletzungspech geprägte Seuchen-Spielzeit gegangen ist: Ohne reflexhafte Trainerentlassung, obwohl die so ziemlich überall in Wuppertal und Solingen gefordert wurde. Ohne Zoff in der Vereinsführung und ohne Schlammschlachten.
Es ist schade, dass diese Besonnenheit am Ende nicht belohnt wurde.

Die 1. Bundesliga steuert so direkt auf eine im Hinterfeld langweilige Spielzeit zu, in der die (nur noch) zwei Abstiegsplätze für zwei wirtschaftliche Underdogs reserviert scheinen. Gegen einen von beiden hat der BHC am Sonntag im Pokal deutlich gewonnen. Der Sieg des Zweitligisten gegen den Erstligisten war keine Sensation, denn hier spielten 2,4 Millionen Euro BHC-Etat gegen 1,35 Millionen Hüttenberg. Das Geld hat der BHC allerdings auch offensichtlich gut investiert. Nicht wenige Experten halten die aktuelle Zweitligamannschaft für stärker als die der vergangenen Saison. Genau darin liegt die andere bemerkenswerte Leistung des BHC: Dass man als Abstiegskandidat in der Winterpause internationale Neuzugänge auch für die 2. Liga an sich binden konnte, ist ein Management-Bravourstück, das zugleich beweist, welchen Ruf sich der Club in den zehn Jahren seines Bestehens in der Branche erarbeitet hat. "Hier wird professioneller gearbeitet als bei manchen Erstligisten", lobt der weit herumgekommene Torwart-Neuzugang Bastian Rutschmann in unserem Interview auf Seite 11 nicht umsonst.

Es passt zur zurückhaltenden BHC-Philosophie, dass der sofortige Wiederaufstieg zwar das persönliche Ziel aller Akteure, aber nicht das offizielle Saisonziel ist. Zu tief stapeln kann man mit dem Top-Kader allerdings auch nicht ernsthaft. Viel interessanter als die eher müßige Saisonziel-Debatte ist aber die Frage nach der Bergischen Arena. Rund um dieses für die Perspektive des Erstliga-Handballs in der Region entscheidende Projekt hat sich schon länger - zumindest vor den Kulissen — nichts bewegt. Die Hallen-Vision war zwar stets unabhängig vom kurzfristigen sportlichen Erfolg oder Misserfolg zu sehen. Aber eine schnelle Rückkehr in die stärkste Liga der Welt wäre sicher keine Bremse für den weiteren Planungs-Fortschritt.

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