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Meinung: Babyblaue Kinderkrankheiten

Meinung : Babyblaue Kinderkrankheiten

Kommentar zum verzögerten Wagenwechsel bei der Schwebebahn.

So macht man aus der Not eine Tugend. Wenn die Stadtwerke jetzt den Austausch der Waggons für sechs Wochen aussetzen, so ist dies nur zum Teil eventuellen Fahrgastströmen geschuldet, die in den Osterferien von der Bahn ausgespuckt werden. Wichtiger ist, dass man nun mehr Muße hat, die vorhandenen Probleme bei den hellblauen Frischlingen zu untersuchen und dauerhaft zu beheben. Davon gibt es durchaus noch genug.

Denn während die optischen Unterschiede der beiden Wagengenerationen vergleichsweise gering sind, ist der technologische Fortschritt beachtlich. Das sind zum Teil elektronische Feinheiten, die nach der Ankunft im Depot behoben werden können. Speziell die Anfälligkeit bei den Türen aber behindert den Betrieb doch immer wieder erheblich. Wobei selbst eine Unterbrechung von wenigen Minuten zur falschen Zeit für etliche übervolle Züge sorgen kann. Gelingt es also, die Phase so zu nutzen, dass der weitere Austausch reibungsloser verläuft, hat sich der Kunstgriff gelohnt.

Zugegeben: Häufige Schwebebahnfahrgäste — und das sind die meisten Wuppertaler — litten im vergangenen Jahr massiv unter den Störungen der jetzt ausgemusterten Wagen, die mittlerweile auf der letzten Rille schweben. Nahtlos schließen sich jetzt die Kinderkrankheiten der babyblauen neuen Generation an. Doch sie halten sich in Grenzen: Von 1.350 Betriebsstunden in diesem Jahr fielen insgesamt nur drei den Querelen mit den Neuen zum Opfer. Zeitzeugen berichten, dass die 1972er Wagen trotz zweier Prototypen vier Jahre im Liniendienst brauchten, bis sie störungsfrei liefen.


Vielleicht ist es auch die Einsicht ins solche fast überall zu registrierenden Anlaufprobleme, die nur wenig Kritik an den Neuen aufkommen lässt. Zumal unter dem Strich der gegenwärtig leicht zu realisierende Vergleichstest zeigt, dass die Oldies deutlich mehr rumpeln — auch ihre Türen. Zwar schließen und öffnen sie dafür zuverlässig. Aber das war anfangs bei ihnen ebenso wenig der Fall...