1. Kolumne
  2. Kommentar

Aus der Event-Arena: Wuppertal gewinnt das Verhinderungsrennen

Kommentar zur Aus der Event-Arena : Wuppertal gewinnt das Verhinderungsrennen

Nein, die Entscheidung kommt wirklich nicht überraschend. Dass die BHC-Arena nicht in Wuppertal gebaut wird, das durfte jeder und jedem klar gewesen sein, der das Thema in den vergangenen Jahren verfolgt hat. Nun also wird Solingen wohl die Klingenhalle abreißen und durch eine moderne Arena ersetzen.

Zur Erinnerung: Die Machbarkeitsstudie war am 31. März 2014 im Haus Müngsten vorgestellt worden. Von Anfang an gab es in Reihen der Wuppertaler Lokalpolitik ein, wenn man es nett formulieren will, begrenztes Interesse daran. Die klare Aussage lautet: Es bestand absolut keins, auch nur annähernd konstruktiv mitzuarbeiten.

Die einen wollten die Uni-Halle schützen, die als Veranstaltungsort für Bundesliga-Handball ganz sicher aus zahlreichen Gründen (Kapazität, Sichteinschränkungen, keine Räume für die aus finanziellen Gründen wichtigen VIP-Bereiche) nicht geeignet ist. Die anderen die Historische Stadthalle, obwohl sich die Aufführungen (es sollte ja nicht nur Sport geboten werden) grundlegend unterscheiden und von dort zu hören war, dass eine zusätzliche Spielstätte durchaus von Interesse sei. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück war eher ein Verhinderungsrennen, als dass man BHC-Geschäftsführer Jörg Föste unterstützt hätte.

Das Argument, es sei kein Geld für solch ein Projekt da, lässt einen etwas schmunzeln. Die sieben Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr für das künftige Pina-Bausch-Zentrum sind es offenbar. Und für eine mögliche Bundesgartenschau würde die Stadt auch in die Vollen gehen, obwohl ein finanzieller Erfolg möglich, aber keineswegs garantiert ist.

  • Mirko Novakovic.
    Handball-Bundesliga : Novakovic ist weiterer BHC-Gesellschafter
  • Von li.: Jörg Föste (BHC-Geschäftsführer), Marcus
    Handball-Bundesliga : Coroplast Tape unterstützt den BHC
  • Die Komposition am Gebäude des ehemaligen
    75 Jahre Nordrhein-Westfalen : Das ehemalige Wuppertaler Schauspielhaus leuchtet

Nein, es geht nicht darum, Kultur (oder andere Bereiche) gegen den Sport auszuspielen. Ja, auch ich bin für das Pina-Bausch-Zentrum. Dennoch muss gesagt werden: Der etwas höherklassige Sport in Wuppertal (sofern überhaupt noch vorhanden) hat hier keine, aber auch wirklich gar keine Lobby. Von ein paar rühmlichen Ausnahmen und Einzelkämpferinnen und -kämpfern abgesehen. Die Lokalpolitik ist absolut Kultur-orientiert. Die eher drollige Verleihung des Ehrenrings an Wim Wenders lässt grüßen. Wieso eigentlich nicht Günter Pröpper?

Auch in Solingen wird keine Arena entstehen, die große Events ermöglicht. Wer die Verkehrssituation dort kennt, zuckt eh mit den Schultern. Für die Spitzenspiele gegen Kiel, Flensburg, Berlin und die Rhein-Neckar Löwen wird der BHC mehr denn je nach Düsseldorf ausweichen. Die Zeit des Bundesliga-Handballs in Wuppertal aber ist gezählt. Es ist einmal mehr eine verpasste Chance, ein Zeichen zu setzen. Mit freundlichen Grüßen aus dem selbst ernannten „Oberzentrum“ des Bergischen Landes.