20 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Situation als gut, 48 Prozent als befriedigend und 32 Prozent als schlecht. Der Geschäftslageindex steigt gegenüber der vorherigen Umfrage im Herbst 2025 geringfügig um zwei Punkte auf minus 12,9.
„Die Strukturkrise der Industrie hält die bergische Wirtschaft weiterhin im Griff. Das verarbeitende Gewerbe hat in den vergangenen drei Jahren im IHK-Bezirk 5.300 Arbeitsplätze abgebaut. Dies entspricht einem Rückgang der Beschäftigtenzahl um 9,4 Prozent“, erläutert IHK-Präsident Henner Pasch. In ganz Deutschland sank die Industriebeschäftigung im selben Zeitraum nur um 2,9 Prozent, in Nordrhein-Westfalen um 3,7 Prozent.
Die Erwartungen für das Jahr 2026 sind laut IHK „verhalten“. 19 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer erwarten demnach, dass sich ihre Geschäftszahlen verbessern werden. Demgegenüber befürchten 24 Prozent eine Verschlechterung: „Der Saldo der Geschäftserwartungen bleibt mit minus fünf Punkten im negativen Bereich. Dies ist zwar der beste Wert seit 2022 – ein echter Aufschwung ist aber noch nicht in Sicht.“
Wegen des weit überdurchschnittlich hohen Industrieanteils ist die Stimmung in der Remscheider Wirtschaft schlechter als in der Wuppertaler und Solinger Unternehmerschaft. Der Abstand zwischen den drei Städten hat sich aber deutlich verringert.
Der Großhandel beurteilt seine Geschäftslage noch negativer als die Industrie und bildet im Branchenvergleich das Schlusslicht. Bei den Kundinnen und Kunden der Einzelhändlerinnen und -händler, so die IHK, „kommt auch keine rechte Kauflaune auf. Das Verkehrsgewerbe schätzt seine aktuelle Geschäftslage positiver ein als zuletzt, ist aber für die kommenden Monate pessimistisch. Die sonstigen Dienstleister entwickeln sich robust: Alle Konjunkturindikatoren bleiben im positiven Bereich. Dabei spüren die unternehmensnahen Dienstleister durchaus, dass ihre Kunden aus der Industrie zögerlicher Aufträge erteilen.“
„Der Anstieg der Arbeitskosten beunruhigt jedes zweite Unternehmen. In der Industrie trifft dies sogar auf 64 Prozent der Betriebe zu; der Wert markiert einen neuen Höchststand“, verdeutlicht der IHK-Präsident. Der „ungebremste Anstieg der Lohnnebenkosten“ verdüstere die Perspektiven für die heimische Wirtschaft weiter.
Ein „schwacher Lichtblick“ seien die Umsatzprognosen: Per Saldo erwarten die Unternehmen, dass ihre Umsätze nicht weiter sinken werden. „Dies ist die erste positive Prognose seit dem Jahresanfang 2022. Selbst in der Industrie scheint der Abwärtstrend vorerst gestoppt. Auch die Vorhersagen für das Ausfuhrgeschäft sind wieder etwas freundlicher“, so Pasch.
Deutschland ist derzeit aber nach Meinung der IHK kein attraktiver Investitionsstandort: „Nur 20 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionsbudgets im laufenden Jahr aufzustocken, 26 Prozent wollen sie einschränken. Auch der Personalbestand wird sich weiter verringern. Dies liegt vor allem an der schwachen Auftragslage und dem Kostendruck im internationalen Wettbewerb. Ebenso wird die Zahl der Ausbildungsverhältnisse sinken.“