Umstrittene Breker-Statue in Wuppertal: Eine Antwort auf Athene?!

Umstrittene Statue vor dem WDG : Endlich eine Antwort auf Athene?!

„Soll ein Breker vor einer Schule stehen?“ – unter diesem Motto gab es eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde in der Aula des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums (WDG).

Den Eingang der Schule am Johannisberg prägt seit 1957 eine Statue der griechischen Göttin Pallas Athene mit Helm und Speer. Das Problem: Der 1900 in Elberfeld geborene (und 1991 in Düsseldorf gestorbene) Künstler Arno Breker, der die Figur geschaffen hat, gilt als „Bildhauer des Führers“ und war eng mit dem nationalsozialistischen Regime verbunden. Nach der (fast) abgeschlossenen Komplettsanierung der Schule, zu der auch eine bewusst offen gestaltete Eingangssituation gehört, hat sich die aus Schülern, Lehrern und Eltern bestehende Schulkonferenz mit 19 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen dafür ausgesprochen, die Breker-Statue an ihrem bisherigen Standort nicht behalten zu wollen.

Allerdings stehen sowohl die Skulptur selbst als auch ihr Sockel seit 1997 unter Denkmalschutz: Das macht eine Verlagerung schwierig. Mit dem Thema hatte sich außerdem auch bereits die (nichtöffentlich tagende) städtische „Kommission für eine Kultur des Erinnerns“ beschäftigt. Dort wurde (einstimmig) gegen eine Entfernung des Werkes votiert. Vielmehr solle ein neuer und zeitgemäßer Text auf einer Informationstafel angebracht werden.

Zu rechnen war am Diskussionsabend durchaus mit verhärteten Fronten. Es musste befürchtet werden, dass sehr unterschiedliche Positionen (unversöhnlich) aufeinandertreffen würden: Einerseits die von Schulleiterin Claudia Schweizer-Motte formulierte Haltung, dass Schulen eine „zentrale Stellung in der Demokratieerziehung“ zukommt und es für die Schüler und Lehrer schwierig sei, täglich am Werk eines NS-Künstlers vorbeigehen zu müssen. Andererseits die Position von Kulturdezernent Matthias Nocke, der auf dem Podium sagte: „Es ist nötig, dass man im Stadtbild öfter auf solche Steine des Anstoßes stößt.“ Felix Krämer, Generaldirektor des Düsseldorfer Museums Kunstpalast, gab zu bedenken, dass man bei einer Schule, vor der ein solches problematisches Werk stehe, andere Maßstäbe als etwa bei der Präsentation in einem Museum ansetzen müsse. Krämer wörtlich: „Wenn eine Schule das nicht mehr will, sollte man Schüler und Lehrer ernst nehmen. Außerdem reden wir hier nicht über große Kunst.“

Den drohenden gordischen Knoten des Abends durchschlug letztlich NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: Die landesweit gelobte parteilose Politikerin präsentierte die Idee, im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbes die Breker-Statue durch ein ihr zur Seite gestelltes zeitgenössisches Kunstwerk „kommentieren“ zu lassen. Das stieß auf breite Zustimmung – sowohl auf dem Podium als auch beim zahlreich erschienenen Publikum. Zur Frage der Finanzierung einer solchen Aktion gab die Ministerin lächelnd zu Protokoll: „Das Geld würden wir auch noch irgendwo herbekommen.“

Von links: Journalist Stefan Koldehoff, NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Schülerinnen Alexandra Mejeretski und Emilie Berkel, WDG-Geschichtslehrer Martin Schulte, Brigitte Franzen von der Aachener Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung, Wuppertals Kulturdezernent Mattias Nocke und Felix Krämer, Generaldirektor des Düsseldorfer Museums Kunstpalast. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Zu klären bleibt jetzt noch die Frage, ob es zu einem kritisch-kommentierenden Duett aus Breker- und heutiger Kunst an der bisherigen Stelle am Johannisberg kommt, so dass das Dörpfeld-Gymnasium einen neuen (zeitgemäßen) Eingang bekommen würde. Oder ob doch die von der Schule gewünschte Verlegung der Pallas Athene (mit ihrer modernen Ergänzung) auf die Rückseite des WDG-Gebäudes Richtung Südstraße verwirklicht werden sollte. Kulturdezernent Nocke sicherte zu, über den Ortswechsel der umstrittenen Skulptur mit der Denkmalbehörde sprechen zu wollen.

Das Fazit der von Ex-Dörpfeld-Schüler und Deutschlandfunk-Redakteur Stefan Koldehoff moderierten Diskussion lieferte einerseits Isabel Peiffer-Poensgen mit dem Satz „Die Athene wegzupacken wäre zu einfach“ – sowie Felix Krämer mit seinem Statement: „Ein zeitgenössischer Kommentar durch Kunst ist viel besser als irgendein Text.“