Rekordzahlen beim Windkraftausbau in NRW
Die Entwicklungen in der Windenergie in Nordrhein-Westfalen lassen sich zweifelsohne als Boom beschreiben. Im Jahr 2024 führte das Bundesland die Statistik in Deutschland an und brachte 154 neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 748 Megawatt ans Netz. Auf Platz 2 folgt Niedersachsen mit 127 Anlagen. Im Jahr 2025 kann NRW den bisherigen Rekord sogar nochmals übertreffen. Bis Mitte Oktober 2025 wurden 180 Windräder mit über 900 Megawatt neu in Betrieb genommen - mehr als jemals zuvor in nur einem einzigen Kalenderjahr. Besonders bemerkenswert ist in diesem Kontext, dass NRW allein im ersten Halbjahr 2025 etwa 35 Prozent aller neu genehmigten Windkraftanlagen in Deutschland aufwies.
Zukünftig dürfte Nordrhein-Westfalen diesen Trend aufrechterhalten, wenn nicht sogar noch übertreffen können. Dies verdeutlicht ein Blick auf die neu beantragten Windkraftanlagen im ersten Quartal 2025. So wurden seitens der Behörden allein in den ersten drei Monaten 248 neue Windräder mit einer Leistung von etwa 1.526 Megawatt genehmigt. Auch diesbezüglich liegt NRW vor allen anderen Bundesländern. Dass es sich hierbei keinesfalls um eine Ausnahme handelt, zeigt der weitere Jahresverlauf. Bis Oktober summierte sich die 2025 in NRW genehmigte Windkraftleistung bereits auf rund 4.580 Megawatt. Auch dies entspricht einem Volumen, das kein Bundesland zuvor innerhalb eines Jahres erreichen konnte. Damit steht bereits jetzt fest, dass Nordrhein-Westfalen zum vierten Mal in Folge die Rangliste der Bundesländer mit dem größten Windkraftausbau anführen wird. Insbesondere im Vergleich zu den süddeutschen Bundesländern zeigen sich hierbei große Unterschiede.
Warum NRW beim Windenergie-Ausbau vorne liegt
Angesichts dieser Zahlen wird rasch deutlich, dass NRW in Deutschland in den letzten Jahren eine absolute Vormachtstellung im Bereich der Windenergie eingenommen hat. Doch weshalb schafft es Nordrhein-Westfalen, sich bisweilen deutlich von anderen Bundesländern abzuheben?
Eine der größten Hürden beim Ausbau der Windenergie sind Regeln und Gesetze. Primär handelt es sich dabei um Abstandsregeln und Restriktionen, die je nach Bundesland mitunter stark voneinander abweichen. Die Landesregierung in Düsseldorf hat klare Ausbauziele gesetzt und die politische Unterstützung für Windenergie deutlich verstärkt. Bereits 2022 wurde das Ziel formuliert, bis 2027 1.000 neue Windräder in NRW ans Netz zu bringen. Damit dieses Ziel realisiert werden kann, wurden entsprechende Regeln aus früheren Jahren teils revidiert und teils aufgeweicht. So hob die aktuelle Regierung strikte Abstandsregeln und Restriktionen, die den Ausbau gebremst hatten, wieder auf. Das Ergebnis: Deutlich mehr Projekte mit Fokus auf Öko- und Windstrom können geplant und genehmigt werden.
Aufgrund der eigenen Zielsetzung hinsichtlich der zu bauenden Windräder hat sich NRW zudem dazu entschieden, die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Aktuell dauert ein solches Verfahren durchschnittlich zwar noch immer etwa 17 Monate, doch ist dies bereits ein Viertel kürzer als noch vor wenigen Jahren. Die schnelle Bearbeitung schafft Planungssicherheit für Investoren und sorgt dafür, dass NRW Projekte rascher umsetzen kann als andere Bundesländer.
Gezielte Flächenausweisung und technologischer Fortschritt als wichtige Faktoren
Eine große Herausforderung für dicht besiedelte Bundesländer beim Ausbau der Windenergie sind häufig geeignete Standorte. Dennoch geht NRW hier ebenfalls proaktiv vor und hat sich das Ziel gesetzt, bis Ende 2025 immerhin 1,8 Prozent der Landesfläche für die Nutzung der Windenergie auszuweisen. Damit orientiert sich Nordrhein-Westfalen grob an der bundesweiten Zielsetzung, die bis 2032 vorsieht, zwei Prozent der Gesamtfläche diesbezüglich zur Verfügung zu stellen.
Um zu verhindern, dass einige Regionen mehr und andere minder vom Ausbau betroffen sind, wurde das Bundesland seitens der Regionalplanung in sechs Planungsregionen aufgeteilt, die einen Ausgleich der Interessen sicherstellen sollen. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, ausreichend Areale zu finden, die den weiteren Ausbau und das Erreichen der Zielsetzungen möglich machen.
Die Erfolge NRWs gänzlich auf diese akribische Planung zurückzuführen, wäre allerdings zu einfach. Denn auch der technologische Fortschritt spielt dem Bundesland maßgeblich in die Karten. Lieferten Onshore-Windkraftanlagen vor einigen Jahren noch 2 bis 3 Megawatt, erreichen sie heute eine Leistung von bis zu 7 Megawatt. Konkret bedeutet das: NRW konnte 2025 den bisherigen Leistungsrekord brechen, obwohl weniger neue Anlagen gebaut wurden als beispielsweise noch im Jahr 2017. Größere Rotoren und höhere Türme ermöglichen mehr Stromertrag je Anlage. Dieser technische Fortschritt erleichtert den Ausbau, da mit weniger Windrädern mehr Strom erzeugt werden kann.
Akzeptanz und lokaler Nutzen in Nordrhein-Westfalen
Für viele Menschen sind Windkraftanlagen in Deutschland noch immer ein rotes Tuch. So stören sich viele Bürger insbesondere daran, dass Windkraftanlagen optisch schlicht nicht ansprechend sind und die Natur verschandeln würden. NRW hat sich daher für einen Weg entschieden, der die Energiewende vor Ort erfahrbar und vorteilhaft gestalten soll. Dabei steht im Vordergrund, Bürger, Kommunen und die lokale Wirtschaft in einen Großteil der Projekte einzubinden. Ein populäres Beispiel hierfür ist die Stadt Bedburg, die in Kooperation mit RWE gleich mehrere Windparks auf rekultivierten Tagebauflächen errichtet hat. Im Gegenzug hat die Kommune nicht nur Anteile an den Windparks erhalten, sondern profitiert darüber hinaus auch von zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen sowie freiwilligen Abgaben des Betreibers pro Kilowattstunde Windstrom.
Welche Herausforderungen und Chancen gibt es für NRW?
Ohne jeden Zweifel lässt sich festhalten, dass NRW eindrucksvoll bewiesen hat, dass auch ein industriell geprägtes und dicht besiedeltes Bundesland in der Lage ist, zu einem Motor der Energiewende zu werden. Zugleich zeigen die künftigen Planungen, dass man sich in Nordrhein-Westfalen keinesfalls auf den bisherigen Erfolgen diesbezüglich ausruhen möchte. Denn Fakt ist auch, dass die erneuerbaren Energien derzeit lediglich etwa 30 Prozent des Strombedarfs in NRW decken. Bis 2030 jedoch sollen gemäß der Bundesziele mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen - für NRW ist dies noch ein weiter Weg.
Positiv stimmt, dass die Rahmenbedingungen weiterhin günstig sind und Grund zur Hoffnung geben, dass Nordrhein-Westfalen diese ambitionierte Zielsetzung erreichen kann. Allein im Jahr 2024 vergab die Bundesnetzagentur ein Ausschreibungsvolumen von fast 11 Gigawatt für neue Windparks. Ein großer Teil davon entfiel auf NRW, was klar zeigt, dass bereits jetzt zahlreiche neue Windparks zumindest in der Warteschleife sind. Problematisch ist vielmehr ein Flaschenhals, der durch den Punkt entsteht, dass genehmigte Anlagen schnell ans Netz gebracht werden müssen. Hier wird es künftig wichtig sein, etwaige Engpässe zu beseitigen und die Anbindung neuer Windräder ans Stromnetz signifikant zu vereinfachen. Lange Wartezeiten auf Netzanschlüsse und komplizierte Transportlogistik für die großen Anlagenteile wurden zuletzt als Bremsfaktoren identifiziert. Die Landesregierung in NRW hat hierauf bereits reagiert und eine Stabsstelle für Windenergie im Verkehrsministerium eingerichtet. Dieses soll künftig Maßnahmen ergreifen, damit bewilligte Projekte zeitnah Strom liefern können.