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Wuppertaler Circular Valley: Ideenschmiede für Nachhaltigkeit

Besuch des ev. Pfarrkonvents : „Circular Valley“: Ideenschmiede für Nachhaltigkeit

Dort, wo früher Staubsauger getestet wurden (am Laaken im Wuppertal), geht es jetzt um neue Ideen für eine nachhaltige Wirtschaft: Ein Besuch im „Circular Valley“ mit dem evangelischen Pfarrkonvent.

„Circular Valley“: Das klingt nach Innovation und gläsernen, modernen Bürotürmen. Der Begriff erinnert an „Silicon Valley“, den berühmtesten High-Tech-Standort der Welt in Kalifornien – und genau das soll er auch. „Wir wollen zum globalen Hotspot für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft werden“, betont Geschäftsführer Andreas Mucke. „Hier ist der Ort, an dem Menschen gemeinsam Lösungen zur Verringerung der Emissionen und zur Schließung von Kreisläufen erarbeiten.“

Noch ähnelt „Circular Valley" seiner großen Schwester zumindest in der Äußerlichkeit kaum. Der Hot Spot liegt in einem Bürogebäude auf dem großen Vorwerk-Werksgelände in Wuppertal. Eine blau-gelbe Fahne zeigt Besuchern, dass sie hier richtig sind. Im ersten Stock, wo früher Staubsauger getestet wurden, begrüßt Geschäftsführer Andreas Mucke, früher Oberbürgermeister von Wuppertal, den Pfarrkonvent des Kirchenkreises.

Die Mahnung der bunten „Trash-People“

In den Ecken des Raumes stehen „Trash People“, bunte Figuren aus Plastik- und Dosenmüll, die etwa 35 Kilo wiegen – so viel, wie pro Mensch und Tag auf der Erde an Müll produziert wird. Wie viel davon in Deutschland wiederverwendet wird, lässt Mucke die Pfarrerinnen und Pfarrer raten. Erstaunte Gesichter, als er die Antwort gibt: nur 13,2 Prozent. In den Niederlanden sind es bereits 33 Prozent.

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Die Transformation zur zirkulären Wirtschaft sei ein „grundlegender Bestandteil des European Green Deal", also der europäischen Klimaziele, erklärt Mucke weiter. "Und genau daran arbeiten wir im Circular Valley." Der Hot Spot für die Kreislaufwirtschaft wird von der 2021 gegründeten Circular Valley Stiftung „orchestriert“, indem sie Wirtschaft und Wissenschaft, internationale Startups, Politik und Zivilgesellschaft zusammenbringt.

 Pfarrkonvent trifft „Circular Valley“.
Pfarrkonvent trifft „Circular Valley“. Foto: Jan Turek/Circular Valley

„Es ist längst keine Frage mehr, ob wir eine Kreislaufwirtschaft brauchen, sondern nur noch wie“, betont Mucke. „Aber Wiederverwendung funktioniert nur, wenn alle zusammenarbeiten. Das beginnt bei der Rohstoffgewinnung, geht über die Produktion bis hin zum Vertrieb und letztlich zur Entsorgung.“

Wiederverwertbar: Fliesen, Dachziegel, Kartons

Einige bereits entwickelte Produkte von internationalen Startups hat Mucke mitgebracht. Er zeigt Fliesen aus Bauschutt, dicke Bausteine aus Asche und Schlacke, leichte Dachziegel aus Plastikmüll, Getreidespelzen für Bilderrahmen, die das umweltschädliche Styropor ersetzen sollen und Kartons, die nicht ins Altpapier wandern müssen, sondern sich immer wieder verwenden lassen. Rund ein Viertel aller gefällten Bäume werden nur für Verpackungen verwendet – und das müsse gestoppt werden, mahnt Mucke.

Die Kirche sieht der Geschäftsführer als wichtigen Partner, wenn es um die Kreislaufwirtschaft geht. Schließlich habe sie sich schon lange für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt und erreiche mit ihren Gemeinden und ehrenamtlichen Initiativen vor Ort noch immer viele Menschen. „Am Ende gelingt Nachhaltigkeit nur, wenn alle mitmachen und offen für neue Ideen sind.“ Deutschland sei zwar Weltmeister im Trennen von Müll, aber keineswegs darin, diesen Müll umweltschonend wieder zu verwenden.

Die vielen guten Ideen und Produkte, die Mucke engagiert präsentierte, sorgen für lebhafte Diskussionen. Telefonseelsorgerin Jula Heckel-Korsten fasst die Stimmung im Raum schließlich so zusammen: „Die Umweltkatastrophen unserer Tage machen uns täglich klar, dass wir mit unserem Lebensstil Teil des Problems sind. Aber hier wird deutlich, dass wir auch Teil der Lösung sein können. Und das macht mich wieder zuversichtlich. Danke dafür.“