Wuppertaler Uni-Professor: Hormone bestimmen unser Glück

Wuppertaler Uni-Professor : Hormone bestimmen unser Glück

Wir wissen alle, wie schwierig es ist glücklich zu werden. Ähnlich kompliziert ist es aber auch, wissenschaftlich zu erklären, welche biochemischen Komponenten solche Glückszustände im Körper des Menschen hervorrufen.

Professor Stefan Kirsch, Chemiker an der Bergischen Universität, hat dankenswerterweise die Hintergründe für Sie und uns allgemeinverständlich zusammengefasst.

Die Weihnachtszeit ist gerade vorbei, das neue Jahr fängt an und wir haben uns gegenseitig viel Glück gewünscht. Aber Glück wünschen ist mehr als nur eine einfache und inhaltslose Redeform. Was meinen wir also, wenn wir jemandem Glück wünschen? Meinen wir das Glück, beim Lottospielen zu gewinnen? Diese Form von Glück kann man ganz genau fassen: Man kann mit mathematischen Modellen die Chancen und Risiken des Lebens berechnen.

Aber für die Menschen war Glück immer mehr als nur ein stochastischer Wert: Schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurde allen Menschen das Recht zugesprochen, nach Glück zu streben. Ursprünglich war hier mit Glück wohl in der Hauptsache der materielle Wohlstand gemeint. Heute verstehen wir unter einem glücklichen Leben hingegen in der Regel ein Leben mit positiven Emotionen und Zufriedenheit, ohne Ängste und Stress. Wie entsteht so ein Zustand der Glückseligkeit? Wie empfinden Menschen Glück?

Glückliche Menschen sind kompliziert: Im Innersten des Körpers werden Wohlbefinden und Glücksgefühle von unzähligen kleinen Botenstoffen, den Hormonen, hervorgerufen, deren facettenreiches Zusammenspiel und deren genaue Wirkung auf die Psyche wir bis heute nicht in jedem Detail verstehen. Da wäre zum einen das "Glückshormon" Dopamin, ein erregend und motivierend wirkender Neurotransmitter des zentralen Nervensystems mit großem Einfluss auf die Kommunikation der Gehirnzellen untereinander. Bei der Freisetzung von Dopamin fühlt man sich gut.

Dopamin ist aber gleichzeitig ein Zwischenprodukt in der körpereigenen Biosynthese des Noradrenalins, das populärwissenschaftlich als "Stresshormon" bezeichnet ist. Es wird in geistigen und körperlichen Stresssituationen vermehrt ins Blut abgegeben und sorgt durch Aktivierung der Androgenrezeptoren für eine Steigerung des Blutdruckes. Doch es wäre viel zu einfach, das eine Hormon als gut und das andere als schlecht zu bezeichnen, denn Noradrenalin erhöht die Aufmerksamkeit und die Konzentration und führt zu höherer Leistungsbereitschaft.

Ein anderer Neurotransmitter im menschlichen Organismus ist das Hormon Serotonin mit unglaublich komplexen Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, den Magen-Darm-Trakt, das Nervensystem und schließlich auf die Stimmung des Menschen. Ein Mangel an Serotonin oder an seiner biochemischen Vorstufe, der Aminosäure Tryptophan, kann zu Depressionen, Aggressivität und Migräne führen. Genügend Serotonin im Körper gibt dem Menschen das Gefühl der Sättigung, da seine Ausschüttung im Gehirn indirekt mit der Nahrungsaufnahme verbunden ist.

Das kleine Hormon Serotonin steuert also maßgeblich den Appetit und ein voller Magen führt dann tatsächlich zu Wohlbehagen und zu emotionaler Ausgeglichenheit. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wäre es also ein guter Vorsatz für das neue Jahr, gesundes Essen regelmäßig und stressfrei zu genießen: So wird die Produktion von Serotonin im Gehirn angekurbelt und man ist nicht nur satt, sondern auch zufrieden. Allerdings ist es ein Aberglaube, dass der Genuss von viel Schokolade, in der die Serotonin-Vorstufe Tryptophan durchaus vorhanden ist, den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöht und auf diese Weise glücklich macht. Serotonin von außen, beispielsweise über Lebensmittel aufgenommen, kann die Blut-Hirn-Schranke nämlich gar nicht überwinden und keine Wirkung entfalten.

Und dann wären da noch die Endorphine, die im wahrsten Sinne des Wortes Drogen sind, die das Gehirn selbst erzeugt ("endogenes Morphin"). Endorphine sind kurze Neuropeptide, die auf natürliche Weise im Gehirn vorkommen und auf dieselben Nervenzellenrezeptoren wirken wie Morphium. Diese Substanzen unterdrücken den Schmerzreiz, führen zu suchtartigen Zuständen und bei erhöhter Ausschüttung zu Glücksempfinden und Euphorie. Unter der Wirkung von Endorphinen werden Schmerzen, aber auch Erschöpfungssymptome schlagartig gelindert: Wie im Rausch kann der menschliche Körper immer "weitermachen".

Viele andere Faktoren bestimmen unser Seelenleben und damit unser Glücksempfinden zusätzlich. Auch heutzutage werden immer wieder neue Transmitter und Botenstoffe gefunden und immer wieder werden neue Wege des komplexen Zusammenspiels der Hormone im menschlichen Körper und ihre Wirkung auf unser Seelenleben aufgedeckt. So bleibt die Forschung spannend und es gibt noch viele Details zu entdecken. Zum Glück!

Mehr von Wuppertaler Rundschau