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Ecken neu entdecken!: Brill: „Dann machen wir’s doch wie Else!“

Ecken neu entdecken! : „Dann machen wir’s doch wie Else!“

Können Sie von sich behaupten, jeden Wuppertaler Stadtteil zu kennen? Wir müssen gestehen, es gibt in unserer Stadt immer noch Ecken, an denen wir (viel zu) selten gewesen sind. Aus diesem Grund haben wir uns für die kommenden Wochen ein neues Format ausgedacht: Ecken neu entdecken!

Unsere Reihe „Ecken neu entdecken!“ verschlägt mich ins Briller Viertel. Und ich muss gestehen: Obwohl ich gebürtige Wuppertalerin bin, bin ich noch nie bewusst durch dieses Stadtquartier geschlendert. Aber da ich tief aus dem Osten des Tals komme, mache ich mich eher selten auf den Weg in Richtung Brill, Katernberg, Varresbeck oder gar Vohwinkel. Dann mal los! Rundschau-Kollegin Hannah Florian führt mich herum. Die Anreise trete ich mit dem Fahrrad an und bemerke schnell, dass dies keine gute Idee ist. Der Verkehrsknotenpunkt Robert-Daum-Platz und die Briller Straße sind für Velofahrer nicht der Hit. Ausgerechnet zur Rush-Hour pedale ich dort entlang. Es ist laut, Abgase in meiner Nase und der Verkehr ist total nervig. Man hätte ja auch die Nordbahntrasse nehmen können ...

Doch all das ist vergessen, als ich die Briller Straße verlasse und ins anvisierte Quartier einbiege. Die Blumen in den Vorgärten der hübschen Häuser blühen farbenfroh, duften. Kaum ein Auto fährt hier entlang, himmlische Ruhe. Ich erreiche die Wohnung meiner Kollegin und bin begeistert, denn sie sagt: „Der erster Hotspot unserer Tour beginnt hier auf dem Balkon.“ Und tatsächlich blicken wir auf die Villa Amalia. So erfahre ich, dass das seit einigen Jahren leerstehende Baudenkmal Ende 2018 als Drehort für die dritte Staffel der Fernsehserie „Babylon Berlin“ genutzt wurde. „Das war aufregend. Als dort Nachtszenen gedreht wurden, mussten alle Anwohner wegen der Dreharbeiten die Lichter ausmachen und schauten sich das Ganze gespannt von ihren Fenstern aus an“, erzählt Hannah Florian. Sie tat das natürlich auch.

Jetzt geht es aber raus! Das Rad lasse ich stehen, wir ziehen zu Fuß los. Unser zweiter Hotspot liegt an der Platzhoffstraße 22. Dort steht eine weitere Villa, die ebenfalls schon für einige TV-Produktionen zur Kulisse wurde. Der historische Bau von 1908 diente mit seinen originalgetreuen Räumen aus dem frühen 20. Jahrhundert bereits als Location für die Innenaufnahmen des Films „Duell der Brüder“ - die Lebensgeschichte von Adi und Rudolf Dassler, den Gründern der Sportartikelmarken adidas und Puma. Weitere Filme wie „Sommer in Rom“, „Nicht mein Tag“ oder „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ wurde dort auch gedreht.

Bilder:

Von der Filmkunst geht es nun zur Dichtkunst. Wir erreichen das ehemalige Wohnhaus von Else Lasker-Schüler an der Sadowastraße. Ein unauffälliges Schild an der Hauswand bestätigt das. 1869 in Elberfeld geboren und aufgewachsen im Briller Viertel sei sie, erklärt mir meine Kollegin. Die steile Sadowastraße, hinauf zum Nützenbergpark soll die kleine Else immer gelaufen sein. „Na dann machen wir’s doch wie Else“, schlage ich vor. Ohne genau zu wissen, auf was ich mich da einlassen. Der Anstieg ist steil. Sehr steil. Völlig erschöpft erreichen wir das Platzhoff-Denkmal, gönnen uns dort eine Verschnaufpause. Mit einem schönen Ausblick auf Wuppertal. Hier befindet sich auch das Portal zum Wasserreservoir Nützenberg. Es geht weiter hinauf. Durch den Nützenbergpark. „Wir nennen das hier Kaiserhöhe“, korrigiert mich Hannah Florian.

Zunächst wirkt die besagte Höhe auf mich wie ein ganz normaler Park. Doch als ich den Weyerbuschturm entdecke, ist es um mich geschehen. Ich bin verzaubert. Der 25 Meter hohe und 1898 erbaute Aussichtsturm wirkt märchenhaft, regt meine Fantasie an. Für einen kurzen Moment sehe ich Rapunzel ihr Haar aus dem kleinen Turmfenster fallen lassen. Vielleicht ist es aber auch nur die berüchtigte Höhenkrankheit, die mir die Sinnestäuschung vorgaukelt, immerhin befinden wir uns auf 259 Metern über dem Meeresspiegel.

Über den Weg „In den Schörren“ verlassen wir die Kaiserhöhe, schlendern noch einige Zeit durch das Quartier. „Das Briller Viertel ist von der Denkmalschutzbehörde als eines der größten gründerzeitlichen Villengebiete Deutschlands ausgewiesen. Mehr als 245 denkmalgeschützten Häuser stehen hier“, weiß meine Kollegin. Die vielen imposanten Villen beeindrucken mich. Doch irgendetwas fehlt mir hier. Ich hab’s: Ich sehe kaum Menschen auf der Straße. Hier wird wohl nur gewohnt. Aus Langerfeld, da wohne ich, bin ich es gewöhnt, unterwegs viele Menschen zu sehen, die einkaufen, zur Apotheke oder Post laufen oder sich einfach auf dem Markt aufhalten.Unseren Spaziergang beenden wir an der Nordbahntrasse im Biergarten am Ottenbrucher Bahnhof. Gut hat es mir gefallen im Briller Viertel. Aber wohnen möchte ich hier dennoch nicht.

Jetzt sind Sie an der Reihe! Laden Sie uns ein zu einem Spaziergang durch Ihr Quartier, entweder per Mail an redaktion@wuppertaler-rundschau.de oder per Telefon: 271 44 46 oder 271 44 31.

Selfie vor dem Weyerbuschturm: Die Redakteurinnen Hanna Florian (li.) und MIlka Vidovic. Foto: Wuppertaler Rundschau/mivi