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Rundschau-Serie: Ecken neu entdecken! - in Wuppertal Langerfeld

Rundschau-Serie: Ecken neu entdecken! : Langerfeld: „Hier wird nicht rumgehipstert“

Können Sie von sich behaupten, jeden Wuppertaler Stadteil zu kennen? Wir müssen gestehen, es gibt in unserer Stadt immer noch Ecken, an denen wir (viel zu) selten gewesen sind. Aus diesem Grund haben wir uns für die kommenden Wochen ein neues Format ausgedacht: Ecken neu entdecken!

Sie sind ein absoluter Fan Ihres Stadtteils, Viertels, Quartiers? Zeigen Sie es uns. Laden Sie uns ein und führen uns an Ihre Lieblingsplätze!

Die erste Ecke, die ich neu für mich entdecke, ist Langerfeld. Herumgeführt werde ich von Rundschau-Redakteurin Milka Vidovic. Die ist nämlich in Langerfeld aufgewachsen und lebt immer noch dort. Wir treffen uns vor ihrer Wohnung in einem Viertel, das mich auf den ersten Blick nicht unbedingt für das Quartier einnimmt. Die Autobahn ist nah, links und rechts Industrie und Gewerbe, dazwischen ein „geheimer Pfad“, den Hunde gerne für ihre Hinterlassenschaften nutzen und der uns dorthin führt, wo laut Milka Vidovic das Leben spielt: die Hauptstraße Langerfelds. In der Nase noch den Duft von tierischen Exkremten, betreten wir die Lebensader des Stadtteils ganz im Osten. Und ich merke schnell, dass es hier zumindest in der Mittagszeit nicht wirklich pulsierend zugeht. „Die Geschäfte machen mittags zu, am Mittwoch schließen einige den ganzen Nachmittag über“, erklärt mir meine Kollegin das Leben in ihrem Stadtteil mit Dorfstrukturen.

Mit dem Versprechen, gleich in die schönen Ecken vorzudringen, leitet mich die Langerfelderin Richtung „Zentrum“, vorbei am „Netto“-Supermarkt, in den sie ihre ältere Nachbarin ab und zu zum Einkaufen führt. „Letztens war ich bei ihr zum Canastaspielen, ihrer Frauengruppe fehlte eine Mitspielerin“, berichtet Milka Vidovic von Freizeitaktivitäten, die man bei einer 35-Jährige nicht erwartet. Aber genau das ist es, was der Langerfelderin in ihrem Quartier gefällt. „Ich habe meine Ruhe, hier ist alles schlicht und unaufgeregt, entschleunigt“, sagt sie. Und was hat sie ihr Leben lang im Qaurtier gehalten? „Meine Eltern, mein Bruder, Freunde, alle wohnen um die Ecke.“

Auf der Grünfläche neben dem „Netto“ erinnert ein ausrangiertes Triebwerk an die Straßenbahn zwischen Barmen und Schwelm, die 1985 ihren Betrieb einstellte. Zwischen viel Leerstand mischen sich vereinzelt bergische Schieferhäuschen, vorbei an Langerfelds Bürgerbüro führt mich Milka Vidovic nach rechts zur alten Polizeiwache mit historischem Schild über dem vergitterten Fenster. Bis 1922 waren hier Gefängnis, Polizei und Bauamt des Amtes Langerfeld untergebracht. Kurz darauf erblicke ich das schönste Fachwerkhäuschen, das mir bisher unter die Augen gekommen ist, das 1680 errichtete Hofeshaus von Johan Tönes, das 1722 in den Besitz der Familie Cleff überging. „Man munkelt, es wäre das älteste Haus Wuppertals“, kommentiert die Langerfelderin meine entzückten Blicke.

Dass Langerfeld auch für Radfahrer dank der Schwarzbachtrasse hervorragend angebunden ist, muss auf unserem Stadtteil-Spaziergang selbstverständlich erwähnt und in Augenschein genommen werden (schließlich fahren wir beide gerne mit dem Rad in die Redaktion). Kurz werfen wir einen Blick auf die Bahntrasse, die bald für Radfahrer zur Langerfelder Trasse ausgebaut werden soll, dann steuern wir die Eisdiele am Markt an, denn dort gibt es nicht nur diverse Eissorten für Menschen, sondern auch ein Eis für Hunde. Redaktionshündin Rosa freut sich über die zuckerfreie Erfrischung.

Währenddessen ringt Kollegin Vidovic erneut nach einer Erklärung für ihren Stadtteil. „Man zieht nicht hierhin, weil es so schön ist. Entweder man wohnt einfach schon immer hier oder zieht hierhin, weil es praktisch ist. Viel Kunst und Kultur gibt es nicht, hier wohnen die Arbeiter, ein Malocherviertel, in dem nicht rumgehipstert wird.“

Beim Anblick des zauberhaften Marktplatzes und des Gewirrs an kleinen, von Schiefer- und Fachwerkhäuschen gesäumten Gässchen fällt es mir allerdings nicht schwer, dem Quartier einen gewissen Charme abzugewinnen. Wenig Maloche, mehr Dorf ist mein Eindruck. Und Kultur hat es auch zu bieten, die „Bandfabrik“ zum Beispiel. Nur direkt neben dem Industriegebiet, da ist es eben nicht ganz so schön.

Jetzt sind Sie an der Reihe! Laden Sie uns ein zu einem Spaziergang durch Ihr Quartier, entweder per Mail an redaktion@wuppertaler-rundschau.de oder per Telefon: 0202 / 271 44-46 oder 271 44-31.