Das Wuppertaler Medienprojekt über neue Chancen und YouTuber Rezo

Wuppertaler Medienprojekt : „Rezo hat eine klare Kante gezeigt“

„Der YouTuber Rezo hat einen Diskurs entfacht, auf den jedes andere Medium neidisch ist“, sagt Andreas von Hören, der Leiter des Wuppertaler Medienprojektes. In Smartphones und Videoplattformen wie YouTube sieht er für Filme und Videos eine ganz große Chance.

Heutzutage kann jeder Filmemacher sein und ohne Probleme ein riesiges Publikum erreichen. Verändert hat sich nicht, was wir gucken, aber wie und wo wir es gucken. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit des Wuppertaler Medienprojektes. „Die Grundidee, mit unseren Filmen jungen Menschen ein Sprachrohr zu geben, ist geblieben. Verändert hat sich, wie wir Filme produzieren“, sagt Andreas von Hören.

Schließlich erreichen die Filme des Medienprojekts über Plattformen wie YouTube mittlerweile ohne Probleme immens viele Zuschauer. Emotionen spielen dabei nach wie vor die Hauptrolle – ein Thema, aufgearbeitet aus der subjektiven und oft emotionsgeladenen Sicht des jungen Filmemachers. „Wir sind keine Zeitung, wir müssen nicht objektiv sein. Das ist unsere Besonderheit.“ Und auch die des YouTubers Rezo, der mit seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ in kurzer Zeit über sieben Millionen Zuschauer erreichte.

Doch es hagelte nicht nur Lob, sondern auch Vorwürfe: radikal, naiv, einseitig - das, was sich Rezo über sein Video anhören musste, beschreibt laut von Hören auch die Arbeit des Medienprojekts. „Junge Menschen denken schwarz-weiß, sie wollen keine Kompromisse eingehen, das sehen wir an ,Fridays for Future’.“ Ein Schwarz-Weiß-Denken, das die ganze Welt bewegt.

Auch noch nach 27 Jahren (denn so lange gibt es das Wuppertaler Medienprojekt schon) vermitteln junge Filmemacher des Projekts in ihren Videos, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, sich zu dick fühlt, nicht hübsch genug, mit Depressionen kämpft oder an einer chronischen Krankheit leidet. Sich als Produzent oder Protagonist mit seinem Problem öffentlich zu präsentieren, kostet natürlich Mut. „Aber indem wir offen und ehrlich sind, geben wir den Menschen die Chance, anders zu reagieren, positiv oder mit Neugierde.“

Ein bisschen Mut muss es wohl auch Rezo gekostet haben, sein fast einstündiges Video hochzuladen, in dem er sowohl die Politik der CDU als auch die der SPD verbal massiv angeht. (Für das Video hier klicken). „Rezo hat eine klare Kante gezeigt und sich damit angreifbar gemacht“, sagt von Hören – und damit gewonnen, nicht nur Vorwürfe, sondern auch Zuspruch, und ganze Parteien kurz vor der Europawahl ins Wanken gebracht.

Lotta Zirkenbach, Filmemacherin und Praktikantin des Wuppertaler Medienprojekts, weiß, wie es sich anfühlt, Emotionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Gefühle von Unsicherheit und Ziellosigkeit, die sie selbst kurz nach ihrem Schulabschluss empfand, machte sie in ihrem Film zum Thema. „Ich denke, so wie mir geht es vielen Jugendlichen“, sagt die 19-jährige Wuppertalerin. Und damit hat sie recht. Bei der letzten Premiere des Videomagazins „borderline“ wurde Lottas Kurzfilm auf großer Leinwand im Cinemaxx gezeigt. „Und noch heute werde ich auf den Film angesprochen.“

Das Wichtigste für Lotta Zirkenbach ist es, Jugendliche und Erwachsene mit ihren Filmen zu bewegen. Dieselbe Meinung teilt Christina Schmitz. In ihrem Film geht es um Oberflächlichkeiten und die Verschmutzung unserer Umwelt. „Und es stecken viele Gedanken von mir da drin, die ich so niemandem mitteilen würde.“

Drei Teams des Wuppertaler Medienprojekts sind aktuell für den Deutschen Jugendfilmpreis nominiert. Im Winter gewann ein Filmteam bereits den Deutschen Menschenrechts-Preis, der während des Gesprächs vor Andreas von Hören auf dem Tisch steht. „Das ist natürlich toll“, sagt er und deutet auf den Preis, eine weiße Säule aus Stein. „Aber der eigentliche Preis sind die Menschen, die wir mit unseren Filmen erreichen.“

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