„Sister Act“ im TiC Stimmig mit starken Stimmen

Wuppertal · Schmissige Musik, tolle Choreographien, eine flotte Handlung und ein bestens aufgelegtes Ensemble: Mit dem Musical „Sister Act“ hat das Theater in Cronenberg (TiC) einen Volltreffer gelandet.

Der Nonnenchor bei „Sister Act“ im TiC sorgt für viele schwungvolle Sounds.

Der Nonnenchor bei „Sister Act“ im TiC sorgt für viele schwungvolle Sounds.

Foto: Martin Mazur

Als der Chor „Die heiligen Jungfrauen“ seinen vermeintlich letzten Ton singt, brandet im Publikum schon Applaus auf. Nicht nur das fiktive Publikum, das dem Nonnenchor um die Nachtclubsängerin Deloris van Cartier (ausdrucksstark und komisch: Karolin Hummerich) lauscht, sondern auch das echte bei der Premiere ist kaum auf den Stühlen zu halten. Nach zweieinhalb Stunden (mit Pause) bester Unterhaltung haben sich die Darstellerinnen und Darsteller sowie das Team um sie herum den tosenden Beifall redlich verdient.

Dass das TiC mit Laien arbeitet, mag man bei dieser Vorstellung kaum glauben. Und tatsächlich zeigt ein Blick auf die Besetzungsliste, dass das Ensemble in weiten Teilen langjährige Bühnenerfahrung mitbringt. Regisseur Ralf Budde, Choreografin Eveline Gorter sowie der musikalische Leiter Stefan Hüfner können hier auf echte Talente zurückgreifen. Das witzig-spannende Stück, das den meisten als Film mit Whoopi Goldberg bekannt sein dürfte, tut sein Übriges dazu.

Es geht um die Sängerin Deloris, die beobachtet, wie ihr Mafioso-Geliebter Curtis (Maximilian Leuchter) jemanden umbringt. Zu ihrem Schutz und zum Leidwesen der Mutter Oberin soll sich Deloris in einem Kloster verstecken. Sabine Henke spielt die Äbtissin wunderbar resolut und genervt. Der Zwist zwischen den beiden ist ein Kernstück der Handlung und in der Cronenberger Inszenierung deutlich herausgearbeitet.

Trotz ihrer Unterschiede haben die Frauen das selbe Ziel: die Rettung der zum Kloster gehörenden Kirche. Und soviel darf verraten werden: Am Schluss kann das Kloster seine Kirche und seine unkonventionelle Chorleiterin behalten. Denn mittels moderner Chormusik macht Deloris aus einem Haufen scheinbar unmusikalischer Nonnen eine beachtliche Musikgruppe, die sogar vor dem Papst auftritt.

„Die heiligen Jungfrauen“ vom TiC sind bei der Premiere mit Astrid Gottschalk, Leonie Hackländer, Elisabeth Wahle (sehr lustig als verrückte Schwester Mary-Nirvana) und Hannah Dickel stimmgewaltig und tänzerisch überzeugend besetzt.

„Sister Act“ als Bühnenstück ist anders als der Film. Wer die großen Hits erwartet, wird enttäuscht sein. Lediglich „My Guy / My God“ und „I will follow him“ sind dabei. Ansonsten hat das Musical eigene Lieder. Die sind zwar eher unbekannt, aber nicht weniger schwungvoll. Zudem sind sie tanzbar und die Texte sind Teil der Geschichte.

Ein typisches Stück ist das Lied von Curtis, der singend im Cha-Cha-Cha-Rhythmus den Mord an „der Braut“ plant. Das sorgt für Lacher. Ebenso erklärt Nachwuchsmafioso TJ (Timon Strick) per Gesang und eindeutigen, getanzten Bewegungen, wie er gedenkt, eine Nonne zu verführen. Witzig, wenn auch mit sensiblem Anklang, spielt und singt Florian Siegmund den Polizisten, der Deloris beschützen soll und der seit der Schulzeit in sie verliebt ist.

Die stimmigen Kostüme (Noelle-Magalie Wörheide) und das wandelbare Bühnenbild (Jan Bauerdick und Benedikt Ogiolda) sorgen mit für eine rundum gelungene Produktion.

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