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Spielzeit der Wuppertaler Bühnen 2020/2021: Neue Wege, neue Klänge

Spielzeit 2020/2021 : Wuppertaler Bühnen: Neue Wege, neue Klänge

Das Programm für die neue Spielzeit der Wuppertaler Bühnen ist da: Opernintendant Berthold Schneider, Schauspielintendant Thomas Braus und Generalmusikdirektorin Julia Jones haben eine Auswahl voller künstlerischer Individualität und Qualität zusammengestellt. Die Spielzeit 2020/21 ist auf www.wuppertaler-buehnen.de online zu entdecken: Die Spielzeithefte der drei Sparten können heruntergeladen und virtuell durchgeblättert werden.

„Wir gehen wie immer neue Wege“, so Schauspiel-Chef Thomas Braus im Gespräch mit der Rundschau. Nicht nur die Satire „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ und der Klassiker „Tod eines Handlungsreisenden“ konnten trotz Corona gerettet und in die neue Spielzeit integriert werden, sondern auch „Romeo und Julia“ von Shakespeare. Einfach war es nicht, alles „Corona-tauglich“ zu machen, aber es hat funktioniert. Und, was Braus ganz wichtig ist: „Kein freier Regisseur hat eine Absage bekommen.“ Herausgekommen ist bei all dem „das größte Angebot, das wir je hatten“, freut sich Thomas Braus. Und er ist sicher, dass es trotz Abstandsregeln & Co. während der Proben, auf der Bühne und im Zuschauerraum gelingen wird, „Distanz, emotionale Nähe und Körperlichkeit zusammen erlebbar zu machen“.

Auf dem Programm stehen neben den drei oben genannten Stücken zum Spielzeitstart am 12. September Kleists „Die Marquise von O...“ als Drei-Personen-Romanadaption im Spannungsfeld zwischen Konvention und Schuld. Das Engels-Jahr nimmt das Schauspiel mit Hauptmanns „Die Weber“ in den Blick. Für die ganze Familie kommt „Robin Hood“ auf die Bühne – und der gerechte Bogenschütze ist ein Mädchen! Zwei moderne komödienhafte Grotesken präsentiert das Schauspiel mit „Café Populaire“, das die Bosheit als Erfolgsrezept thematisiert, und „Fiskus“, wo der Zuschauer „hautnah“ den Alltag im Finanzamt miterlebt. Für den großen Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow“ verspricht Intendant Braus: „Die beiden Regisseure suchen und finden die Komödie in diesem Stück. Unser Tschechow wird ganz anders werden.“ Apropos Klassiker: „Dantons Tod“ von Büchner legt den Finger in die böse Wunde, was mit der Manipulation von Sprache politisch möglich wird.

Auch in der Oper wirft die kommende Spielzeit bereits ihre Schatten voraus: Die Vorproben zur „Zauberflöte“, mit der am 13. September die Opernspielzeit beginnt, laufen – und Intendant Berthold Schneider sagt: „Wir haben unsere Planung nicht verändert und sind guten Mutes.“ Wuppertal traut sich etwas zu: Etwa „das Abenteuer“, so Schneider, einen gemeinsamen Abend mit dem (lustigen) Vorspiel von Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ und dem eher düsteren „Herzog Blaubarts Burg“ von Bartók, über die Berthold Schneider sagt: „Eine der wunderbarsten Musiken des 20. Jahrhunderts.“

Für Spaß sorgen soll die englische Operette „Die Piraten“ – inszeniert von Cusch Jung, der Wuppertals Herzen schon mit „My Fair Lay“ eroberte. Außergewöhnlich und modern wird’s mit „NOperas!: Kitesh“: Thema ist der russische Mythos einer versunkenen Stadt. Auch in der Oper (er)klingt das Engels-Jahr: „Intoleranza 2021“ von Luigi Nono ist „hochpolitisch, ein Riesenkraftakt und ein Riesenchorstück“. Für ganz junge Zuschauer gibt es mit der Umsetzung der (Wuppertaler) Wolf-Erlbruch-Geschichte vom „Kleinen Maulwurf“ einen Genuss in der Reihe „Oper von Anfang an“.

Intendant Berthold Schneider. Foto: Jens Grossmann

Klassisch wird’s dann mit Verdis „La Traviata“, wo alle drei Hauptrollen aus dem Wuppertaler Ensemble besetzt sind – und mit der Fantasy-Oper „Drachenreiter“ nach einem Text der Bestseller-Autorin Cornelia Funke holt Wuppertal sich eine Erfolgsproduktion aus Lübeck ins Haus. Berthold Schneider: „Wir sind eines der Häuser, die die Oper am weitesten öffnen. Es geht um große Emotionen und viel Spaß. Und darum, keine Kompromisse zu machen.“

Beim Sinfonieorchester hat Generalmusikdirektorin Julia Jones in der ersten Spielzeithälfte Beethovens 250. Geburtstag im Blick: Die „Eroica“, die 4. und die 7. Sinfonie sowie die berühmte „Neunte“ mit der „Ode an die Freude“ sind dabei. Außerdem gibt es zehn Sinfoniekonzerte, bei denen Meisterwerke der Musikgeschichte auf weniger bekannte Facetten treffen.

Generalmusikdirektorin Julia Jones. Foto: Daniel Häker

Julia Jones ist es immer wichtig, raffinierte Verknüpfungen für neue Hörperspektiven möglich zu machen – hier mit Bruckner, Brahms, Schostakowitsch, Rachmaninow, Conus, Mahler, Zimmermann oder Ginasteras. Große Aufmerksamkeit gilt auch Bachs Weihnachtsoratorium, Cherubinis Requiem in c-Moll zu Karfreitag oder Mahlers „Auferstehungssinfonie“ am Totensonntag.