1. Kultur

Lyriker Matthias Buth aus Wuppertal: Neuer Gedichtband - plus Prosa

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Rumänien – das EU-Mitgliedsland am südöstlichen Rand Europas: Was weiß man schon wirklich darüber? Zum Beispiel über die jahrhundertelange dortige deutsche Sprachtradition. Matthias Buth, 1951 in Wuppertal geborener Lyriker, hat einen neuen Band publiziert, der sich (nicht nur in Gedichten) Rumänien widmet.

„Der Schnee stellt seine Leiter an die Ringmauer“ heißt das knapp über 170 Seiten zählende Buch, und liefert bereits im Titel einen Hinweis auf die individuelle, starke Bildkraft der Sprache des gelernten Juristen Matthias Buth, der sich hier in „Poetischen Annäherungen“ als guter Kenner und tief verbundener Freund des Landes Rumänien, seiner Geschichte und Kultur(en) sowie seiner so unterschiedlichen Menschen erweist. 46 Gedichte sowie weitere zahlreiche sehr kurze oder auch etwas längere Prosatexte und Essays beleuchten das Thema von unterschiedlichen Seiten – und blicken durchaus über Rumänien hinaus auf die Gesamtsituation des heutigen Europa. Eine interessante Mischung – und im Lyrik-Teil (aber nicht nur dort) ein streckenweise tief berührendes Lese-Erlebnis.

Kirchen, Musik, Städtenamen, die klingen wie weit entfernte Vergangenheit, dann wieder solche, die man kennt von Landkarten oder aus Fernsehnachrichten, Legenden und Märchen, Pferde, Bienen, der Himmel, der Wind, Schnee und Sommer, „vergessene“ Menschen und solche, von denen man schon viel gehört hat – Matthias Buth verzaubert den Leser mit einem verzauberten Rumänien. Ohne dabei die bitteren Zeiten (und davon gab es viele), die das Land erlebt hat, zu verschweigen. Es müssen viele, viele Reisen gewesen sein, die dem Autor dieses Rumänien und seine Gesichter so erschlossen haben. Da spricht kein Buchwissen, sondern die Nähe des Herzens. Eben wegen dieser Nähe und Nachdenklichkeit ist das kein Lyrikband wie ein Reisehandbuch, sondern viel mehr. Alles verweist auf das Leben. Matthias Buth zeichnet Bilder, die berühren: Da heißt es hoffnungsstark „Leben ist Todesentzug“ oder beinahe gespenstisch „In Klausenburg treffen nachts sich schwarze Klaviere“ – und voller Liebe flüstert dieses Stückchen Text, das überall auf der Welt gelten kann: „Wenn der Morgen kommt und die Sonne durch die Wände will, werde ich Dich fragen, ob Du mir Dein Lied schenkst. Sag ja.“

Das Spektrum des Buches ist breit: Der Duft von Minze, der Klang alter Orgeln, das tiefe, breite Wasser der Donau, die Erinnerung an die römische Landschaft Pannonien, die Verdeutlichung, aus wie vielen Bevölkerungsfacetten das heutige Rumänien gebaut ist (Ungarn etwa, Deutsche und Roma) – und nicht zuletzt die Erinnerung daran, dass der römische Dichter Ovid in Tomis seine endgültige Verbannung verbrachte: Auf heute rumänischem Boden in der Stadt Constanta am Schwarzen Meer.

Matthias Buths „Der Schnee stellt seine Leiter an die Ringmauer“ führt auf eine ungewöhnliche Entdeckungs-Tour. Das Buch weist weit über das Land Rumänen hinaus – einerseits auf Europa und seine oft so bittere Geschichte, andererseits mitten hinein in die Seele des Menschen. Das geschieht mit einer Sprache, die sich zu den außergewöhnlichen Beispielen in der deutschen Lyrik-Literatur zählen darf.