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Neues Buch von Matthias Buth: Organischer Texte-Steinbruch

Neues Buch von Matthias Buth : Organischer Texte-Steinbruch

Wahrscheinlich haben viele, die (literarisch) schreiben, das: ein Notizbuch oder Zettelkasten mit verschiedensten Text- und Gedankensplittern.

Aus den Splittern könn(t)en Gedichte werden, Erzählungen, vielleicht sogar Romane. Oder „gar nichts“, also nur Splitter. Der in Wuppertal geborene und aufgewachsene Lyriker Matthias Buth hat jetzt ein ganzes Buch mit insgesamt 780 dieser kleinen bis kleinsten Texte gefüllt.

„Im Zwischenland“ heißt der Band – und trägt den Untertitel „Rhapsodien“. So nennt man, Wikipedia lässt grüßen, ursprünglich von griechischen Wandersängern vorgetragene Gedichte oder Teile einer Dichtung.

„Teile einer Dichtung“ – das trifft es ganz gut. Die Texte, die Matthias Buth hier zusammengetragen hat, sind einerseits jeder für sich lesbar, können aber auch als organisches „Gesamt-Werk“ verstanden werden. Oder als täglicher Steinbruch, in dem man einfach stöbern und sich überraschen lassen kann.

Abgedeckt wird – wenn man so will – die gesamte menschliche Existenz mit Gefühlen, (europäischer) Geschichte, Philosophie, Kunst und Musik, Reisen, Alltag, Alter und Glaube, inklusive einiger weniger kompletter Gedichte, die eingestreut sind. Es gibt Texte, die aus nur einer Zeile, sogar aus nur einem Wort bestehen – und längere, aber nie lange.

  • Matthias Buths neues Buch „Im Zwischenland
    Neues Buch von Matthias Buth : 780 Texte aus dem Steinbruch
  • Historiker und Buchautor Detlef Vonde. ⇥Foto:
    Neues Buch von Detlef Vonde : Das Große im Kleinen
  • Das Buch zur Kunstaktion "Out and
    Plakatwand-Kunstaktion zum Nachlesen : „Out and About“ – das Buch

Der Einstieg mit Text Nr. 1 ist stark: „Nichts tötet so endgültig wie ein Kuss, der ausbleibt. Der Morgen zerreißt.“ Ein Beispiel aus ganz anderen Sphären: „An der Aldi-Kasse piepen die Tiefkühlbecher, die Tomaten, die fernen Früchte und die Batterien zum Nachladen: die Intensivstation schon hier. Schnell weg.“

Sehr schön ist das: „Trotz allem setzen wir auf das Meer. Im Meer in uns und im anderen. Und segeln drauf los. Auf die Gefahr hin. Ohne Ufer. Im Blick nur der entschwindende Horizont. Und nachts lassen wir uns treiben von Sternen und Wind, vertrauend auf den Autopiloten Traum.“

Klar – manches schwächelt auch. Das blättert man dann weg. Aber nachdenklich hängen bleibt man sehr oft. Immer wieder intensive Bilder und Metaphern.