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„La Traviata“ im Wuppertaler Opernhaus​: Ein langes Sterben​

„La Traviata“ im Opernhaus : Solch ein langes Sterben

Nur gestreamt und nur konzertant (wegen Corona) gab es sie schon, jetzt auch „in echt“: Verdis üppige Oper „La Traviata“. Die erst schwierige, dann tiefe Liebesgeschichte der tödlich schwindsuchtkranken Kurtisane Violetta Valery (Ralitsa Ralinova) und des jungen Alfredo Germont (Sangmin Yeon).

Eine Geschichte, die Alfredos Vater (Simon Stricker) nicht akzeptiert, aus familiärem Traditionsbewusstsein bewusst zerstört, dies zu spät bereut – und am Ende mit seinem Sohn zusammen Violettas Tod live erlebt. Drama pur.

Zweieinhalb Stunden voller emotionaler Wechselbäder, mit „großen“ Szenen auf fröhlich bevölkerter Bühne, intensiven Duetten, stillen Momenten – und einer vom Sinfonieorchester (Leitung: Johannes Witt) stark gespielten Musik, die fesselt. Die Inszenierung, bei der Nigel Lowery auch für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, wagt optisch keine modernen Sperenzchen. Einzig die Frage, warum Alfredo während der glücklichen Stadtflucht, draußen auf dem Land mit Violetta zusammen, im Mao-ähnlichen Outfit agiert, bleibt offen ...

Schon ganz zu Anfang, man achtet erst gar nicht darauf, geht langsam und am Stock der alte Arzt Doktor Grenvil (Sebastian Campione) immer wieder über die Bühne. Richtung Schluss, als es zu Ende geht mit Violetta, der die Trennung von Alfredo den gesundheitlichen Rest gegeben hat, begreift man im gespenstischen Bühnenlicht: Dieser weißbärtige Grenvil steht auch für den Tod. Der immer schon „dabei“ war.

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Überhaupt das Ende: Da läuft vor allem Ralitsa Ralinova, die zuvor schon besonders in den leisen Tönen deutlich dominierte, zu großer Form auf. Ihr schier endloses Sterben füllt sie mit beinahe anfassbarem Leben. Und am Schluss zeigt sich auch noch einmal die starke Präsenz und stimmliche Kraft Simon Strickers als schuldbeladenem Vater.

Violetta stirbt, das Licht erlischt, die Musik verklingt. Dann großer, großer Applaus im ausverkauften Opernhaus.