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Nach Toreschluss - die Wochenend-Satire: Wie man et macht ...

Nach Toreschluss - die Wochenend-Satire : Wie man et macht ...

Wie man et macht, macht man et falsch. So was in der Art wird sich die Immobilien-Standort-Gemeinschaft für den Werth gerade denken, weil es in Sachen Kugelbrunnen plötzlich rund geht. Den wollten die Vorkämpfer für ein schöneres Barmen temporär in eine leuchtende Weihnachtskugel verwandeln, um etwas Lichterglanz an die Werther Brücke zu bringen.

Das Ergebnis sieht hervorragend aus und ist deshalb verboten.

 Rundschau-Redakteur Roderich Trapp.
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. Foto: Bettina Osswald

Große Augen hat nämlich nicht nur die Barmer Bevölkerung gemacht, als die Kugel zum ersten Mal erstrahlte, sondern auch der Künstler Friederich Werthmann. Werthmann hat ausweislich seines Namens vermutlich zunächst die Straße selbst, anschließend aber auf jeden Fall den 1978 eingeweihten Brunnen erschaffen. Wie sein Werkbetreuer Hartmut Witte nun mitteilt, habe die ISG den heute 88-Jährigen mit der Umdeutung der Skulptur zur Weihnachtskugel beleidigt, deren Bedeutung veralbert und das Urheberrecht verletzt. Außerdem werde die Kugel garantiert verschrammt und kaputt gehen. Zusammenfassend betrachtet muss die ISG also dringend ins Gefängnis. Und die Abkürzung steht in Zukunft für "Inakzeptable-Schänder-Guerilla".

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Nun weiß ich als alter Barmer aber auch, dass der Kugelbrunnen eigentlich nur in den warmen Monaten gut aussieht, wenn in ihm Wasser rumspritzt. In den kalten Monaten, die sich in Wuppertal von Anfang September bis Ende August erstrecken, ist das Wasser aber abgestellt. Dann werden die Blicke der Passanten magisch von den schrundigen Innenflächen der beiden Halbkugeln angezogen, die mich immer an die rostig-finsteren Laderäume des Weltraumfrachters "Nostromo" aus dem Kinoklassiker "Alien" erinnern. Wer da hindurch den Werth entlang blickt, müsste eigentlich Eintritt für die Geisterbahn zahlen.

Das Blut der Kino-Aliens bestand übrigens aus einer hochkonzentrierten, ätzenden Säure. Insoweit waren sie dem Werkbetreuer Hartmut Witte nicht unähnlich, der in seinem Protestbrief reichlich davon gegen die ISG verspritzt. Das Schreiben hat er mit dem Hinweis auf deren "fehlenden Respekt und Kunstverstand" in Kopie (Wichtigkeit: Hoch) an alle relevanten Kultur-Gremien der Stadt Wuppertal, die Denkmalbehörde, das Von-der-Heydt-Museum, die Bergische Kunstgenossenschaft, diverse schöngeistige Vereine und Stiftungen und vermutlich auch an die Uffizien in Florenz, den Louvre und die Familie Guggenheim gemailt.

Auch die Rundschau war im Verteiler, ist aber irgendwie der falsche Adressat. Denn unglücklicherweise finde ich die riesige Weihnachtskugel leider richtig schön, weshalb es mir offensichtlich auch an Kunstverstand und Respekt fehlt. Und es kommt noch schlimmer: Wenn ich ganz ehrlich bin, hat sich mir auch die Bedeutung des Kugelbrunnens erst erschlossen, seit er eine Weihnachtskugel ist...

Ich muss also auch ins Kunstbanausengefängnis, wo die ISG genau genommen schon seit August 2014 rein gehört. Damals hat sie nämlich die Beleuchtung installiert, die den Brunnen abends in so schönes Licht taucht, dass Herr Werthmann schier verrückt werden muss. Der Mann ist übrigens in Barmen geboren, lebt aber seit 60 Jahren in Düsseldorf. Das erklärt einiges. Ich sach ja: Wie man et macht, macht man et falsch.

Bis die Tage!

Dazu unsere Umfrage (bis 17. November 2015, 11 Uhr): hier klicken!