Aus dem Tagebuch der Redaktion Nur für Frauen?!

Wuppertal · Herrlich! Pardon, dämlich — ehm, ne, also wie sag ich das jetzt gendermäßig korrekt? Egal, ich habe mich auf jeden Fall über dieses Foto gefreut, dass uns Leser Rolf Friderichs zugeschickt hat. Verspricht es doch in Sachen Emanzipation wahre Quantensprünge in unserer Stadt.

 Tja ...

Tja ...

Foto: Rolf Friderichs

Beim arglosen Spaziergang durch den Nordpark entdeckte Rolf Friderichs dieses Schild und fragt sich nun: Ist der hier im Bau befindliche Panoramaweg und Mehrgenerationenparcours etwa nur Frauen vorbehalten? Müssen Männer — so wie Hunde vor der Metzgerei — künftig draußen bleiben? Ein Areal zwar für alle Generationen, aber nur für ein Geschlecht? Stadtentwicklung von Alice Schwarzer? Damit sich Frauen beim Spazieren und Radfahren endlich frei entfalten können? Ein Freizeitvergnügen in rosa Jogginganzügen, mit niedlichen Katzenbildern auf dem Weg, fluffigen Wattebauschsitzen und Eierlikörerfrischungsgetränken?

 Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Foto: Bettina Osswald

Vielleicht ist die verwirrende Formulierung auf dem Baustellenschild aber auch dem feministischen Sprachchaos geschuldet. Kein Platz für umständliche Wortungetüme der formalen Gleichberechtigung wie Bürger*innen, BesucherInnen. Spaziergänger/innen und erst recht nicht für die bewährten Bürgerinnen und Bürger. Und warum nicht endlich die Frauen aus der patriarchalischen Sprachunterdrückung befreien und statt der männerdominierten Schreibweise ab sofort dem ewig Weiblichen huldigen. Ja, lieber Herr Gesangsvereinin, warum denn nicht?!

Wahrscheinlich ist es aber so, dass in der Stadtverwaltung jemand sitzt, der von der Uni Leipzig kommt. Die sind vor zwei Jahren nämlich tatsächlich dazu übergegangen, ausschließlich weibliche Berufsbezeichnungen zu verwenden. Da gibt es seitdem den "Herrn Professorin". Und im Sinne der Ost-West-Gleichberechtigung — gibt es eigentlich einen sprachlichen Aufbau West? — kann man ja den ostdeutschen Genderfortschritt auch mal nach Wuppertal importieren. So ganz scheint sich das Leipziger Geschlechter-Allerlei dann aber doch noch nicht durchgesetzt zu haben. Vor der Bezeichnung "Oberbürgermeister" macht es beim Hinweis auf den Bauherren jedenfalls noch ehrfürchtig Halt. Ups: Bauherr geht ja eigentlich auch gar nicht ...

Aber vielleicht kann man im Rathaus erklären, was es mit diesem Schild auf sich hat. Herr Oberbürgermeisterin, bitte klären Sie uns auf!