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Wuppertaler Rundschau: Tagebuch aus der Homeoffice-Redaktion

Tagebuch aus der Homeoffice-Redaktion : Einsame Kaffeepausen mit der Spülmaschine

Ebenso wie viele andere Wuppertaler hat es auch die Rundschau-Redakteure in die eigenen vier Wände verschlagen. Unsere Großraum-Redaktion besteht jetzt aus fünf kleinen Redaktionen, unsere Schreibtische wurden durch Küchentische, Couchtische oder Balkontische ersetzt, an denen wir von morgens bis abends für Sie Nachrichten produzieren. Wie aber funktioniert das Arbeiten in einer voneinander getrennten Redaktion? Ich kann Ihnen sagen, es klappte schon mal besser.

Anstatt von Angesicht zu Angesicht zu sprechen oder mal eben eine Frage quer durch den Raum zu werfen, hat sich unsere Kommunikation aufs Handy verlagert. Sobald ich morgens meinen Laptop aufklappe, trudelt die erste WhatsApp-Nachricht ein. Meine Kollegin Milka Vidovic schickt mir ein Foto ihrer Kaffeetasse und wünscht mir einen guten Morgen – Rituale müssen auch im Homeoffice beibehalten werden.

Ein paar Minuten später geht es dann los. Unsere Redaktions-Gespräche verteilen sich auf zwei WhatsApp-Gruppen, in denen in Endlos-Schleife über den Tag verteilt Nachrichten einlaufen. Aufträge, Nachfragen, Probleme, Aufgabenverteilungen – eben alles, was mit einem kurzen „Machst du?“ und einem Blick rüber zum benachbarten Schreibtisch sonst erledigt wäre. Zusätzlich hat natürlich jeder noch sein eigenes Mail-Postfach im Blick - und am Ende weiß man trotz der ganzen Absprachen dann doch nicht immer ganz genau, wer sich gerade um was kümmert. (Aber wie Sie sehen, schaffen wir es ja trotzdem immer, Sie über alles informiert zu halten.) Nach anderthalb Wochen endloser Nachrichten über die mobilen Messanger-Dienste, sind wir mit unsrer Kommunikation dann einen Schritt weiter gegangen. Seitdem konferieren wir mehr oder weniger regelmäßig via Skype, also via Video-Telefonie, und das klappt mehr oder weniger recht gut. Bis alle den Weg in den virtuellen Konferenzraum gefunden und ihre Mikrofone und Video-Kameras so weit angeschaltet haben, dauert es zwar immer ein bisschen - aber was für eine Wohltat ist es dann schlussendlich, beim Gespräch den Kollegen ins Gesicht zu blicken.

Aber genug von Technik gesprochen: Zusätzlich zu der etwas holprigen Kommunikation schlagen wir uns alle (oder zumindest ich) dann noch mit den kleinen Homeoffice-Zwickmühlen herum, mit denen viele von Ihnen aktuell sicherlich auch zu kämpfen haben.

Da wären zum Beispiel: Bleibe ich in Jogginghose? Oder ziehe ich mir eine Jeans an? Schließlich sieht ja keiner, was ich „im Büro“ eigentlich anhabe. Die Jogginghose punktet mit ihrer Bequemlichkeit, und auch in der Video-Konferenz sehen die Kollegen nur meinen Oberkörper und nicht das, was unterm Tisch versteckt ist

Oder aber auch: Hab‘ ich mir eigentlich schon die Zähne geputzt? Oft verläuft mein Tag nämlich so: Eigentlich wollte ich morgens nur mal schnell die ersten Mails checken, dann einen Kaffee trinken (es ist es ja sinnvoll, sich erst nach dem Kaffee die Zähne zu putzen, zwecks Verfärbungen vorbeugen) – und dann hagelt es plötzlich Anrufe und Nachrichten und zwei Stunden später kann ich gar nicht mehr sagen, ob ich zwischen all diesen Mails und Telefonaten tatsächlich schon zur Zahnbürste gegriffen habe.

Und sowieso, wenn ich schon zu Hause sitze, kann ich ja auch eben schnell die Wäsche anschmeißen, und die gewaschene Wäsche aufhängen, und die Trockene später abhängen – und genau in dem Moment, in dem ich mich im Keller über die nasse Wäsche beuge, bimmelt natürlich mein Handy in der Hosentasche und es ist der Anrufer, auf den ich schon seit zwei Stunden gewartet habe.

Meine Kaffeepausen in der Küche werden zu einsamen Dates mit der Spülmaschine, die in Homeoffice-Zeiten deutlich mehr zu tun hat als üblich und fast täglich aus- und eingeräumt werden möchte – so gesprächig wie die Kollegen ist sie dabei allerdings nicht.

Und irgendwann ist das Arbeitstag in den eigenen vier Wänden dann zu Ende, die Nachrichten der anderen Redakteure werden weniger, die Wäsche ist gewaschen und dann kommt der Punkt, da muss ich den Absprung schaffen und den Laptop auch einfach zuklappen. Wie ein richtiger Feierabend fühlt sich das dann aber nicht an.