Fritz Pleitgen ist für Rundschau-Chefredakteur Hendrik Walder ein Vorbild

Aus dem Tagebuch der Redaktion : Ein Vorbild - auch für den Ruhestand

Schon eine beeindruckende Persönlichkeit, dieser Fritz Pleitgen. Das wusste ich aber schon in den 70er Jahren, wenn ich seine Korrespondentenberichte aus Moskau oder New York am Bildschirm verfolgte.

Ruhig und sachlich vorgetragen und doch immer mit einer kommentierenden Einordnung des Geschehens, die nachvollziehbar war und erkennbar auf fundierter Recherche beruhte. Wie Peter von Zahn, Gerd Ruge oder Hajo Friedrichs quasi eine außenpolitische Instanz, von der man sich gerne die Welt erklären ließ. Das galt im gleichen Maße für seine souveränen Auftritte als langjähriger Presseclub-Gastgeber. Und auch als WDR-Intendant genoss er eine Autorität, an der sich Politiker im Rundfunkrat oft die Zähne ausbissen.

Doch an diesem Abend in der „Concordia“ erlebt (man auch vor und nach dem Podiums-Talk) zudem einen erfrischend unkomplizierten, tiefenentspannten Gesprächspartner. Einer, der unterhaltende Breschnew- und Nixon-Anekdoten zum Besten gibt, der aber auch mit klugen Einsichten zu globalen Fluchtursachen, wachsender weltpolitischer Unberechenbarkeit und zur Verantwortung der Medien zu überzeugen weiß. Und einer, der im Gespräch aufmerksam zuhört und sich seine journalistische Neugier auch mit 81 Jahren noch bewahrt hat. Eben bodenständig, und vielleicht deshalb hat er auch Jochen Rausch seinerzeit zu seinem ersten Referenten berufen. Denn der muss beim Vorstellungsgespräch jene Natürlichkeit und jenes Interesse für wirklich wichtige Themen ausgestrahlt haben, die auch Pleitgen am Herz liegen.

Kurzum: Der Mann ist ein Vorbild für jeden Journalisten. Meine Frau wird sagen, sogar als Ruheständler – hatte er doch am Morgen den Hund Gassi geführt, das Frühstück zubereitet, seine Frau zum Arzt gefahren und bei der Rückkehr mit einer staubgesaugten, aufgeräumten Wohnung überrascht. Meine Güte, das sind alles ganz schön hohe Messlatten ...

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