Kommentar zur Jahresschau Wuppertaler Künstler in der Kunsthalle Barmen Es gibt viel zu gewinnen!

Es gibt viel zu gewinnen! · Irgendwie fristet sie ein Schattendasein, die Kunsthalle Barmen. Während das Von der Heydt-Museum in Elberfeld regelmäßig mit großen Schauen für überregionales Aufsehen sorgt, Besucherrekorde bricht (Monet: 297.000 Besucher), Kritiker begeistert (Weltkunst: Ausstellung des Jahres NRW, Bestes Ausstellungsprogramm NRW), wissen viele Wuppertaler nicht einmal, dass es mit der Von der Heydt-Kunsthalle im Haus der Jugend Barmen eine Zweigstelle des Museums gibt.

 Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Foto: Bettina Osswald

Dabei war die ehemalige Ruhmeshalle — einst vom Barmer Kunstverein gebaut — mit Ausstellungen zu Franz Marc, Alexej von Jawlensky, Emil Nolde und August Macke um 1910 eine Hochburg des Expressionismus. Heute gibt es dort zwei Ausstellungen im Jahr, die sich der Avantgarde widmen — und gerade einmal 3.300 Besucher im Jahr anlocken. Dass sich dort Künstler aus Wuppertal präsentieren können, war so nicht vorgesehen, darauf weist Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh ausdrücklich hin.

Aber bedeutet das auch, dass man von dieser Ausrichtung nicht abweichen kann? Die hiesige Kunstszene hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Der große Erfolg der WOGA (Wuppertaler offene Galerien und Ateliers) sowie auch manch anderer Ausstellung hat sie bestärkt: Sie wollen sich im Rahmen einer Jahresschau in der Kunsthalle präsentieren. Zugleich kann man den Eindruck gewinnen, dass der Hausherr bei dieser Bitte seine Türen nur ungern öffnet.

Kann man das verstehen? Jein. Dass ein erfolgsverwöhnter Kunstexperte wie Finckh lieber die Champions-League in sein Haus holt, statt sich der Kreisliga zu widmen, ist menschlich. Aber ist es gut für die Stadt? Nein. Neben den Publikumsmagneten der großen Schauen — die viel zu Wuppertals positivem Image beitragen — hat auch die Wuppertaler Kunstszene ein Recht auf Unterstützung und Präsentation.

Dass dabei nicht jede Aquarell malende Hausfrau und jeder töpfernde Rentner Einzug in die Kunsthalle findet, dafür sorgt eine entsprechend kuratierte Schau. Aber es würde den Leiter des größten Museums Wuppertals nicht unsympathischer machen, wenn er auch den Künstlern dieser Stadt ein gewisses Interesse entgegenbringt — auch wenn sie nicht Cragg heißen ...

Denn in der freien Kunstszene liegt eine echte Chance für die Stadt. Die Nähe zur Düsseldorfer Kunstakademie ließe sich exzellent nutzen. Die (vor allem im Vergleich zur Landeshauptstadt) günstigen Mieten, die wortwörtlichen Freiräume, die Wuppertal bietet, die spannende junge Szene rund um Utopiastadt oder das "Sommerloch", das alternative Flair von Ölberg und Arrenberg — Kunststudenten aus Düsseldorf fänden in unserer Stadt beste Voraussetzungen zur Entfaltung und für spannende Zusammenarbeit mit Wuppertaler Künstlern.

Man stelle es sich vor: Eine kreative Kunstszene, die sich in leer stehenden Ladenlokalen, Fabriken & Co. ansiedelt und Wuppertals Lebensqualität damit weiter steigert, die Stadt um eine weitere Nuance bereichert und spannender macht. Wie käme das wohl bei Besuchern von außerhalb an, die nach dem Besuch im Von der Heydt-Museum lokale Künstler überall in der Stadt entdecken könnten?

Darum: Unterstützten wir die freie Szene, wo wir können — auch mit einer alle zwei Jahre stattfindenden Jahresschau in der Barmer Kunsthalle. Wir haben nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen.

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