Wuppertals Karnevals-Höhepunkt in akuter Gefahr

Interview mit Wilfried Michaelis (CCW) : „Den Rosensonntagszug können wir mit diesen Vorgaben nicht durchführen“

Der SPD-Stadtverordnete Wilfried Michaelis ist zugleich Präsident des „Carneval Comitee Wuppertal“ (CCW) und macht sich in dieser Funktion Sorgen um die Zukunft des Karnevals in der bergischen Metropole. Rundschau-Mitarbeiter Joachim Macheroux sprach mit ihm (nicht nur) über die kommende Session.

Rundschau: Wird 2020 wieder ein Rosensonntagszug durch das Tal ziehen?

Michaelis: Die Verwaltung hat uns Kosten für Verkehrslenkungsmaßnahmen zusätzlich in Rechnung gestellt, für die wir circa 15.000 Euro aufbringen müssten. Auch die Kosten für den Terrorschutz hat man versucht auf uns abzuwälzen. Terrorschutz ist Aufgabe des Staates. Mit diesen Vorgaben können wir den Zug 2020 nicht durchführen.

Rundschau: Gibt es denn keine Unterstützung aus dem Rat?

Michaelis: Wir werden in diesem Sommer mit einem Bürgerantrag auf unser Anliegen hinweisen und die politischen Gremien wachrütteln. Oberbürgermeister Andreas Mucke hat uns zugesagt, dass die Stadt den Zug weiterhin mit 2.500 Euro unterstützt.

Rundschau: Warum haben die Wuppertaler Karnevalisten so eine schwache Lobby im Rat?

Michaelis: Bisher waren drei Stadtverordnete einschließlich meiner Person sogar Karnevalsprinz in Wuppertal. Ich habe aber den Eindruck, dass einige politische Vertreter unserer Stadt zwar regelmäßig auf der Galasitzung „Närrische Stadthalle“ locker schunkeln, sich aber sonst in Sachen Brauchtumspflege sehr bedeckt halten.

Rundschau: Mit der Schließung der „Hako Event Arena“ fallen weitere närrische Veranstaltungen für die kommende Session aus.

Michaelis: Das ist richtig. Das schon gebuchte Konzert der Kölner Gruppe Bläck Fööss wird hoffentlich im Wuppertaler Brauhaus durchgeführt. Bernd Bigge und Richard Hubinger haben die Gespräche aufgenommen.

Rundschau: Warum wird nicht mehr Karneval in Wuppertals guter Stube, der Historischen Stadthalle, gefeiert?

Michaelis: Das ist eine Frage der Kosten. Viele der bekanntesten Kölner Tanzgruppen, Büttenredner und Gardisten haben in der Stadthalle schon ein Heimspiel. Ich bin überzeugt, dass sich mehr als eine Galasitzung bei den enormen Kosten in der Stadthalle nicht durchführen lässt.

Rundschau: Sie haben sich sehr verdient gemacht, indem Sie fast alle Wuppertaler Karnevalsvereine und Gesellschaften als Präsident wieder in der Dachorganisation des CCW vereint haben. Nach dem Motto „Freunde statt Missgunst“: Ziehen denn jetzt wieder alle mit?

Michaelis: Wir haben trotz der vielen Probleme keine Schulden mehr und werden auch keine mehr machen. Das erleichtert die Arbeit.

Rundschau: Kann das CCW für die kommende Session wieder ein Prinzenpaar stellen?

Michaelis: Es gibt eine Bewerbung eines Ehepaars. Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder in der kommenden Session ein gutes Prinzenpaar für den Wuppertaler Karneval stellen werden. Das trifft auch auf das Kinderprinzenpaar zu. Als Prinzenpaar können übrigens auch Personen sich bewerben, die bisher nichts mit dem Karneval zu tun hatten. Ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

Rundschau: Wie könnte der Wuppertaler Karneval neue Freunde gewinnen?

Michaelis: Wenn es uns gelingt, den Zug 2020 durchzuführen, wünsche ich mir, dass sich mehr Vereine beteiligen.

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