Pariser Flair mitten in Düsseldorf - made in Wuppertal

Top Wuppertal : Pariser Flair mitten in Düsseldorf - made in Wuppertal

Alexandra Wendes Jugendtraum war ein Leben mit Pferden, doch heute ist die Wuppertalerin eine prämierte Patissière und Chefin im Gourmet-Tempel „Rocaille“.

Schon die lange Fensterfront, die den Blick auf gemütliche Gobelinkissen und alte Weinflaschen freigibt, dazu Kerzenschein und stilvoll eingedeckte Tische, macht neugierig auf das Restaurant, das sich dahinter verbirgt. Wer dann das „Rocaille“ betritt, ist Frankreich ein wenig näher, könnte auch in einem Bistro am Boulevard St. Michel oder im Café Mistral eingekehrt sein.

Und in Frankreichs Metropole Paris, dort wo die Wiege der Haute Cuisine und der Patisserie steht, hat Alexandra Wende ihr Handwerk erlernt. Doch der Weg zum „Rocaille“ und zur Verwirklichung ihres Traumes war lang und führte auch über Umwege.

Aufgewachsen ist die heutige Gastronomin im Cronenberger Ortsteil Sudberg, wo Pferde den Ton angeben. Also wird auch Alexandra Wende eine begeisterte Reiterin. Ihre Freizeit verbringt sie auf dem Bauernhof der Familie Kemp und entwickelt sich so zur echten Pferdefrau. „Nach dem Abitur stellte sich die Frage, was soll ich werden? Zur Handelsschule wollte ich auf keinen Fall, aber reiten konnte ich.“

Himmlisch ... Foto: Sabina Bartholomä

Also versucht sie es mit einer Bereiterlehre im FN-Betrieb von Ansgar Millarg am Aprather Weg. Eine „harte, aber auch schöne Zeit“, die ihr die Augen öffnet: „Das war nicht der Beruf, der mir auf Lebenszeit vorschwebte.“

Ein Studium der Tiermedizin wäre eine Alternative, doch die Aussicht, Hunderte von Ferkeln zu kastrieren und so die Massentierhaltung zu unterstützen, hält sie davon ab. So folgen Stationen im Büro, beim Cirque du Soleil, „da habe ich in den Pausen Champagner serviert“, und im Gießerei-Unternehmen ASK. „Dort war ich auch für die Organisation von Messen und anderen Events zuständig und stellte bezüglich der Kulinarik sehr schnell fest: Catering kann noch besser gehen!“

Alexandra Wende musste ihre Meisterprüfung als Konditorin vor der IHK Köln ablegen. Als Meisterstück präsentierte sie einen imposanten Schokoladenadler mit zwei Metern Spannweite. Foto: Sabina Bartholomä

Da sie schon als Kind gern gebacken hat, rückt so ihr Traum vom eigenen Bistro wieder in den Vordergrund. „Doch ich wollte nicht blauäugig an die Verwirklichung gehen, sondern die Idee auf solide Füße stellen“, hat die Wuppertalerin nun ein Ziel im Visier.

Um ihr Handwerk von der Pike auf zu lernen, sucht sie sich mit „Le Cordon Bleu“ die älteste und renommierteste Kochschule der Welt in Paris aus, die sie aus den Filmen „Ratatouille“ und „Julie und Julia“ mit Meryl Streep kennt. „Das Schulgeld ist sehr hoch, doch ich hatte eine kleine Erbschaft, die ich investierte.“

Fortan verbringt sie ihre Tage mit Kochen und Backen, in der knappen Freizeit wandert sie durch Paris, besucht die vielen Märkte und Museen, holt sich Inspirationen für neue Kreationen. „Wir waren Schüler aus vielen verschiedenen Nationen und es war eine tolle Atmosphäre. Bei Zwischenprüfungen wurde zwar gnadenlos gesiebt, aber am Ende erhielt ich mein Diplom als Jahrgangsbeste und mit der Auszeichnung ‚mention bien‘“, ist Alexandra zu Recht stolz.

Zauberhafte Kreationen – optisch wie geschmacklich. Foto: Sabina Bartholomä

Der Stadt an der Seine kehrt sie aber noch nicht den Rücken, sondern besucht einen weiteren Lehrgang in der Kochschule Ferrandi, arbeitet bei Cyril Lignac in der Pâtisserie und in der Cuisine des Restaurants „Lazare“ von Sternekoch Eric Frechon (Bestes Bistrot des Jahres 2014) bevor sie nach Deutschland zurückkehrt.

Zurück in Deutschland begibt sich Alexandra Wende zusammen mit ihrem Lebensgefährten Michael Spreckelmeyer auf die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal, wo sie zukünftig ihr Bistro/Café betreiben wollten. In Düsseldorf-Derendorf schlagen sie zu: „Ich habe mich direkt in die Fensterfront verliebt, außerdem ist Derendorf ein Stadtteil, der stark im Aufwind ist. Von Beginn an war mir wichtig, nur beste Zutaten in der Küche zu verwenden, wie etwa Schokolade mit einem sehr hohen Kakaoanteil und wenig Zucker, Bio-Produkte, den Kaffee liefert eine kleine Privatrösterei und natürlich kommt auch das Fleisch aus artgerechter Haltung.“

Verkostungen gehören mit zum Angebot. Alexandra Wende mit Servicekraft Auri Lotzkat (rechts) und ihrem Lebensgefährten, dem Sommelier Michael Spreckelmeyer. Foto: Sabina Bartholomä

Mit Partner Michael Spreckelmeyer hat sie einen versierten Sommelier an ihrer Seite, mehr als 1.000 verschiedene Weinsorten hat sein Keller zu bieten. Dabei reicht die Preisspanne von 20 bis über 1.000 Euro. Eröffnung feiert das „Rocaille“ vor drei Jahren, heute ist ohne Reservierung keiner der gut 40 Plätze mehr zu haben. Zu verlockend sind die vielen Köstlichkeiten wie Macarons, Törtchen oder Quiche, die in der Vitrine locken. Und es ist die besondere Atmosphäre, die besonders Pärchen mit einem Grund zu feiern zu Alexandra Wende zieht.

Darüber hinaus erfüllt die Wuppertalerin süße Catering-Wünsche. So stellte sie die Hochzeitstorte für Christopher Millarg, den Sohn ihres früheren Ausbilders Ansgar Millarg, her, lieferte bei der Einführung des neuen Parfüms von Angelina Jolie 800 Torten: „Da haben wir drei Tage rund um die Uhr gearbeitet.“

Nur eine Leidenschaft musste sie komplett an den Nagel hängen: „Zum Reiten komme ich gar nicht mehr, im Anfang habe ich hier in Düsseldorf noch Kinder unterrichtet, aber das war zu zeitintensiv. In meiner wenigen Freizeit bin ich so kaputt, dass ich meistens schlafe“ – ein Preis, den sie gerne für die Verwirklichung ihres Traumes zahlt.

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