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Sebastian Ströbel - Serienheld mit Wuppertal-Wurzeln

Sebastian Ströbel : Serienheld mit Wuppertal-Wurzeln

„Die Bergretter“ ist einer der Quotenhits im Programm des ZDF. Was bisher kaum jemand wusste: Serien- Hauptdarsteller Sebastian Ströbel verbrachte seine Jugend in Wuppertal – und hat nur beste Erinnerungen daran.

Beeindruckende 5,59 Millionen Zuschauer haben am 21. November 2019 im ZDF die Folge „Über den Wolken“ aus der Serie „Die Bergretter“ verfolgt. Der Marktanteil betrug 18,64 Prozent. Die seit dem Jahr 2009 ausgestrahlte Serie ist ein absoluter Quotengarant für das ZDF. Im Herbst 2020 folgt die zwölfte Staffel. Die Hauptrolle als Leiter der Bergrettung von Ramsau im Dachsteingebirge spielt Sebastian Ströbel.

Seit der Folge 38 im Jahr 2014 steht der 43-Jährige als Markus Kofler im Mittelpunkt des stets dramatischen Geschehens in der faszinierenden Bergwelt felsiger Höhen. Serviert mit allem, was die Zuschauer von einem Heimatfilm erwarten: Liebe, Verzweiflung, Trauer, Dramatik und eben wunderbare Bilder der Gegend. Balsam für die Seelen der Menschen. Von 1983 bis 1989 hat Sebastian Ströbel in Wuppertal gelebt. Dieser Abschnitt taucht in keiner Vita auf – und so bedurfte es eines Zufalls, um auf seine Wuppertal-Spur zu kommen. Ströbel war am 4. Januar 2020 Gast in der ARD-Sendung „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume. Im Gespräch mit einem elfjährigen Jungen erzählte er dort, was er selbst in diesem Alter gemacht hatte: „Da habe ich in Wuppertal gelebt, bin in den Zoo gegangen und mit der Schwebebahn gefahren.“

Opernchor, Stadthalle und WSV

Grund für die sechs Jahre in Wuppertal war der Beruf seines Vaters, der in dieser Zeit als Arzt in der St. Antonius-Klinik arbeitete. Die aus Schwaben stammende Familie war über Baden-Baden ins Bergische Land gekommen. Sebastian Ströbel wurde als jüngster von fünf Söhnen in Karls ruhe geboren. Seine Erinnerungen an Wuppertal sind lebhaft: „Wir haben in der Seydlitzstraße am Nordpark gewohnt. Es war eine wunderbare Zeit. Gebolzt wurde auf dem Aschenplatz auf Mallack, der Weg zur Schule Schützenstraße war nicht weit. Auch daran habe ich nur gute Erinnerungen.“

Am Einsatzort kümmert sich Ärztin Katharina Luise Bähr (links) mit ihren Kollegen Markus Sebastian Ströbel (rechts) und Simon Ferdinand Seebacher (Mitte) um die bewusstlose Nele Glöckner Zoe Moore (liegend). Foto: ZDF/Hardy Spitz

Die Schullaufahn führte ihn weiter zum Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium nach Elberfeld. Mit einem Klassenkameraden von damals gibt es unverändert Kontakt. Es ist der heutige SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh. Ströbel: „Er war schon damals politisch sehr interessiert.“ Aber auch mit der Bühne gab es in Wuppertal erste Kontakte: „In einer Hänsel und Gretel- Inszenierung durfte ich im Opernchor mitsingen. Meine Brüder haben das noch häufiger gemacht.“ Besonders erinnert er sich noch an zwei Besuche in der Stadthalle: „Es waren Konzerte mit Yehudi Menuhin und Anne-Sophie Mutter. Sie haben mein Interesse an der klassischen Musik sehr gefördert. Außerdem gab es für wenig Geld günstige Abos in der Oper.“ Regelmäßig ist er damals zum WSV gegangen und oft in den Zoo.

„Die Zeit in Wuppertal hat mich stark geprägt“

Die Karriere des Vaters ließ die Familie weiter nach Bad Waldsee ziehen, sein Abitur machte Sebastian Ströbel am Spohn-Gymnasium in Ravensburg unweit des Bodensees. Es klang keineswegs wie eine Höflichkeitsfloskel dem Anrufer aus Wuppertal gegenüber, als der mit Ehefrau und vier Kindern zwischen einem und 14 Jahren in Hamburg-Harburg lebende Schauspieler sagte: „Die Zeit in Wuppertal hat mich stark geprägt. Es war eine superschöne Phase meines Lebens.“ Seine Mutter Constanze pflegt unverändert Kontakte zu den Wuppertaler Nachbarn von einst, sein Vater ist 2017 verstorben. Die begehrte Serien-Hauptrolle mit dem Arbeitsplatz im Dachsteingebirge schränkt die Möglichkeiten Sebastian Ströbels für andere künstlerische Arbeiten derzeit ein, die Abwesenheit von der Familie ist nicht einfach „Wir haben uns für meine Frau sehr bewusst auf Hamburg als Wohnort geeinigt,“ erklärt er.

Bergretter Markus Sebastian Ströbel im Einsatz. Foto: ZDF/Walter Wehner

Er sah einfach zu gut aus …

Nach dem Abitur und der Ausbildung am Mozarteum, der Kunsthochschule für Musik, Schauspiel und verwandte Fächer in Salzburg, hat Sebastian Ströbel in unzähligen Fernseh- Produktionen mitgewirkt. Dazu zählte 2010 die Hauptrolle des Kriminal-Hauptkommissars Jan Brenner in der RTL-Serie „Countdown – Die Jagd beginnt“. Seine Filmografie bei Wikipedia listet von 1998 bis 2016 mehr als 70 Fernseh-Formate auf. Wobei es bis zum 30. Lebensjahr durchaus schleppend lief. Es gab so manche Absage mit einer ungewöhnlichen Begründung: Er sah einfach zu gut aus. In der Hauptrolle bei den „Bergrettern“ ist das aber kein Makel. Für diese Aufgabe musste er intensiv an Kletterwänden trainieren. Gedoubelt werden maximal Sprünge aus großer Höhe. Seine Fitness bewies er auch auf dem Rennrad bei der 100-Kilometer-Radrunde im Rahmen der Hamburger „Cyclassics“.

Wuppertal könnte im Übrigen im Herbst noch einmal ein Thema werden. Dann ist Sebastian Ströbel zu Gast in der NDR-Talkshow „Tietjen und Pilawa“. Der Grund dafür ist der Start der zwölften Staffel der „Bergretter“. Bettina Tietjen ist gebürtige und bekennende Wuppertalerin. Die Wohnungen der Familien Tietjen und Ströbel in Hamburg-Harburg liegen nicht weit auseinander. Gelegentlich trifft man sich beim Joggen in den anliegenden Wäldern. Begeistert hat Bettina Tietjen darüber kürzlich in der von ihr seit über 20 Jahren moderierten NDR-Kult-Sendung „Das rote Sofa“ erzählt.

Ein Mann in den Bergen ... Foto: ZDF/Hardy Spitz