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Top Wuppertal: „Mein Handicap? Golf!“

Top Wuppertal : „Mein Handicap? Golf!“

Weihnachten 2018 hingen in ganz Wuppertal Großflächenplakate, die auf die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld aufmerksam machten. Auf einem war eine junge Frau mit Down-Syndrom zu sehen. Ihr Slogan: „Mein Handicap? Ich spiele einfach gerne Golf.“ Daraufhin fasste Autor Helmut Pathe, selbst Golfer, einen Entschluss. Jetzt erzählt er im Top Magazin die Geschichte einer ganz besonderen Begegnung …

Wie oft ich an einem Plakat mit Alexandra, ihren Namen kannte ich damals noch nicht, vorbeigefahren bin, weiß ich nicht. Aber jedes Mal sprach mich die junge Frau an. Und da Weihnachten vor der Tür stand, verpackte ich ein paar Golfbälle und schickte sie nach Bethel. Als Golfer wisse ich, dass man immer mal wieder einen Ball verliert. Mit meinen Bällen könne die neue Saison aber beginnen. Außerdem würde ich mich freuen, mit der jungen Dame einmal eine Runde zu spielen. Ich sei inzwischen auch nicht mehr so mobil. Das würde also „handicapmäßig“ schon gehen, schrieb ich dazu.

Nach ein paar Wochen erhielt ich dann eine sehr nette Nachricht aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Man bedanke sich sehr herzlich für meine Reaktion auf das Plakat. Alexandra Reck (18), so sei der Name der abgebildeten Golfspielerin, habe sich sehr gefreut. Nur mit der gemeinsamen Golfrunde würde es vorerst nichts werden. Denn Alexandra nehme im März an den Special Olympics World Games in Abu Dhabi teil. Man würde sich anschließend wieder bei mir melden. Also habe ich erstmal gegoogelt, was es mit diesen Special Olympics auf sich hat. Die Paralympics kannte ich, aber was sind die Special Olympics? Diese vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannten Spiele werden für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung ausgerichtet. In diesem Jahr eben in Abu Dhabi. Und „meine Alexandra“ holte dort die Silbermedaille!

Die gemeinsame Runde war danach schnell ausgemacht. Im Bielefelder Golfclub erwarteten uns bereits Alexandra, ihre Mutter Friederike sowie Lukas Kollmeyer und Petra Constanze Pithan, mit denen ich gemeinsam auf den Platz gehen sollte. Bradley Kerr, Pro im Bielefelder Golf Club und Trainer der Golf-AG, berichtete auf dem Weg zum Abschlag von Alexandras Aufgaben bei den Spielen. Sie sei im Level I an den Start gegangen. Dabei seien verschiedene Schläge, Short-Putts, Long-Putts, Chips- und Pitch-Schläge sowie Abschläge zu absolvieren gewesen – und das gegen 120 Mitbewerber. „Aber Alexandra hat sich kontinuierlich gesteigert“, so der Trainer. Ich war also vorgewarnt.

Auf dem Weg zum Abschlag dann die erste Gelegenheit, mit Alexandra zu sprechen, die den Sport vor vier Jahren in der Golf-AG ihrer Schule gelernt hat. Wie es denn in Abu Dhabi gewesen sei? „Gut“. Aber auf Nachfrage wurde aus dem „gut“ dann ein „toll“. Sehr gesprächig schien die junge Dame an diesem Morgen dennoch nicht zu sein. Oder war sie schon auf das kommende Spiel konzentriert? Dafür berichtete dann ihre Mutter umso begeisterter von den Tagen in Abu Dhabi. Da gab es den „arabischen Abend“, einen Empfang in der Deutschen Botschaft, einen Moschee-Besuch und natürlich eine Athleten-Disco. Insgesamt sei ihre Tochter viel selbstständiger geworden, findet Friederike Reck.

Zu viert auf dem Fairway: Alexandra Reck und Helmut Pathe mit den Mitspielern Lukas Kollmeyer und Petra Constanze Pithan. Foto: Bethel

Am Abschlag teilte uns der Pro dann in ein Herren- und ein Damenteam auf. Wir spielten also zwei gegen zwei, die Spieler einer Mannschaft schlagen dabei abwechselnd einen Ball. Mein Mitspieler, er konnte nur einhändig abschlagen, legte gut vor. Es folgte der Abschlag von Petra Constanze, ebenfalls Teilnehmerin in Abu Dhabi, hinter deren Ball wir alle nur herschauen konnten. Aber es wurde ja nicht gezählt, so dass der Spaß am Spiel im Vordergrund stand. Das ging dann über drei Löcher so und am Ende stand dann das freundschaftliche Abklatschen.

Für die jungen Golferinnen und Golfer sei solch ein Besuch nicht nur eine schöne Abwechslung, sondern es sei auch ein Zeichen von Respekt, wenn auswärtiger Besuch gemeinsam mit der Golf-AG auf den Golfplatz ginge, stellte Reinhard Elbracht aus der aus der PR-Abteilung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen später fest. Für mich war es eine Begegnung der besonderen Art. Sie hat mir deutlich gemacht, wie unkompliziert der Umgang mit Menschen mit einem Down-Syndrom sein kann. In einem Gespräch mit Klaus-Hermann Bunte, stellvertretender Schulleiter der von der Stiftung getragenen Mamre-Patmos-Schule, an der Alexandra lernt, wurde dann allerdings deutlich, dass sie noch einen schwierigen Weg vor sich hat. Die Berufswahl würde sicher nicht einfach. Aber vielleicht würde sich ja etwas im Golf-Umfeld ergeben.

Dafür drücke ich Alexandra jetzt schon die Daumen. Und gerne frage ich noch einmal nach ein paar gemeinsamen Löchern auf dem Bielefelder Golfclub nach. Allerdings brauche ich vorher noch ein paar Trainerstunden, denn schließlich ist Alexandra eine Silbermedallien-Gewinnerin.