"Wuppertaler" Spürhund: Getauft mit Nationalpark-Flusswasser

"Wuppertaler" Spürhund : Getauft mit Nationalpark-Flusswasser

Er ist im Einsatz gegen die Wilderei in Südafrika: Spürhund „Udo“ ist sozusagen auch ein Wuppertaler.

Mit nackten Füßen stand die Wuppertalerin Barbara Scheer im April 2019 im Fluss Sabie im Krüger-Nationalpark und taufte einen Wilderer-Spürhund mit einigen Spritzern Wasser auf den Namen ihres verstorbenen Mannes. „Udo“ ist ein Mix aus Bluthund und Dobermann – darauf spezialisiert, Wilderer aufzuspüren und Waffen zu erschnüffeln. „Udo hat schon neun illegale Jäger gestellt“, berichtet Barbara Scheer einige Monate später bei einem Treffen im Wuppertaler Zoo. Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Wie es zu diesem ungewöhnlichen Moment kam, bei dem die Wuppertalerin zusammen mit einem Spürhund in einem Fluss mitten in Südafrika stand, ist eine lange und in Abschnitten traurige Geschichte.

Andreas Haeser-Kalthoff, Geschäftsführer des Zoo-Vereins, sitzt neben Barbara Scheer im Verwaltungsgebäude des Grünen Zoos und beginnt mit dem ersten Teil der Erzählung. Seit drei Jahren unterstützt der Förderverein des Wuppertaler Zoos den Kampf gegen Wilderei im Krüger-Nationalpark in Südafrika. Volkmar Seifert stellt vor Ort den Kontakt her und berichtet regelmäßig über die Fortschritte der Arbeit. Dank finanzieller Unterstützung aus dem Bergischen konnten die Honory Ranger des Parks, die ehrenamtlichen Wild- und Parkhüter, bereits zwei Hunde anschaffen, die sie bei der Jagd nach Wilderern unterstützen. „Wupper“ und „Tal“ sind darauf trainiert, Waffen zu erschnüffeln und im Park Wilderer aufzuspüren.„Auf Elfenbein und das Horn der Nashörner sind nach wie vor hohe Preise ausgesetzt“, erzählt Haeser-Kalthoff. Mit den Hunden an ihrer Seite kontrollieren die Ranger an den Gates jeden Besucher, der den Park betreten möchte, auf geschmuggelte Gewehre.

Zusätzlich spüren sie Wilderer auf, die vom Flugzeug aus per Fallschirm in den Park eindringen. „Seit die Hunde im Einsatz sind, ist die illegale Wilderei deutlich zurückgegangen“, ergänzt Barbara Scheer die Ausführungen Haeser-Kalthoffs. Sie und ihr Ehemann Udo engagierten sich viele Jahre lang im Zoo-Verein und träumten davon, selbst einmal nach Südafrika zu reisen. Dann verstarb Udo Scheer plötzlich, und der Traum rückte in den Hintergrund.

Bilder:

„Statt Blumen auf der Beerdigung wünschte sich mein Mann Spenden für den Zoo-Verein“, berichtet Barbara Scheer. Da sie und Udo Scheer ihr Leben lang gerne Hunde um sich hatten, schlug der Vorsitzende des Vereins vor, von dem gespendeten Geld einen weiteren Spürhund für den Krüger-Nationalpark zu finanzieren – und ihn auf den Namen „Udo“ zu taufen. Mit dieser ungewöhnlichen Idee kehrte bei der Wuppertalerin der Wunsch zurück, selbst einmal in den Nationalpark nach Südafrika zu reisen.

Eine Freundin aus dem Zoo-Verein plante einen Trip nach Afrika und Barbara Scheer schloss sich an: Mit der Bedingung, für einige Tage die K9-Unit des Krüger-Nationalparks zu besuchen, in der die Hunde, darunter auch ihr „Udo“, leben und ausgebildet werden. „Ende April flogen wir hin. Mit der Taufe von ‚Udo‘ haben sie extra auf uns gewartet“, berichtet Scheer von ihrem Abenteuer. Drei Tage wohnten sie und ihre Begleiter bei den Honory Rangers im Park.

Sechs Jahre lang wird „Udo“ aufpassen

An einem dieser Tage gingen alle zusammen mit den Hunden zum Fluss Sabie. Am Ufer zog Barbara Scheer ihre Schuhe aus und watete mit Spürhund „Udo“ an ihrer Seite ein paar Schritte ins Wasser hinein. Mit einigen Spritzern taufte sie den Bluthund-Dobermann-Mix zu Ehren ihres verstorbenen Mannes auf dessen Namen. Ein bewegender Moment. Mittlerweile ist „Udo“ anderthalb Jahre alt. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wird er im Einsatz sein, im Kampf gegen Wilderer im Krüger-Nationalpark. Volkmar Seifert berichtet Barbara Scheer regelmäßig von „Udos“ Erfolgen.

Fast 5.000 Euro kostet ein Spürhund für die K9-Unit zur Bekämpfung der Wilderei. Der Zoo-Verein finanziert die Anschaffung, die sechsmonatige Ausbildung und ein Erste-Hilfe-Set für die Hunde. „Nicht selten werden die Tiere bei ihren Einsätzen verletzt“, so Andreas Haeser-Kalthoff. Eine Tierklinik vor Ort im Nationalpark ist deswegen das nächste Projekt, auf das der Verein bereits spart.