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Wuppertaler Osterholz-Wald: „Nicht aussichtslos, aber auch nicht gut“

Mediengespräch im Wald : Osterholz: „Nicht aussichtslos, aber auch nicht gut“

Im Ostersholz findet eine Pressekonferenz statt. Es geht konkret um 1.500 Bäume. Um einen Mischwald, der zum Großteil aus Buchen und Eichen, die bis zu 150 Jahre alt sind, besteht. Um fünfeinhalb Hektar Wald, drei Hektar mittlerweile bewachsene Halde, die „entgrünt“ werden soll.

Es geht um den Erhalt des Osterholz‘, das dringend gerettet werden muss, sagen die Gastgeber. Die sitzen unter einem Zelt an einem Waldweg, vor dem sich die Medienschaffenden an diesem Mittwochvormittag (29. Dezember 2021) versammeln.

Zwei Vertreter der Bürgerinitiative „Osterholz Bleibt!“ sind da sowie eine Vertreterin der Klimagruppe „Dar Jin“. Und zwei Waldbesetzer, mit jungen Stimmen und verdeckten Gesichtern. Moderiert wird dieser Pressetermin im Wald von einem Aktivisten der „Fridays For Future Wuppertal“. (Bilder:)

Der Ton ist dringlich, die Geschichte ihrer Wut bereits mehrere Jahre alt. Sie tragen ihre Argumente vor, erklären die Wut auf die Gegenseite, auf der sie die Stadtverwaltung, Politik, Bezirksregierung und das Kalk-Unternehmen Oetelshofen sehen. Auf die Stadt, weil sie eine positive Empfehlung für die Abholzung gegenüber der Bezirksvertretung ausgesprochen hat. Auf die Bezirksregierung, die die Rodung genehmigt hat. Auf die Grünen, die sich nun zu spät immerhin für den Erhalt der Hälfte ausgesprochen haben. Und auf die Firma Oetelshofen, die an ihrem Vorhaben festhält.

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Die Medienvertreterinnen und -vertreter hören zu, die Entscheidung scheint längst gefallen. Bereits im Mai haben die Kalkwerke Oetelshofen von der Düsseldorfer Bezirksregierung den Planfeststellungsbeschluss zur Genehmigung der Erweiterung der Halde erhalten. Drei Klagen vor dem Verwaltungsgericht sowie eine vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gegen die sofortige Vollziehung stehen noch aus. Der von Oberbürgermeister Uwe Schneidewind initiierte „Runde Tisch“ hat keine Änderung bewirkt.

Die Bürgerinitiative selbst schätzt ihre Chancen, den Wald noch zu retten, als „nicht aussichtslos, aber auch nicht gut“ ein. Der Aktivist von „Fridays For Future Wuppertal“ bilanziert, dass sich der Protest gelohnt habe, auch wenn der Wald verloren gehe: „Denn so wird über solche Vorgehensweisen berichtet und sie werden diskutiert.“

Die Waldbesetzer geben an diesem Morgen dann noch eine Führung durch ihr Camp. Bis zu 25 Meter in der Luft schweben ihre Baumhäuser. Küche, Werkstatt, alles aus Holzresten und Spenden entstanden. Wie viele Häuser es insgesamt gibt und wie viele Menschen im Wald leben, verraten sie nicht. Zwei Jahre, sagt ein Waldbesetzer, lebe er mit Unterbrechungen bereits hier.

In seinem Statement vor der Presse spricht er von einem „aussichtslosen Kampf“. Seine Mitstreiterin aber erklärt: „Wenn es sich nicht lohnen würde, wenn wir keine Hoffnung hätten, wären wir nicht hier.“ Und: „Für jeden gefällten Baum werden weitere zehn Bäume besetzt.“