Nach Brand am Bornberg: "Wir stehen vor den Trümmern unserer Existenz"

Nach Brand am Bornberg : "Wir stehen vor den Trümmern unserer Existenz"

Unbewohnbare Wohnungen, traumatisierte Kinder, ungewisse Zukunft: Der Brand im Gebäude 65 am Bornberg hat für die betroffenen Familien schwere Folgen.

Der Schock kam aus heiterem Himmel: Gerade zurück von einem Ausflug mit Tochter Melica (4) und Sohn Serdar (2), erfahren Alpaslan und Christine Yilmaz am Samstag (15. September 2018) dass im Treppenhaus ihres Wohnhauses ein Brand wütet. Sofort ruft Christine Yilmaz ihre Tochter Lea-Marie (13) an, die sich mit ihrem Bruder Jan-Luca (12) noch in der Wohnung auf der vierten Etage befindet.

"Sie hat geschrien, geweint, ihre Todesangst war so spürbar, das ging durch und durch", berichtet die Mutter. Instinktiv handelt Alpaslan Yilmaz: Da die Kellertür verschlossen ist, schlägt er vom Garten aus ein Fenster ein, greift sich einen Wasserschlauch und beginnt, das Feuer, das vermutlich in einem kleinen Raum zwischen erster und zweiter Etage seinen Ursprung hat, zu löschen. Nach Eintreffen der Feuerwehr entfernten ihn die Feuerwehrleute mit Nachdruck aus der Gefahrenzone.

"Ich habe nicht darüber nachgedacht, was mir hätte passieren können, ich wollte nur meine Kinder retten", sagt er und zeigt rückblickend Verständnis für das energische Vorgehen der Einsatzkräfte. Kurze Zeit später ist der Brand unter Kontrolle. Die Ursache wird noch von der Kripo ermittelt. Lea-Marie und Jan-Luca können ins Freie gebracht werden. Ebenso die Nachbarin Jennifer Medenbach mit Tochter Eretrea (2) und ihre Schwägerin aus der Wohnung auf der dritten Etage sowie ein älteres Ehepaar eine Etage tiefer.

Ihnen allen steht der Schreck ins Gesicht geschrieben, vorsorglich werden alle mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Während Freunde Jennifer Medenbach, ihrem Partner und der Tochter Obdach gewähren, bekommt Familie Yilmaz von der Stadt einen Raum in einer Jugendherberge zur Verfügung gestellt. Am Dienstag, 18. September, wird für sie das Ausmaß des Unglücks vor Ort deutlich. Von einem Gutachter der Gebäudeversicherung erfahren die Betroffenen, dass frühestens im Februar 2019 die Schäden im Treppenhaus und den jetzt unbewohnbaren Räumen behoben sind. Und dass sie für die Renovierung ihrer Wohnung selbst verantwortlich seien.

"Möbel, Hausrat, das Spielzeug der Kinder, uns wurde nahe gelegt, alles zu entfernen und neu anzuschaffen. Wie soll das gehen? Dafür haben wir nicht die finanziellen Mittel und es gibt keine Hausratversicherung", sagt Christine Yilmaz traurig. Aber eigentlich wollen sie auch gar nicht mehr zurück, genauso wie die Familie unter ihnen. "Wenn wir nur davon sprechen, fangen Lea-Marie und Jan-Luca an zu zittern. Sie sind traumatisiert und wünschen sich ein anderes Zuhause", sagt Alpaslan Yilmaz.

Zurzeit lebt die Familie in einer Wohnung, die das Amt für Wohnhilfe ihnen in der Malerstraße zur Verfügung gestellt hat. Für zwei Wochen. Wie es danach weitergeht, wissen sie nicht: "Wir stehen vor den Trümmern unserer Existenz und brauchen Hilfe und Unterstützung, um wieder auf die Beine zu kommen." Familie Yilmaz, die ohnehin vor dem Einzug am Bornberg schon eine über dreijährige Leidensphase in einer Wohnung voller Schimmel in einem baufälligen Haus am Ostersbaum (die Rundschau berichtete) hinter sich hat, benötigt eine Fünf-Zimmer-Wohnung, Jennifer Medenbach sucht eine Drei-Zimmer-Wohnung.

Wer mit einer Wohnung, mit Möbeln oder Spenden helfen möchte, kann sich mit Christine Yilmaz unter der Telefonnummer 0179/447 61 60 in Verbindung setzen.

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