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Christiane Schneider (Landhaus Bilstein) zur Lage nach dem Hochwasser

Christiane Schneider (Landhaus Bilstein) nach dem Hochwasser : „Wenn man so angegrinst wird, wird man wütend“

Christiane Schneider ist die Inhaberin des Landhauses Bilstein in Beyenburg, das am 14. Juli schwer vom Hochwasser der Wupper getroffen wurde. Ihren Gastronomiebetrieb musste sie wieder schließen. Rundschau-Redakteur Jörn Koldehoff und Christoph Petersen befragten sie zur aktuellen Situation.

Rundschau: Wie sieht Ihre persönliche Lage knapp drei Wochen nach dem Hochwasser aus?

Schneider: „Meine persönliche Lage ist nicht so gut! Im Prinzip versucht man neu zu planen und zu organisieren, aber im Prinzip ist der Kopf im Moment so voll. Man weiß nicht, wenn man hört, es dauert anderthalb Jahre, bis der Laden wieder aufgebaut ist, wie es bis dahin weitergeht, wie man das schafft.“

Rundschau: Können Sie das Haus bewohnen? Welche sind die größten Schäden?

Schneider: „Der größte Schaden ist klar das Restaurant! Das Restaurant ist mittlerweile komplett entkernt, da ist nix mehr drin. Keine Böden, keine Wände, nix. Aber auch die beiden Wohnungen, die von meinen Eltern und die von mir, die komplett im Rohbau sind.“

Rundschau: Erst war das Lokal wegen Corona lange geschlossen, dann kam das Hochwasser: Wie hoch ist Ihre persönliche Motivation momentan?

Schneider: „Entmutigend! Der Winter steht vor der Tür. Man hat halt jetzt auch Angst: Kommt wieder ein Lockdown? Schaff‘ ich das jetzt? Wie geht es weiter? Es sind viele Fragen offen, die man gar nicht so beantworten kann.“

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Rundschau: Können Sie das finanzielle Ausmaß der Schäden schon beziffern?

Schneider: „Nein! Ich kann das definitiv nicht, aber wenn man hört, was die Leute munkeln, sind das Zahlen, wo es mir schlecht wird. Wir reden hier von 500.000 bis zu einer Million Euro, was mir die Firmen gesagt haben.“

Rundschau: Glauben Sie, sämtliche Schäden ersetzt zu bekommen – über Versicherungen oder das Land?

Schneider: „Der Versicherungsvertreter stand hier mit einem Lächeln und sagte mir, ich bekomme von der Versicherung nichts. Ich werde das aber prüfen lassen, denn ich habe ja eine Gebäudeversicherung und eine Wohnungsversicherung. Wenn man dann so angegrinst wird, wird man wütend. Vom Land hoffe ich schon, dass wir da Hilfe bekommen, denn alleine schaffen wir das nicht.“

Rundschau: Sind die angekündigten Sofortgelder eingetroffen?

Schneider: „Es sind Soforthilfen eingetroffen, aber das ist noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Von der Stadt kamen 1.500 Euro, von der Caritas kamen für das Geschäft auch 1.500 Euro und von der Katholischen Kirche kam auch ein wenig. Aber das sind Gelder, wovon man den Aufbau nicht bewältigen kann.“

Rundschau: Wer hat Ihnen bislang am tatkräftigsten geholfen?

Schneider: „Da waren sehr viele Menschen, sei es aus dem Ort, seien es Nachbarn, aber auch Freunde. Und auch viele Leuten, die man gar nicht kannte, die Bundeswehr – ein ganz großes Lob an der Stelle. Ich sag‘ es mal so: Es kamen viele als Fremde, die als Freunde gegangen sind. Das hat in der schweren Zeit auch gutgetan. Ich wusste, man steht nicht alleine. Klar, es wird mit der Zeit weniger, weil die Trocknungsphase beginnt, aber die Leute, die da sind, sind Freunde geworden.“

Rundschau: Was hat Sie bislang am meisten enttäuscht bzw. geärgert?

Schneider: „Ich habe aktuell keinen Fernseher. Und ich bekomme gesagt, dass man überall hört: Das schafft ihr! Es gibt ganz viele Spenden, wo es um Millionen geht. Ich weiß aber gar nicht, wie man da drankommt oder wo ich mich melden muss und sagen kann: Hallo, ich bin auch ein Flutopfer! Das ist so ein Punkt, wo man alleine ist, denn es kommt ja keiner auf mich zu und sagt: Hallo Christiane Schneider, wir haben hier ein paar Euro für dich. Da fühle ich mich alleine, weil keiner weiß: Muss ich dafür irgendwelche Anträge stellen oder wo muss ich hin. Der Kopf von einem ist selber voll, und ich kann da nicht klar denken.“

Rundschau: Was hat Sie bislang am meisten gefreut?

Schneider: „Gefreut hat mich die Hilfsbereitschaft der ganzen Leute! Dass von dem Tag an Leute da waren, die, wie gesagt, ich nicht kannte oder auch kannte. Dass sich daraus was entwickelt hat und die Leute da waren, das hat mich am gefreut.“

Rundschau: Haben Sie sich der Sammelklage gegen den Wupperverband angeschlossen?

Schneider: „Ich hoffe, dass wir eine Sammelklage machen hier in Beyenburg. Da bin ich definitiv für, weil man uns wirklich wie die Ratten hat absaufen lassen. Ich denke, dass der Wupperverband einen großen Teil mit Schuld dran hat. Ich selber war bei der Bürgerversammlung in der Schützenhalle, und man sah auf dem Schaubild, dass die Skala des Füllstandes immer ziemlich weit oben war, fast immer auf 100 Prozent seit April. Und wenn man vorher das auf 50 oder 60 Prozent fährt, muss man das seit April nicht auf 100 Prozent fahren. Und dann wird man als blöd hingestellt, so habe ich es gefühlt."

Rundschau: Bleiben Sie vor Ort und damit in direkter Nähe der Wupper oder gibt es Überlegungen wegzuziehen?

Schneider: „Nein! Hier ist meine Heimat. Ich wohne hier seit 32 Jahren, hier ist mein Zuhause, hier ist meine Arbeit, hier ist meine Existenz, hier ist alles für mich. Deswegen möchte ich hier bleiben. Aber das geht nur, wenn Gelder kommen, die uns das wieder aufbauen lassen. Ohne Gelder sind wir gezwungen zu gehen, denn dann kann ich meine Existenz nicht mehr aufbauen.“

Rundschau: Wie leben Sie aktuell?

Schneider: „Ich wohne aktuell hier vor Ort in einem Wohnwagen. Ich bin froh, hier vor Ort sein zu können, ich wollte auch nicht weg. Mir wurden Zimmer oder Wohnungen angeboten, aber ich habe auch einen großen Hund und mit dem möchte ich auch vor Ort bleiben, weil hier mein Zuhause ist. Man hat mir ja auch meinen großen Ofen geklaut und deshalb hat man auch Angst, dass wieder irgendwelche Verbrecher kommen, die einem dann das, was man noch besitzt, oder Geräte, die man noch hat, entwenden. Und deshalb bleibe ich hier und passe auf.“

Rundschau: Welche Unterstützung brauchen Sie jetzt am dringendsten?  

Schneider: „Ganz ehrlich: Uns hilft am meisten Geld. Weil irgendwann sagen die Handwerker: Wir machen das auch nicht mehr kostenlos, oder Firmen, die sagen, wir spenden euch Holz, Rigips, Kabel, Schrauben etc. Also Geld oder Baustoffe würden uns hier am meisten helfen.“