Zeichen gegen Gewalt Schiedsrichter streiken in den drei Fußball-Kreisligen

Wuppertal · In den Fußball-Kreisligen A, B und C im Bereich Wuppertal/Niederberg finden an diesem Wochenende (10. bis 12. April 2026) keine Spiele statt. Grund ist ein Streik der Schiedsrichter.

Symbolbild.

Foto: Dirk Freund

Damit wollen die ehrenamtlich tätigen Unparteiischen „ein bewusst deutliches und unübersehbares Zeichen gegen die zunehmende Gewaltbereitschaft und die anhaltenden Feindseligkeiten sowie Respektlosigkeiten“ setzen, so der Kreisschiedsrichterausschuss. Man akzeptiere „die aktuellen Rahmenbedingungen und Umgangsformen nicht länger“.

„Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle gegen Unparteiische sind seit Jahren ein ernstes Problem im deutschen Amateurfußball und werden auch in bundesweiten Lagebildern des DFB regelmäßig als alarmierender Trend dokumentiert. Trotz verschiedener Präventionsinitiativen und Handlungsempfehlungen, unter anderem auch im Fußballverband Niederrhein, bleibt das Belastungsniveau für Schiedsrichter im Alltag vieler Spielklassen hoch“, heißt es.

Auch im Kreis Wuppertal / Niederberg komme es „regelmäßig zu Anfeindungen, Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegenüber unseren Unparteiischen. Leider werden die verbalen Entgleisungen auch durch tätliche Angriffe ergänzt. So kam es in den vergangenen 18 Monaten in unserem Kreisgebiet bereits zu mehreren außerordentlich belastenden Feindseligkeiten und Angriffen auf unsere Schiedsrichter.“

Der Ausschuss nennt Beispiele: „Im Dezember 2024 kam es während eines Spiels zu einer Morddrohung gegen einen unserer Schiedsrichter. Im Februar 2025 kam es zu einer Bedrohung des Schiedsrichters und in der Folge zu einem körperlichen Angriff auf den Schiedsrichter-Beobachter. Im November 2025 wurde einer unser Schiedsrichter bedroht und anschließend gezielt ins Gesicht abgeworfen.“

Unmittelbarer Auslöser für den Streik sei „ein schwerwiegender Gewaltvorfall“ bei einem Spiel der Herren-Kreisliga C am 29. März 2026: „Bei dieser Partie wurde der eingesetzte Schiedsrichter ca. zehn Minuten vor Spielende von mehreren Personen gejagt und körperlich angegriffen. Der Unparteiische wurde dabei erheblich verletzt.“

Aus Sicht des Kreisschiedsrichterausschusses stellt „das Ausmaß dieser Eskalation eine neue und bisher nicht gekannte Stufe der Gewalt gegen Schiedsrichter im Kreisgebiet dar. Dieser Vorfall reiht sich nicht als isolierte Entgleisung ein, sondern steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der Hemmschwellen gegenüber Schiedsrichtern kontinuierlich sinken und verbale Aggressionen immer häufiger in körperliche Übergriffe umschlagen.“

Mit dem Streik wolle man „bewusst proaktiv handeln, bevor es zu noch gravierenderen Eskalationsstufen kommt. Es darf nicht erst dann gehandelt werden, wenn der erste Schiedsrichter nach einem Angriff mit dem Krankenwagen vom Platz gefahren wird oder dauerhaft gesundheitliche Schäden davonträgt. Es darf auch nicht zu einem Normalzustand werden, dass Schiedsrichter die Sportanlagen unter Polizeischutz verlassen müssen. Der Streik ist ein dringender Appell, die bestehenden Probleme endlich ernst zu nehmen und strukturiert anzupacken.“

Die Botschaft sei klar: „So wie bisher kann und wird es nicht weitergehen. Der Fußball im Kreis Wuppertal/Niederberg und über die Kreisgrenzen hinaus braucht einen spürbaren Kulturwandel in Richtung Gewaltfreiheit, Respekt und Fairness.“ Der Streik richtet sich „gegen destruktive Verhaltensweisen einzelner Akteure, die das Miteinander auf und neben dem Platz vergiften.“ Man wolle „allen Beteiligten – insbesondere den Vereinen, ihren Verantwortlichen, den Mannschaften, Trainern sowie Zuschauern – die Augen öffnen“.

Man beobachte „mit großer Sorge, dass nicht nur der Umgang mit Unparteiischen, sondern auch das Miteinander zwischen Spielerinnen und Spielern, zwischen Spielern und Trainern sowie zwischen Zuschauergruppen teilweise ein Maß an Aggression und Respektlosigkeit erreicht hat, das mit einem fairen Sportbetrieb unvereinbar ist“.

Der Streik sei ein „Appell an den gesamten Fußball, zu seinen Grundwerten zurückzukehren: Fair-Play, gegenseitiger Respekt, Gewaltfreiheit und die Anerkennung der Schiedsrichter als unverzichtbare Voraussetzung für einen geordneten Spielbetrieb.“

Der Kreisschiedsrichterausschuss fordert gemeinsam mit den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern des Kreises: „Deutliche und spürbare vereinsinterne Konsequenzen für Täterinnen und Täter (z.B. Vereinsausschlüsse, Hausverbote, klare Verhaltensregeln auf den Anlagen) / Stärkere Präventionsarbeit in den Vereinen, etwa durch Schulungen, Informationsveranstaltungen und die aktive Einbindung von Kreis-Konfliktbeauftragten und Gewaltpräventionsstrukturen des Fußballverbandes Niederrhein. / Eine klare Haltung aller Funktionsträger in den Vereinen, dass Gewalt, Diskriminierung und Feindseligkeiten im Fußball keinen Platz haben – unabhängig von Spielklasse, Alter oder Wettbewerb.“

Der Fußball auf den Kreisebenen stehe „an einem Scheideweg. Entweder es gelingt gemeinsam, wieder zu einer Kultur des Respekts und des fairen Umgangs zurückzufinden – oder der Amateurfußball verliert nach und nach diejenigen, ohne die kein Spiel angepfiffen werden kann: die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.“

Das Schlusswort: „Sollte sich an der Gesamtsituation auf den Fußballplätzen nichts ändern oder keine spürbaren Maßnahmen erkennbar sein, so halten sich die Schiedsrichter im Kreis Wuppertal/Niederberg offen, erneut den Spielbetrieb zu bestreiken und dabei den Umfang über die Herren-Kreisligen A, B und C hinaus auszuweiten und/ oder die Streikdauer zu verlängern.“

(red)