Wuppertaler Alexandros Paridis Wird das unser ESC-Song für Bulgarien?

Wuppertal · Nach der Punkte-Pleite für Sarah Engels beim Eurovision Song Contest am vergangenen Samstag möchte der Wuppertaler Alexandros Paridis kommendes Jahr für Deutschland antreten. Im noch unveröffentlichten Song „We Don‘t Break“ erzählt der 27-Jährige seine persönliche Familiengeschichte.

Foto: Alexi

Mehr als eine Million Streams auf Plattformen wie Spotify, Apple Music oder Deezer zeigen, dass seine Musik keine reine Feierabend-Beschäftigung ist. „Ich hau nicht einfach irgendein Lied raus“, sagt Alexi. „Ich brauche immer eine Story.“ Schon mit seiner EP Medusa, die 2023 erschien und durch die Initiative Musik gefördert wurde, setzte er auf konkrete Inhalte. Der Song „Safari“ wurde dabei besonders oft gestreamt. Die Texte sind mal Deutsch, mal Englisch, mal Griechisch, so wie sein Leben selbst.

Geboren und aufgewachsen in Wuppertal, mit familiären Wurzeln in der Pontos-Region an der Schwarzmeerküste, ist Alexi bilingual groß geworden. Diese Mischung prägt seinen Stil bis heute. „Ich mag‘s, in deutsche Songs andere Sprachen einzubauen“, sagt er. „Das zeigt, wie bunt Musik sein kann.“

Parallel studiert er Jura an der Fernuniversität Hagen, arbeitet auf sein Staatsexamen hin und sitzt bereits als Schöffe am Landgericht Wuppertal. Ein eher ungewöhnlicher Lebenslauf für jemanden, der gleichzeitig an internationalen Musikprojekten arbeitet. Oder, wie er es selbst formuliert: „Musik ist so vielschichtig - ganz anders als Verfassungsrecht.“

Mit dem Song „We Don’t Break“ arbeitet Alexi derzeit an dem Projekt, mit dem er sich seinen größten Traum erfüllen möchte: die Teilnahme am Eurovision Song Contest. Für ihn ist es weit mehr als ein gewöhnlicher Popsong, denn Alexi verarbeitet darin die Geschichte der Pontos-Griechen, zu denen auch seine Familie gehört. Zwischen 1914 und 1923 wurden Hunderttausende von ihnen verfolgt, deportiert und ermordet – ein Genozid, der bis heute international kaum anerkannt ist. „Das ist mein Herzensprojekt“, sagt er.

Das Lied verbindet englische Songtexte mit Elementen der pontischen Sprache, die bis heute vor allem mündlich überliefert wird. In der Hook klingt sie an, begleitet von der traditionellen griechischen Lyra. Zeilen wie „Nothing’s gonna break us“ oder „When the Lyra starts to play, I feel them breathe again“ zeigen, worum es ihm geht: Erinnerung, Identität und darum, eine für viele vergessene Geschichte wieder greifbar zu machen.

Es ist sein bisher größtes Projekt. Alexi plant ein aufwändig produziertes Musikvideo, möglicherweise in der Türkei – dort, wo ein Teil seiner Familiengeschichte ihren Ursprung hat. Rund 30.000 Euro soll die Umsetzung kosten, finanziert durch Eigenmittel, Partner und Förderungen. Sein Anspruch: Keine Rollen spielen, keine Klischees bedienen. „Ich schreibe nur über Dinge, hinter denen ich stehe und die ich selbst lebe“, sagt er.

Mit künstlich inszenierten Gangster-Image kann er wenig anfangen. Stattdessen setzt Alexi auf persönliche Geschichten und Authentizität. Dazu passt auch ein Satz, den er selbst gerne als Motto nutzt: „Mach kein Auge – lieber zwei.“ Statt missgünstig auf den Erfolg anderer zu blicken – umgangssprachlich gesagt: „Auge machen“ – gehe es darum, genau hinzusehen, sich inspirieren zu lassen und den eigenen Weg zu finden.

Trotz internationaler Ambitionen bleibt Alexi seiner Heimatstadt eng verbunden. Wuppertal ist für ihn sowohl Wohnort als auch Teil seiner Identität. Hier hat er Projekte wie die lokale Castingshow „Hidden Talents Schools“ aufgebaut, die sich gezielt gegen Mobbing, Diskriminierung und Rassismus an Schulen richtet – Themen, mit denen er nach eigenen Angaben selbst Erfahrungen gemacht hat.

Auch seine Familie spielt eine große Rolle. Sein Vater, Vorsitzender der griechischen Gemeinde in Wuppertal und selbst Unternehmer, ist sein „größter Unterstützer“. Die Geschichte seiner Familie – einst wohlhabende Stoffhändler, später zur Flucht gezwungen und als Gastarbeiter nach Wuppertal gekommen – ist für Alexi bis heute prägend und fließt in seine Musik ein. Gleichzeitig schaut er nach vorn. Ein neuer Song mit griechisch-albanischen Einflüssen ist bereits in Arbeit, ebenso weitere Projekte.

Der Eurovision Song Contest begleitet ihn dabei schon seit seiner Kindheit. 2005 gewann die Griechin Elena Paparizou – ein Moment, der ihn bis heute inspiriert. Mit „We Don’t Break“ will Alexi nun selbst den Sprung auf die ESC-Bühne schaffen. Nicht mit einem beliebigen Popsong, sondern mit einer Geschichte, die für ihn persönlich ist.