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Wuppertal: Kampf um Außengastronomie-Flächen

Außen-Gastro auf städtischen Parkflächen : „Unbürokratisch“ mit Fragezeichen

Der politische Wille ist eindeutig: Um der Corona-gebeutelten Wuppertaler Gastronomie unter die Arme zu greifen, hat der Stadtrat im Juni neue Möglichkeiten für Außengastronomie auf städtischen Parkplätzen und öffentlichen Flächen geschaffen. Die gewünschte unbürokratische Umsetzung scheint aber nicht immer einfach, wie das Beispiel des Café Engel am Laurentiusplatz zeigt.

„Alle Betriebe mit gastronomischem Angebot, denen es aus Platzgründen bislang nicht gestattet war, eine Außengastronomie zu betreiben, sollen künftig die Möglichkeit erhalten, gegen Gebühr Pkw-Stellplätze oder öffentliche Freiflächen vor oder in der unmittelbaren Nähe zu ihrem Lokal anzumieten,wo dies sinnvoll und technisch möglich ist. ... Auch eine Erweiterung der bestehenden Außengastronomie soll auf diese Weise möglich werden. Die Genehmigung von Anträgen durch die Verwaltung soll möglichst kurzfristig und unbürokratisch erfolgen.“ So steht es wörtlich im Beschluss, den der Rat am 22. Juni gefasst hat. Für Liana Markaryan, seit 2014 Inhaberin des beliebten Café Engel am Laurentiusplatz, ein höchst willkommenes Signal in schwierigen Zeiten. Ihre Hoffnung, durch zusätzliche Außenplätze auf der vor der Tür liegenden städtischen Parkfläche an der Friedrich-Ebert-Straße wenigstens einen Teil der Corona-bedingten Einnahme-Ausfälle zu kompensieren, platzte aber nach einer telefonischen Anfrage bei der Stadt. Die Straße sei zu stark befahren und Außengastronomie hier nicht möglich ...

Das wirft allerdings Fragen auf. Schließlich sind entsprechende Außenplatz-Konstruktionen normalerweise vom fließenden Verkehr durch Abtrennungen separiert – siehe entsprechende Beispiele in der Lusienstraße. Und das neu eröffnete Café Schimmerlos am anderen Luisenviertel-Ende der Friedrich-Ebert-Straße, das beim Kampf um Sitzplätze auf Parkflächen zuletzt eine Art Vorreiterrolle einnahm, scheint auf den ersten Blick ganz ähnliche Voraussetzungen bei seinen jetzt genehmigten Außen-Areal zu haben. Verkehrsdezernent Frank Meyer sieht das auf Rundschau-Anfrage anders. Sein Argument allerdings: Am Schimmerlos handele es sich um markierte Parkbuchten, vor dem Café Engel aber um eine Parkfläche auf dem Kopfsteinpflaster, die mit Pollern vom Bürgersteig getrennt sei. Das sei platzmäßig alles zu eng.

Die Rundschau hat nachgemessen: Die Parkbuchten im Bereich des Schimmerlos haben eine Tiefe von 1,80 Metern. Von den Pollern, die auf der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe des Laurentiusplatzes den Bürgersteig von der Parkfläche abtrennen, bis zur eigentlichen Fahrbahn sind es locker 2,50 Meter. Mehr als genug Platz also für Tische und Podestkonstruktionen ...

Möglicherweise löst sich das Problem aber auf ganz andere Weise. Denn Dezernent Meyer hält es durchaus für denkbar, dass Liana Markaryan (wie auch benachbarte Betriebe) öffentliche Flächen auf dem Laurentiusplatz nutzen könnten. Bedingung sei aber eine Vereinbarung darüber, dass die Stadt nicht für eventuelle Unfälle von Personal hafte, wenn es für die Bedienung der Gäste die Straße überqueren muss. Da Autos hier allein schon wegen des Kopfsteinpflasters zwangsläufig mit moderater Geschwindigkeit fahren, sieht er ansonsten in den Rahmenbedingungen kein Problem. Grundsätzlich gibt Meyer aber zu bedenken, dass das Gleichgewicht zwischen Interessen von Gastronomen, Anwohnern und Einzelhändlern, die sich nahe gelegene Parkplätze für Kunden wünschen, gewahrt bleiben müsse.

Das „Schimmerlos“ am anderen Innenstadt-Ende der Friedrich-Ebert-Straße: Hier ist die Nutzung der Parkfläche genehmigt. Foto: Simone Bahrmann

Liana Markaryan will sich jetzt schnell um die Laurentiusplatz-Option kümmern und hofft dabei auf mehr Verwaltungs-Rückenwind als bisher. Denn „Ich bin Mutter von zwei Kindern, stehe von morgens bis abends im Café und muss hier meine Miete erwirtschaften. Irgendwann verliert man da die Motivation.“ Einstweilen hat sie sich an ihren vorhanden Außenplätzen entlang der Fassade mit Plastik-Abtrennungen beholfen, um die Tisch-Zahl nicht reduzieren zu müssen. Ein zusätzlicher Außenbereich wäre aber (nicht nur) für sie eine ganz andere Nummer ...