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Wuppertaler Krankenschwester auf Hospitalschiff "Africa Mercy": Sie lag vor Madagaskar

Wuppertaler Krankenschwester auf Hospitalschiff "Africa Mercy" : Sie lag vor Madagaskar

Krankenschwester war der Traumberuf für Tabea Vogelsang. Und sie wusste schon als Kind, dass sie "Armen in Afrika helfen wollte". Das hat sie in diesem Jahr umgesetzt.

Als Vorbilder dienten ihre Tante und ihr Onkel, die 14 Jahre lang als Krankenschwester und Missionar in Kenia gearbeitet hatten. Über sie erfuhr sie auch von "Mercy Ships Deutschland". Der spendenfinanzierte Verein setzt ehrenamtliche medizinische und infrastrukturelle Hilfsprojekte in Entwicklungsländern um. Dazu gehört das nach eigenen Angaben größte private Hospitalschiff der Welt, die "Africa Mercy". Auf dem heuerte Tabea Vogelsang am 3. Januar an — ihre erste derart große Reise.

"Ich war positiv aufgeregt", erinnert sich die 32-Jährige. "Ich kannte ja keinen einzigen Menschen. Auf die Arbeit habe ich mich gefreut, hatte aber auch Respekt." Immerhin würde sie Leid und Armut in bisher ungekannten Ausmaßen erleben. Ihr erster Patient in der Stadt Toamasina in Madagaskar war ein Fünfjähriger mit zusammengewachsenen Fingern. "Die Mutter wollte ihn verbrennen. Er war verängstigt, auch wegen der vielen Weißen. Aber dann hat er Vertrauen gefasst. Zuletzt ist er auf meinem Schoß eingeschlafen."

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In Entwicklungsländern gebe es oft keine oder nur ungenügend ausgebildete Ärzte, sagt die Krankenschwester. "Je nach Erkrankung ist es unmöglich, Hilfe von Einheimischen zu bekommen." Sie sei froh, dazu beigetragen zu haben, die Lebensqualität der Menschen und auch ihr Selbstwertgefühl zu steigern. "Zum Beispiel wegen Mangelernährung leiden viele an Missbildungen wie Gesichtstumoren. Sie leben isoliert, weil ihr Aussehen als Bestrafung gilt." Helfen, zu heilen. Helfen, geschätzt und geliebt zu werden.

Fünf Monate maß die Krankenschwester an Bord Lebenszeichen, gab Medikamente, versorgte Wunden. Und sie kam Patienten näher, spielte oder sprach mit ihnen über mitgereiste Übersetzer. Dafür zahlte sie mehrere tausend Euro — wie alle 400 Ehrenamtlichen aus 40 Nationen an Bord: für Flüge, Unterkunft, Verpflegung. "Ein Plusgeschäft ist das nicht", sagt Tabea Vogelsang. "Aber ich war dort, um zu helfen. Am Ende habe ich viel gewonnen."

Zurück in Wuppertal, blickt Tabea Vogelsang anders auf vermeintliche Alltagsprobleme. Sie vermisst das Schiff, die Entwicklungsarbeit. "Ich will das auf jeden Fall noch mal machen." Jetzt feiert sie aber erst einmal Weihnachten mit der Familie. Im Anschluss warten Patienten. Vorerst nicht in Afrika, sondern in der Notfall-Ambulanz des Petrus-Krankenhauses.