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Prozess in Wuppertal: Schulden wuchsen Angeklagtem über den Kopf

Prozessauftakt : Schulden wuchsen Angeklagtem über den Kopf

Er hatte eine schlaflose Nacht hinter sich und fasste einen folgenschweren Entschluss: ein Banküberfall, am helllichten Tag. Die Schreckschusspistole lag schon zu Jugendzeiten im Schrank, mit der Sturmhaube auf dem Kopf ist er früher Kart gefahren. Er packte beides in die Hosentasche, zog sich schwarze Klamotten an und parkte seinen weißen Golf hinter der Sparkassenfiliale am Islandufer.

Dort kannte er sich aus – als Autohändler braucht man schließlich eine Hausbank. An diesem Tag im Mai jedoch stand er um 11.14 Uhr am Kassenschalter und hielt einem Kunden die Pistole an die Hüfte. Später wird in der Akte zu lesen sein, dass die Waffe nicht funktionsfähig gewesen sei. Der Kunde und der Bankangestellte konnten das nicht wissen. Sie sollen am kommenden Verhandlungstag als Zeugen gehört werden.

Zwei Minuten später war der 35-jährige Angeklagte mit 10.500 Euro in der Hosentasche aus der Bank gelaufen, eine Tüte hatte er nicht mitgebracht. Noch am selben Tag löste er mit dem Geld ein Pferd bei einem Stallbesitzer aus, dem er das Tier noch nicht komplett bezahlt hatte. Auch die Stallmiete war aufgelaufen, der Pferdewirt bekam 13.700 Euro über den Tisch geschoben. „Ich wollte das Pferd verkaufen, um meine Schulden zu bezahlen“, erzählt der Angeklagte von seinen finanziellen Nöten. Die hätten begonnen, als der Kfz-Händler das Auto einer Kundin für 15.000 Euro verkauft und das Geld teilweise dafür genommen habe, um eigene Finanzlöcher zu stopfen.

Die Mutter der Kundin habe ihn danach massiv bedroht. Und was darüber aus den Akten verlesen wurde, lässt ein wüstes Geschäftsgebaren offenkundig werden. Die Frau habe seinem Vater eine Sprachnachricht aufs Handy gesendet und die Familie als asoziale Verbrecherbande hingestellt, die sich in Grund und Boden schämen solle. Von der Mutter seiner Kundin bekam der Angeklagte dann auch noch zu hören: „Ich lasse Leute aus Ungarn einfliegen und die nehmen deine Frau mit. Die kann dann dort anschaffen gehen und die Schulden abarbeiten.“ Bei ihr könne er heulen, bis der Arzt kommt - sie wisse, wo er essen gehe. Und wenn er nicht direkt aus dem Fenster fliegen wolle, solle er ihr weitere 3.000 Euro bringen.

Zur selben Zeit habe ihm auch ein anderer Bekannter damit gedroht, die dort geliehenen 2.000 Euro von Kriminellen eintreiben lassen zu wollen. Die Schulden habe sich der Geldgeber mit 300 Euro pro Woche verzinsen lassen; da sei über Wochen hinweg ordentlich was zusammengekommen. Am Ende habe ihm das Wasser bis zum Hals gestanden und dazu sei auch noch gekommen, dass seine Frau von den finanziellen Nöten nichts gewusst habe. Wegen mehrfacher Insolvenz und vorausgegangener Verurteilungen wegen Betruges sei der Kfz-Handel auf ihren Namen gelaufen.

Dass er das Pferd habe verkaufen wollen, um seine Schulden bezahlen zu können, davon habe die Frau nichts gewusst. Dass er damit bedroht werde, sie nach Ungarn zum Anschaffen zu verschleppen, habe er ihr auch nicht gesagt. Auch den Banküberfall habe er ihr verschwiegen ­– bis sechs Tage später die Handschellen klickten.

Seither sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Der Prozess wird fortgesetzt.