Ihre berufliche Laufbahn begann genau zu dem Zeitpunkt, als der Fachbereich neu aufgebaut wurde. Zwei Stellen wurden damals geschaffen – eine davon übernahm sie. Seitdem arbeitet sie am Standort in der Bocksledde 2.
Auf den SkF wurde sie durch eine Stellenausschreibung aufmerksam. Dass daraus mehr als drei Jahrzehnte werden würden, war damals nicht absehbar. Geblieben ist sie, weil die Arbeit sie überzeugt hat. „Es passiert immer etwas Neues, es ist nie langweilig. Es gibt kaum Wiederholungen“, sagt sie. Besonders schätzt sie den Gestaltungsspielraum, die Arbeit direkt bei den Familien und die Verantwortung, die damit verbunden ist. Genau das habe sie angesprochen.
Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert, vor allem die Zusammensetzung der Klientinnen und Klienten. Marina Feige begleitete Familien, alleinerziehende Mütter, Jugendliche mit Fluchtgeschichte, junge Menschen in die Verselbständigung, sowie Menschen im Rahmen der Eingliederungshilfe. Viele Betreuungen dauerten mehrere Jahre.
„Das sind die besten Betreuungen, wenn man sie über einen langen Zeitraum begleiten darf, weil man die ganze Entwicklung mitbekommt“, sagt sie. Eine Klientin unterstützte sie fünf Jahre lang. Noch heute stehen beide in Kontakt. Zum Abschied schenkte diese ihr ein selbst gemaltes Bild. Es hängt bis heute in ihrem Büro.
Über so viele Jahre hinweg Teil des Lebens anderer Menschen zu sein, bedeutet Verantwortung. „Man wird ein Teil ihres Systems“, beschreibt sie. Vertrauen aufzubauen sei nicht selbstverständlich. Viele Familien müssten erst lernen, offen über ihre Sorgen zu sprechen. Neben der pädagogischen Arbeit gehe es oft auch um ganz praktische Dinge. „Man ist manchmal wie eine private Sekretärin, weil man so viel Organisatorisches regelt oder gemeinsam angeht.“ Wenn Klientinnen und Klienten dann Schritt für Schritt selbstständiger werden, sei das besonders schön. Etwa wenn eine Mutter lernt, ihre Kinder besser zu begleiten oder Hilfe annimmt, zum Beispiel in Form einer Therapie.
Mit den Jahren hat sie sich eine klare Haltung bewahrt. „Es gibt vor allem Positives“, sagt sie. Wichtig sei, nicht nur die großen Probleme zu sehen. „Man soll nicht den riesigen Berg sehen, sondern ihn langsam erklimmen.“ Kleine Fortschritte seien oft entscheidend. Für sie stand immer im Mittelpunkt, Menschen als Menschen zu sehen und nicht auf ihre Schwierigkeiten zu reduzieren.
Fachbereichsleiter Max Ruddies würdigt ihr langjähriges Engagement: „Sie kennt die Klientinnen und Klienten und die Klientinnen und Klienten kennen sie. Die Beziehungen sind gewachsen und stabil.“ Für das Team sei sie eine feste Größe gewesen. „Die ambulanten Erzieherischen Hilfen sind wie ihr Baby. Sie hat den Bereich mit aufgebaut.“ Ihr Weggang sei fachlich wie menschlich ein Verlust. Er beschreibt sie als verlässlich, positiv und als echte Teamplayerin. Mit einem Augenzwinkern verweist er auf ihre Begeisterung für Apache 207 und zitiert eine Zeile, die gut zu ihr passe: „Und wenn ich geh, dann so wie ich gekommen bin – wie ein Komet.“
Marina Feige selbst beschreibt sich als kreativ, lustig, empathisch und positiv. Eigenschaften, die ihre Arbeit über 31 Jahre geprägt haben und Kolleginnen und Kollegen bestätigen. Für die Zukunft wünscht sie dem Fachbereich, dass er sich weiterentwickelt und als starkes Team bestehen bleibt.
Mit ihrem Abschied endet ein prägendes Kapitel der ambulanten Erzieherischen Hilfen beim SkF Bergisch Land. Viele Familien und Kolleginnen und Kollegen werden sich an sie erinnern – nicht nur wegen ihrer Erfahrung, sondern wegen ihrer wertschätzenden und positiven Haltung.