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Kommentar zum Wuppertaler Künstler-Solidarfonds „EinTopf“

Kommentar zum Künstler-Solidarfonds : „EinTopf“ – einmalig!

Corona-Erfolgsgeschichten sind nicht allzu dicht gesät. Vor allem nicht, wenn es darum geht, ob und wie Menschen tatsächlich geholfen werden konnte, denen durch die Absperrung des öffentlichen Lebens ihre Existenz- und Geschäftsgrundlage entzogen wurde.

Man darf da von Berufsverbot sprechen. Von einem Berufsverbot, das der Staat verordnet hat. Viel ist gegrübelt und erfunden worden, um den soloselbständigen Künstlern und den Leuten aus dem Umfeld der Kunst- und Kulturszene unter die Arme zu greifen. Vieles hat nicht wirklich funktioniert, weil offenbar mancher Hilfsprogrammerfinder gar nicht wusste, wie die freie Kunst- und Kulturszene funktioniert. Wie sie funktioniert, weiß die Szene allerdings selbst sehr gut. Und darum war es eigentlich selbstverständlich, dass eben diese Szene schon früh mitten im Corona-Loch mit dem Solidarfonds „EinTopf“ ein offenbar bundesweit einzigartiges Unterstützungsinstrument auf die Beine gestellt hat.

Eine wechselnde Jury – in der übrigens mit dem Kulturbüro auch die Wuppertaler Verwaltung einen Platz hat – entscheidet schnell und sachlich über die Verteilung der eingegangenen Mittel an hilfsbedürftige Künstler, die sich per Antrag gemeldet haben. David J. Becher von der Utopiastadt, der im Kulturausschuss den „EinTopf“ erläuterte: „Es ist ein echter Notfall-Topf, und durch viel Spendenbereitschaft ist es auch gelungen, einige Künstler vor der Gosse zu retten.“ Gefüllt werden kann der „EinTopf“ von jedem, der das tun möchte. Jetzt beispielsweise, angeregt durch einen Ratsantrag von CDU und Grünen, der die Unterstützung aller Parteien (außer der Rechtsaußen) fand, durch 20.300 Euro aus dem Engels-Jahr-Etat, wo nicht alles Geplante durchgeführt werden konnte – und also etwas übrig ist.

Weitere Geldfindungs-Aktionen wollen Politik und Verwaltung vorantreiben. Die SPD fordert eine Sonderförderung von 60.000 Euro für die freie Szene sowie einen Solidaraufschlag von einem Euro auf alle nicht reduzierten Tickets der Wuppertaler Bühnen.Apropos Bühnen: Man will freien Theatern beispielsweise dadurch helfen, dass es ermöglicht werden soll, deren Ensembles immer einmal wieder im Theater am Engelsgarten oder im Opernhaus auftreten zu lassen: So könnten trotz Abstandsvorschriften halbwegs vernünftige Zuschauerzahlen generiert werden, die man in kleinen Theatern kaum erreichen kann.

Außerdem denkt nach Informationen der Rundschau das Kuratorium des Wuppertaler Von der Heydt-Kulturpreises darüber nach, die mit 12.500 Euro dotierte Auszeichnung in diesem Jahr als wichtiges Signal pauschal der freien Kulturszene der Stadt zu verleihen. Weit üppiger argumentierte im Kulturausschuss Bernhard Sander von den Linken: Seine Partei will 500.000 Euro Hilfsgeld für die lokale Szene. Kämmerer Slawig, so Sander, habe das Recht, „einen Corona-bedingten Sonderhaushalt aufzustellen“.

Sei es, wie es sei: Der „EinTopf“ ist eine großartige Sache. Und er funktioniert – in offenbar reibungsloser Abstimmung zwischen Betroffenen und der Wuppertaler Kulturverwaltung. Dafür kann man nicht laut genug applaudieren.

Was ich aber nicht fassen kann: Nach der CDU- und Grünen-Antragstellung im Rat am 11. Mai wurde deutlich, dass namhafte Kultur-Politiker dieser Stadt noch gar nicht mitbekommen hatten, dass es den „EinTopf“ schon seit Anfang April gab. Wuppertals Medienlandschaft, die auf Papier, online und auf Radio- sowie TV-Frequenzen seit der „EinTopf“-Gründung für diese Aktion getrommelt hat, ist nicht so riesig, dass man jede Woche Hunderte von Seiten durchackern müsste. Sich mit dem wohlklingenden Label „Kulturpolitiker“ zu schmücken und in der heftigen Corona-Zeit den „EinTopf“ verpasst zu haben – das verdient keinen Applaus.