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Biographie „Die Leben des Paul Zech“: Wenig fundierte Rezension

Biographie „Die Leben des Paul Zech“ : Wenig fundierte Rezension

Betr.: Biographie „Die Leben des Paul Zech“, Rundschau-Online-Leserbrief von Ulrich Klan

Vergangenes Jahr bot mir die Armin T. Wegner-Gesellschaft an, meine neu erschienene Zech-Biographie in Wuppertal im Rahmen einer Lesung vorzustellen, die von Ulrich Klan musikalisch umrahmt würde. Das habe ich dankend abgelehnt. Mein Wunsch war eine Veranstaltung, bei der ausschließlich Paul Zech im Mittelpunkt steht.

Nun liegt Herrn Klans Verriss besagter Publikation doppelt vor: in der vereinseigenen Zeitschrift und als Leserbrief im Netz. Doch die negative Rezension ist wenig fundiert.

Schon ihr Titel „Eine gigantische Anklageschrift“ (Anmerkung der Redaktion: Diese Formulierung kommt in Ulrich Klans Text vor und wurde von der Rundschau-Redaktion als Überschrift verwendet) trifft nicht zu. Im Vorwort meines Buches verweise ich ausdrücklich darauf: „Für sein Verhalten kann Zech im juristischen Sinne nur bedingt verantwortlich gemacht werden, denn er litt an einer von väterlicher Seite ererbten psychischen Krankheit. [...] Bis heute wurde und wird ihm aber bei der Darstellung seiner Verfehlungen nirgends eine krankheitsbedingte Schuldunfähigkeit attestiert.“ Einen solchen Freispruch habe erstmals ich in meinem Buch gefordert und auf zwei fachärztliche Diagnosen verwiesen.

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Von wenig Sachkenntnis zeugt auch Klans Feststellung, wir befänden uns „in einer Zeit, in der es immer weniger Chancen gibt, Texte von Paul Zech zu lesen“. Als Belege für Fehlendes werden unter anderem „Der schwarze Baal“ sowie Werke aus der Exilzeit genannt. Nach dem Freiwerden der Autorenrechte hat es jedoch seit 2017 eine Reihe von Neuauflagen gegeben. Beispielsweise sind beim Boer-Verlag „Der schwarze Baal“, „Das Grab der Welt“, „Das rote Messer“ und weitere Titel erschienen.

Besondere Wertschätzung erfuhr Zech durch zwei wissenschaftliche Editionen seiner Werke. Mario Zanucchi gab die deutsche Nachdichtung von Baudelaires Gedichtband „Die Blumen des Bösen“ heraus. Das zweite Buch trägt den Titel: „Paul Zech. Probleme und Gestalten der deutschen romantischen und neueren Dichtung. Biographische und literaturgeschichtliche Essays. Textkritisch herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Hannah Gerlach“.

Ein weiterer Vorwurf Klans lautet, mein Buch tue „nichts, um dem Verschwinden von Zechs Texten entgegenzuwirken.“ So etwa fände man darin „kein einziges vollständiges Gedicht dieses starken Poeten“. Abgesehen davon, dass der Rezensent hier die Aufgaben einer Biographie mit denen einer Werkausgabe verwechselt, sei darauf verwiesen, dass ich schon 2013 die „Bäume am Rio de la Plata“ in einer zweiten, vermehrten, bebilderten, zweisprachigen Neuauflage herausgebracht habe, der 2016 eine bilinguale Ausgabe der „Antifaschistischen Gedichten“ Zechs folgte, die 1934/35 wöchentlich im „Argentinischen Tageblatt“ erschienen waren, ergänzt durch Zeichnungen des deutschen Künstlers Carl Meffert (Clement Moreau).

Derzeit fertigt eine Berliner Judaistin in meinem Auftrag deutsche Übersetzungen von einem Teil der 150 Beiträge Zechs an, die von 1936 bis 1942 auf Jiddisch in den beiden Bonaerenser Zeitungen „Di Presse“ und „Di Folkschtime“ erschienen und bisher nirgends verzeichnet, geschweige denn irgend einer Leserschaft zugänglich gemacht worden sind.

Wenn Klan fordert: „Paul Zechs Werk wäre disparat zu beschreiben und zu beurteilen“, so empfehle ich einen Blick in die Bibliographie von Ward B. Lewis, in der, wie ich aus Erfahrung weiß, einschlägige Sekundärliteratur in solcher Menge aufgeführt ist, dass deren Lektüre Jahrzehnte in Anspruch nimmt. 

Das Desiderat der Forschung war stets eine verlässliche Zech-Biographie. Die, so glaube ich, geliefert zu haben.

Dabei freut es mich, von Rezensenten wie Stefan Seitz bestätigt zu bekommen, dass es mir dabei gelungen sei, „trotz der wissenschaftlichen Fülle unterhaltsam zu erzählen“. 

Alfred Hübner