Wiener Goldkehlchen aus Wuppertal

Lennart und Wingard Sippel : Wiener Goldkehlchen aus Wuppertal

Mit dem 13-jährigen Lennart und dem zehnjährigen Wingard haben Christiane Sippel und ihr Mann Uwe zwei Söhne an die Wiener Sängerknaben „verloren“.

Nach der dreijährigen Grundausbildung in der Wuppertaler Kurrende stellte sich Lennart beim Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben in Wuppertal Kapellmeister Manolo Cangin vor und bewarb sich. Nach dem erfolgreichen Vorsingen zog es ihn vor zweieinhalb Jahren zum weltbekannten Knabenchor.

Er ist seither mit dem 24-köpfigen Bruckner-Chor in den USA, Kanada, der Schweiz, Deutschland, Italien, Russland und zuletzt in Japan aufgetreten. Auch wenn in den acht Wochen der Japan-Tournee in diesem Jahr 35 Konzerte von je zwei Stunden sowie Fernseh- und Radioaufnahmen auf dem Plan standen, war Lennart von Land und Leuten begeistert. „Die Audienz beim neuen japanischen Kaiserpaar war eine ganz besondere Ehre“, sagt er. Trotz aller Freude am Gesang: Der Alltag ist in Wien nicht leicht. Nach dem Frühstück beginnt um 7.30 Uhr der Unterricht, der um 11 Uhr durch eine zweistündige Chorprobe unterbrochen wird. Am Nachmittag geht es mit Unterricht und Proben weiter und um 18.30 Uhr gibt es Abendbrot. Erst danach haben die Jungen Freizeit. Mit Druck und Stress umzugehen, lernen die Jungs – auch, wie man auf Reisen mit den Fans klarkommt. Lennart Sippel: „Ich möchte nicht tauschen und bin nach wie vor begeistert dabei.“

Vom harten Alltag seines Bruders hat sich Wingard nicht abschrecken lassen und absolvierte in Wien eine dreimonatige Probezeit. Nach den Sommerferien mit vierwöchigem Ferienlager am Wörthersee sind beide Brüder wieder nach Wien gereist und in den Alltag eingestiegen. Ein Jahr singen sie noch gemeinsam und touren zusammen durch Südkorea, dann endet für Lennart nach der achten Klasse die normale Knabenchorzeit mit Tourneen. Es gibt für die Zeit danach noch den Juventus-Chor der gymnasialen Oberstufe mit dem Schwerpunkt Vokalmusik, Schauspiel und Komposition.

Die Sommerferien wurden daheim, in der „Alten Knopffabrik“ am Alten Lenneper Weg, intensiv genutzt, für Treffen mit Freunden, Besuchen der „Junior Uni“ und an „ihrer“ Wupper. Wingard tut dies gern früh morgens, wenn er allein ist und den Graureiher trifft. Die komplette Familie Sippel war vom Start weg als „Wupperpaten“ mit dem Abschnitt in der Bockmühle aktiv. Die beiden Söhne hatten die Idee mit den „Wupperrangern“, die künftig stadtweit eingesetzt werden sollen, sagt Christiane Sippel.

Die 15-jährige Tochter Berit komplettiert das Quintett, ist ebenfalls musikalisch, wie ihr Klavierspiel verrät. Sie ist in die Q1 am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium gekommen und, wie Lennart, sehr stark an Naturwissenschaften interessiert. Berit weiß schon seit langem, dass sie Metaphysikerin werden will.

Sie ist sehr zielstrebig und hat dieses Jahr die Chance genutzt, an der Sommeruniversität der Uni Wuppertal teilzunehmen und zu experimentieren. Christiane Sippel: „Das fand sie sehr spannend. Sie würde gern dort schon viel mehr machen, doch bekommt sie wegen ihres Alters sehr oft Absagen. Sie ist stets zu jung, was sie sehr gefrustet hat, als sie auf der Suche nach einem Schülerpraktikumsplatz war.“ Berit war dieses Jahr für einen Schüleraustausch in China und nochmals in Paris. Auf ihre Brüder ist sie nicht neidisch, eher stolz.

Christiane Sippel engagiert sich politisch, im Bürgerforum Heckinghausen, in der Frauenunion und in der Wuppertaler DLRG. Ihr Mann Uwe hat die Schwerpunkte Theater und Kommunikation, ist außerdem Dozent an der „Junior Uni“.

Ihre beiden Jungs dürfen die drei daheim gebliebenen Sippels erst Weihnachten wieder in die Arme schließen, weil die Herbstferien für Lennart und Wingard wegen der Trimester am Realgymnasium der Sängerknaben diesmal ausfallen.

Mehr von Wuppertaler Rundschau