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Uraufführung der Kantate „Ich habe dich gewählt …“ von Lutz-Werner Hesse in der Stadthalle

Uraufführung der Kantate „Ich habe dich gewählt …“ : Ob Else das gefallen hätte?

Die Dichterin Else Lasker-Schüler, vor 150 Jahren im Briller Viertel geboren, wurde am Ende ihres Jubiläumsjahres noch einmal groß gefeiert: Mit der Uraufführung der Kantate „Ich habe dich gewählt …“ von Lutz-Werner Hesse in der Stadthalle – einem „Symphonischen Gedicht“ für Sprecher, Mezzosopran, Chor und Orchester.

Der Komponist: Lutz-Werner Hesse, Rektor der Wuppertaler Musikhochschule und durch seine Einführungsvorträge vor den Konzerten des Sinfonieorchesters dem Konzertpublikum gut bekannt.

Beteiligt sind neben dem Sinfonieorchester auch noch Oper (mit Chor und der Solistin Iris Marie Sojer), Schauspiel (vertreten durch Thomas Braus) und der Kammerchor „amici del canto“.

Die Wuppertaler Kultur gratuliert der großen Dichterin also mit gebündelten Kräften. Und die Texte, die Hesse hier vertont hat, das sind natürlich sämtlich Gedichte von Else.

Ein Avantgardist ist Hesse nicht, und bei seinem im Gestus an die Spätromantik, an manches von Gustav Mahler (die frühen „Wunderhorn“-Symphonien oder das „Lied von der Erde“) anknüpfenden Stil muss niemand Angst vor „neuer Musik“ haben. Sechs Gedichte von Lasker-Schüler hat er ausgewählt, von denen eines unbegleitet als Prolog gesprochen wird (eindrucksvoll: Thomas Braus).

In den besten Passagen der Komposition ist mit farbiger, oft impressionistisch anmutender Instrumentation die melancholisch-träumerische Stimmung der Texte sehr schön eingefangen. Das Sinfonieorchester, bei dem die Bläser mit samtweichen Posauneneinsätzen und erlesen schönen Soli in den Holzbläsern Großes leisten, spielt unter der Leitung von Chefdirigentin Julia Jones mit wunderbarer Klangkultur. Darüber erhebt sich der attraktive lyrische Mezzosopran von Iris Marie Sojer.

Während die Solistin delikat begleitet wird, kommt es in den rein instrumentalen Abschnitten auch zu eindrucksvollen Klangballungen. Hesse kann es auch richtig krachen lassen.

Ein wenig schlicht wirkt beim einmaligen Hören dagegen die Rolle des Chores. Der Opernchor und der Kammerchor „amici del canto“ hätten sicher auch anspruchsvollere Gesangslinien gemeistert, und im Gegensatz zum Orchestersatz hat Hesse hier die klanglichen und auch harmonischen Möglichkeiten kaum ausgereizt. Die demonstrative Nachdrücklichkeit mancher Chorstelle verleiht dem Werk eine dozierende Schwerfälligkeit, die dem intimen Charakter der Gedichte entgegensteht. Da hätte Else sich womöglich hier und da verwundert die Ohren gerieben.

45 Minuten dauert die Kantate, und mit Benjamin Britten hat man im ersten Teil des Konzerts Lutz-Werner Hesse einen sicher wesensverwandten Komponisten gegenübergestellt. Gespielt wurde das Violinkonzert aus dem Jahr 1939: Der famose Solist Kerson Leong glänzt mit atemberaubend sauberen Doppelgriffen, als sei das die leichteste Sache der Welt. Auf die kurze Symphonie von Mozart hätte man in diesem Kontext getrost verzichten können – wie auch auf den reichlich albernen Konzerttitel „Mikado“. Am Ende des Konzerts viel Beifall für die Ausführenden und den Komponisten.