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Interview: Schauspieler Stefan Walz über seine Theaterzeit in Wuppertal: "Tartuffe war bisher das Highlight"

Interview: Schauspieler Stefan Walz über seine Theaterzeit in Wuppertal : "Tartuffe war bisher das Highlight"

Mit Beginn der Schauspielintendanz von Susanne Abbrederis kam Stefan Walz ins Ensemble des Sprechtheaters. Mit ihm sprach Rundschau-Redakteurin Sabina Bartholomä über seinen Beruf und seine Erfahrungen in Wuppertal.

Rundschau: Die zweite Spielzeit in Wuppertal liegt hinter Ihnen. Gibt es aus dieser Zeit ein herausragendes Ereignis?

Walz: Ja, die Krönung war das Spiel von "Tartuffe" im Opernhaus. Eigentlich haben wir zwei Spielzeiten daran gearbeitet. Zuerst hieß es, hier anzukommen, ein Ensemble aufzubauen, die Gunst eines Publikums zu gewinnen, das noch dem vorherigen Ensemble nachtrauerte. Diese Arbeit hat sich gelohnt, das hat "Tartuffe" gezeigt. Es macht sehr viel Spaß, hier Theater zu spielen.

Rundschau: Wie reagiert das Wuppertaler Publikum?

Walz: Die Rückmeldungen sind positiv, sei es bei organisierten Treffen wie etwa im Club Theater Silber oder spontan nach einer Vorstellung. Wir haben angefangen, nach den Vorstellungen Werbung zu machen, Flyer zu verteilen, dann kommt es zu sehr schönen Live-Begegnungen. Das Publikum identifiziert sich über Jahre stark mit dem Ensemble, das haben wir auch gemerkt, als Bernd Kuschmann als Gast auftrat. Die Wuppertaler haben ihre Lieblinge, das ist richtig, sonst könnten sie ja auch in ein anderes Theater gehen, nach Bochum oder Köln.

Rundschau: Gibt es bestimmte Inszenierungen in der kommenden Spielzeit, auf die Sie sich besonders freuen?

Walz: Zuerst einmal auf die Buddenbrooks. Die Concordia ist ein wunderbarer Ort. Man geht durch die Barmer Innenstadt, tritt durch eine Tür und steht in einer anderen Welt, die man so nie erwartet hätte. Mit Peter Müller kommt der Regisseur von "Die Wupper" zurück. Damals nahmen wir die Zuschauer mit auf eine Reise durchs Tal, bei der selbst Wuppertaler Orte entdeckten, die sie vorher nie gesehen hatten. Ansonsten erfahren wir relativ spät, ob wir in einem Stück besetzt sind und ob wir wirklich die Traumrolle bekommen.

Rundschau: Kann man die Musik als Ihr zweites Standbein bezeichnen?

Walz: Ja, fast bei jedem Engagement hat es sich ergeben, dass ich ein musikalisches Projekt allein oder mit Kollegen auf die Beine gestellt habe. In Essen, wo ich von 1997 bis 2005 engagiert war, haben wir nach den Vorstellungen "Männerschmerz" gespielt. Es ist herrlich, das als Ausgleich machen zu können.

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Rundschau: Dürfen wir uns in der kommenden Spielzeit auf ein neues musikalisches Projekt freuen?

Walz: Vielleicht Night Radio 2, oder ein Crossover mit der Konkurrenz Wunschkonzert. Lena Vogt, die neue Kollegin, stellt sich mit einem Abend zu Janis Joplin vor, auch da ergeben sich Möglichkeiten. Über Tartuffe haben wir den Opernchor kennengelernt, ich würde gerne aus spartenübergreifend arbeiten, Tänzer dabei haben, aber da fehlen noch die Kontakte.

Rundschau: Haben Sie sich in Wuppertal mittlerweile eingelebt?

Walz: Ja, bevor ich hierher zog habe ich Leute gebeten, mir zehn schöne Orte, tolle Lokale und gute Geschäfte in der Stadt zu nennen. Da kam nicht viel, man konnte das Gefühl bekommen, die Wuppertaler sind nicht stolz auf ihre Stadt. Wim Wenders Film 'Pina' zeigt Wuppertal als Superstadt. Also habe ich mich aufgemacht, diese Orte zu finden. Die Stadt braucht Selbstbewusstsein, wobei ich glaube, dass es langsam wächst. Und Wuppertal braucht das Theater.

Rundschau: Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf immer wieder neu?

Walz: Die Verwandlung und die Arbeit. Man fängt mit jedem Stück neu an. Auch wenn man nach Jahren eine Figur nochmals spielt ist sie anders, dann ist mehr Leben drin. Man fängt an als Julia, ist später die Mutter Capulet und irgendwann die Amme. Es gibt keine Regeln, der Zauber ist es. Fremdheit, Fragen nach sexueller Orientierung und diese Dinge gibt es beim Theater nicht. Man kommt zusammen und arbeitet. Schön ist die Mischung im Ensemble, von ganz jung bis alt. Die Jungen lernen von den Alten, für die die Jungen der Jungbrunnen sind. Und es fehlt das vorgegebene Schema einer Berufskarriere.

Rundschau: Gibt es eine Traumrolle, die Sie unbedingt einmal spielen möchten?

Walz: König Richard III im Shakespeare Drama, aber wenn mir jemand heute die Rolle des Romeo anbieten würde, der erhielt sofort meinen Zuschlag.