„Griselda“ im Wuppertaler Opernhaus Musik: oha! Regie: na ja ...

Wuppertal · 291 Jahre ist es her, dass Antonio Vivaldis Oper „Griselda“ 1735 in Venedig uraufgeführt wurde. Die Story um die vom Herrscher verstoßene Königsbraut wäre heute eine ganz andere.

Sonja Runje als Griselda (links) und Rinnat Moriah als Constanza.

Foto: Bettina Stöß

Drum präsentiert sich die Wuppertaler „Griselda“, die Mathilda du Tillieul McNicol (fast nur mit Gästen) fürs Opernhaus inszeniert hat, in Sachen Kostüme und Ausstattung ganz modern. König Gualtiero beispielsweise ist hier der Chef eines Tech-Unternehmens, Griselda keine Schäferin, sondern ein früheres Nachtclub-Tanzgirl. Und so weiter.

Nachvollziehbar, den „uralten“ Stoff zu „verheutigen“, um ihn sichtbar zu machen. Gut tut das der Inszenierung nicht. Das Oberklasse-Gegenwart verströmende Interieur und die (sehr eleganten) Kostüme (beides Noemi Daboczi) „beißen“ sich mit der Ästhetik des Barockgesanges. Die Doppel-Drehbühne zeigt zahlreiche Zimmer. Aber es ist zu viel los auf ihr – Tür auf, Tür zu, Kleidung aus, Kleidung an, Zigarette aus, Zigarette an.

Über allem jedoch die wunderbare Musik Vivaldis: Yorgos Ziavras dirigiert das durch spezielle Barock-Instrumente ergänzte, sehr gut aufgelegte Sinfonieorchester. Da breitet sich ein mal rasanter, mal schmeichelnder Klangteppich übers Auditorium.

Ihn ergänzt vor allem der Mezzosopran beziehungsweise Alt der starken Sonja Runje in der Rolle der Griselda: Warm, kraftvoll, emotional singt sie eine Frau, die ihr Schicksal nicht fremdbestimmen lässt, sondern in die eigenen Hände nimmt. Ihr fast ebenbürtig ist Sopranistin Rinnat Moriah als Constanza. Sie sind (es ist Gualtieros Schuld) Rivalinnen. Und begegnen einander zum Schluss doch ganz anders. Zwei besondere Frauen, zwei erstaunliche Stimmen.

Allüberall heißt es über Vivaldis Oper „Griselda“, sie werde „nur sehr selten“ aufgeführt. Die Frage, ob es nicht gute Gründe dafür gibt, muss man stellen. Den Wuppertaler Barock-Abend jedenfalls retten die Musik – und die Frauen.