1. Kultur

Generalmusikdirektorin verlässt Wuppertal: Emotionaler Jones-Abschied

Generalmusikdirektorin verlässt Wuppertal : Emotionaler Jones-Abschied

Mit furioser musikalischer Attacke in der Ouvertüre zu Verdis Oper „Nabucco“ begrüßten das Sinfonieorchester und seine scheidende Chefdirigentin Julia Jones das Publikum: 250 Besucherinnen und Besucher konnten bei diesem Konzert im Großen Saal der Stadthalle live dabei sein.

Ein passendes Signal für den Neuanfang, befand Oberbürgermeister Uwe Schneidewind in seiner kurzen Ansprache zum Abschied der Dirigentin, in der er – wie später auch Daniel Siekhaus, der Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen – hervorhob, dass die Generalmusikdirektorin nie um klare und direkte Worte verlegen gewesen sei.

Sehr genaue Vorstellungen auch im Hinblick auf die musikalischen Interpretationen, das ist ja durchaus ein Markenzeichen von Julia Jones, wie sich etwa in der abschließenden 4. Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy zeigte, der „Italienischen“. Dass da neben südländischem Flair im ersten Satz ein unterschwelliger, doch eher preußischer Marschrhythmus mitschwingt und so manche Fanfare ertönt, das machte sie mit dem ausgezeichnet aufgelegten Orchester ebenso hörbar wie in den anderen Sätzen den Feenzauber, der gar nicht so entfernt an Mendelssohns Musik zum „Sommernachtstraum“ erinnert, von den Holzbläsern luftig-leicht dahingetupft.

  • Julia Jones verlässt Wuppertal.
    Wuppertaler Generalmusikdirektorin : Julia Jones: Abschied mit Publikum und Livestream
  • Trompetenvirtuose Simon Höfele.⇥⇥ Foto: Marco Borggreve
    Sinfonieorchester Wuppertal : Klassikklänge und Klimaschutz
  • Oberbürgermeister Uwe Schneidewind.
    Wuppertaler Partnerstadt : OB Schneidewind: Solidarität mit Be´er Sheva

Zwischen Verdi und Mendelssohn dann „Introduktion und Rondo cappricioso“ für Violine und Orchester von Camille Saint-Saëns mit Konzertmeister Nicolai Mintchev als beeindruckendem Solisten. Auch da zeigte Julia Jones noch einmal, was ihren Stil oft ausgezeichnet hat: Klare Struktur, eine gewisse Strenge, der Sinn für die großen Zusammenhänge und eine genaue Vorstellung, wie das Werk klingen soll. Schwelgen im schönen Moment, das ist weniger ihre Sache.

Aber so bekam das virtuose Stück des französischen Komponisten Witz und Brillanz. Dieses letzte Konzert ihrer Amtszeit verdeutlichte noch einmal das hohe künstlerische Niveau, das Julia Jones in den vergangenen fünf Jahren garantiert hat.

Die letzte Wuppertaler Opernproduktion der Dirigentin kann man vom 4. Juli an – allerdings leider nur im Stream – erleben: Giuseppe Verdis „La Traviata“, längst aufgezeichnet. Julia Jones zieht es derweil für die nächsten Wochen an den Bodensee: Dort wird sie auf der Seebühne vor großem Publikum mehrfach Verdis „Rigoletto“ dirigieren.